Dienstag, 10. Mai 2016

Der Merkurtransit – ohne Murphy geht es nicht

Der 9. Mai 2016 war schon länger in meinem astronomischen Jahreskalender rot angestrichen und ich hatte frühzeitig einen Tag Urlaub eingereicht und dann auch bekommen. Die Frage für mich war nur, wo ich ihn beobachten könnte. Innerhalb Hamburgs hat mein Astroverein keinen eigenen Standort und somit auch keine Sternwarte, die man hätte nutzen können. Meine Wohnung verfügt nicht über einen Balkon, weshalb ich zwar das Ende des Transits beobachten könnte, den Anfang aber verpassen würde, weil ich mit dem Fernrohr direkt am Fenster stehend die Sonne nicht erreichen würde. Das geht bei mir sinnvollerweise erst ab ca. 16/17 Uhr. Daher testete ich von meiner Küche aus das Equipment funktionierte - schlecht für die Generalprobe, die bekanntermaßen schiefgehen muss, damit es bei der Premiere gut geht.

Erfolgreiche Tests am Küchenfenster
In unserer Hamburger Sonnengruppe hatten wir das Thema natürlich auch besprochen und so erging eine Einladung von Klaus-Peter Daub an Michael Steen und mich, bei ihm im Garten zu beobachten. Wir nahmen die Einladung gerne an und wurden nebenbei bestens mit Essen und Trinken versorgt. Am Ende waren wir fünf Beobachterinnen und Beobachter, die im Garten ihre Teleskope aufgebaut hatten. Nach dem Aufbau der Instrumente und dem Installieren der Technik warteten wir gespannt auf das kommende Ereignis. 
Ganz ohne Murphy ging es bei mir wieder einmal nicht, denn pünktlich zum 1. Kontakt zog eine Wolke vor die Sonne - so ziemlich die einzige, die gerade am tiefblauen Himmel zu finden war - und gleichzeitig stieg mein Rechner aus, was mir an diesem Tag gleich mehrfach passierte.

Pünktlich zum 1. Kontakt kamen Wolken
Ich hatte meinen 90/1000er Refraktor auf einer SP-Montierung  reanimiert und diese über ein Netzteil betrieben. Allerdings wies der Handtaster einen Schaden an der Schnittstelle für den Strom auf, weshalb die Nachführung dann und wann aussetzte. Probleme gab es auch mit dem Steuerungsprogramm Apt 3.11. Die Verbindung zur Canon EOS 40D brach immer wieder ab. Die Sonne lief raus, ich musste wieder alles neu einrichten, während unser Gastgeber an seinem 152/1200-Refraktor munter sein Aufnahmeprogramm abarbeiten konnte.

Der Fernrohrpark im Garten
Das Seeing zeigte sich auch nicht gerade von seiner besten Seite und so musste ich mehrmals versuchen, einen Schärfepunkt zu finden, was selbst mit einem Badelaken über dem Kopf am Rechner zu einer Qual wurde. Zwischendurch gelangen durchaus einige Aufnahmen, die meisten waren aber aufgrund der schlechten Luftbedingungen weitgehend unscharf. Bei regelrechtem “Schwabbelseeing” war es schlechterdings nahezu unmöglich, einen Schärfepunkt zu finden. Schließlich dann der Super-GAU: Irgendwann weigerte sich das Programm, Aufnahmen zu machen, weil angeblich kein Speicherplatz mehr auf der Festplatte vorhanden, obwohl ich die Bilder auf eine externe Festplatte ausgelagert hatte. Es waren über 10 GB Platz auf der Festplatte des Rechners, doch Apt 3.11 ließ sich davon nicht beeindrucken und behauptete, es hätte nur noch 27,3 MB zur Verfügung. Damit endete mein Aufnahmeprogramm etwa eine Stunde, bevor die Sonne hinter einem Baum verschwand.
Neben der fotografischen Arbeit beobachteten wir den Transit mit meinem PST im H-alpha und schon beim 1. Kontakt war zu sehen, dass Merkur knapp unterhalb einer Randprotuberanz vorbeiwanderte und später auch nahe an einigen kleinen Filamenten stand. Durch die Vielzahl der Instrumente konnte man das Ereignis auch visuell sehr schön verfolgen. Was auffiel war, dass der Planet – wie eigentlich auch nicht anders zu erwarten – als dunkler, schwarzer Ball dahinzog und daher auch nicht mit einem der wenigen vorhandenen Sonnenflecken verwechselt werden konnte. Zwar kannte ich das schon vom letzten Venustransit her, aber es ist immer wieder beeindruckend, dass dann live zu sehen. Erfahrungen vom letzten Merkurtransit 2003 hatte ich leider keine, weil ich an dem Tag nicht frei bekommen hatte. Daher erstaunte mich dann die “Kleinheit” des Planeten doch ein wenig, aber er war klar von den aktuellen Sonnenflecken zu unterscheiden – selbst kurz nach dem 1. Kontakt, als die Wolken eine erste Beobachtung erlaubten – und mein Rechner gerade wieder am Hochfahren war.
Eine der ersten Aufnahmen um 11:30 UT kurz nach dem 2. Kontakt, aufgenommen mit 90/1000er Refraktor mit Canon EOS 40D, gesteuert mit gerade mal funktionierendem Abt 3.11, ISO 400, 1/1000s belichtet 

Merkurtransit um 13:55 UT aufgenommen mit 90/1000er Refraktor mit Canon EOS 40D, gesteuert mit gerade mal funktionierendem Abt 3.11, ISO 400, 1/1500s belichtet 

So vergingen die Stunden und auch nach dem Ende der Beobachtung saßen wir noch in lockerer Runde beisammen. Es war – bis auf die nervenden technischen Probleme – ein entspannter Merkurtransit. Ob es den am 11. November 2019 ebenfalls geben wird, ist fraglich, da das Wetter in dem Monat traditionell schlecht ist und man das Ereignis ohnehin nicht in voller Länge wir beobachten können. Für Hamburg und Umgebung wird der Planet um 12:35 Uhr MEZ vor die Sonne treten, der Mittelpunkt des Transits wird um 15:20 Uhr erreicht und um 18:04 Uhr wird der 4. Kontakt zu beobachten sein. Sonnenuntergang ist aber schon um 16:30 Uhr. Man bräuchte dann schon eine wirkliche Horizontsicht, ansonsten ist – zumindest bei mir – der Transit schon um 14 Uhr wieder zu Ende, weil die Sonne dann hinter Hochhäusern verschwindet.

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