Montag, 28. September 2015

Die totale Mondfinsternis vom 28.9.2015

Lange erwartet, doch nach wenigen Stunden war wieder alles vorbei: die letzte für die kommenden Jahre von Mitteleuropa aus gut zu beobachtende totale Mondfinsternis vom 28. September 2015.

Wie immer stand in den Tagen vor der Finsternis die Frage im Raum, wohin man denn fahren solle. Klar war, dass ich sie bei mir zu Hause nicht beobachten konnte, da der Mond bei Eintritt in den Kernschatten hinter einem meiner Hochhäuser stehen würde. Da die GvA Hamburg in der Stadt ebenfalls keine adäquaten Beobachtungsplätze vorweisen konnte und auch eine Beobachtung vom Gelände der Bergedorfer Sternwarte wegen der zu hohen Bäume aussschied, ging es vor allem darum, wohin man sich begeben sollte.

Die Finsternis sollte in den frühen Morgenstunden in Richtung Südwest / West zu sehen sein und der Austritt aus dem Kernschatten gegen 7 Uhr bei nur wenigen Grad Höhe über dem Horizont zu beobachten sein. Michael Steen und ich hatten lange überlegt, wohin die Reise gehen sollte. Innerlich hatte ich mich eigentlich schon für die Gegend rund um Fehmarn wegen der dort häufig stabilen Wetterlagen entschieden. Aber man musste die Wettervorhersagen abwarten und der im Herbst für Norddeutschland so typische Nebel ließ sich mit den meisten Modellen nicht wirklich vorhersagen. Klar war, dass man feuchte Niederungen meiden sollte, womit die meisten Gegenden westlich von Hamburg (z.B. Haseldorfer Marsch) ausschied. Auch die die Außensternwarte der GvA in Handeloh erschien mit das Risiko wegen der Nebelbildung dort zu hoch, denn wenn ich mir hierfür schon die Nacht um die Ohren schlug, dann sollte das Wetter wenigstens einigermaßen sicher sein.

Überdies berechneten die Wettervorhersagen immer häufiger einen klaren Himmel für die Ostholsteiner und Fehmarner Ecke. Gegen 23 Uhr - ich erinnerte mich dabei an die Tour zur Beobachtung des Venustransits 2012 - brachen wir auf und kamen nach gut anderthalb Stunden an. Ursprünglich hatten wir geplant, an der Abfahrt Großenbrode die B207 zu verlassen und uns am Strand einen Platz zu suchen. Welch eine Fehleinschätzung, was die Position des Mondes am Himmel anging, denn von dort aus blickte man zwar aufs Wasser, aber nicht zum Mond.

Es kam anders, denn wir landeten schließlich - wie schon bei zwei Sonnenfinsternissen - auf einem Autobahnparkplatz, denn was am Tage klappte, sollte auch in der Nacht gehen. Und so kam es schließlich auch: wir fuhren auf den Parkplatz Ostseeblick - der heißt wirklich so, auch wenn man von dort aus die Ostsee gar nicht sieht. Er liegt aber etwas höher als die Umgebung, was durchaus von Vorteil war. Nicht für die Sicht auf den Mond, aber für den eventuell zu erwartenden Nebel, der die ganze Nacht über sich vornehm zurückhielt.

Da wir recht früh dran waren, pausierten wir noch ein wenig im Auto, bevor wir mit dem Aufbau begannen. Ich durfte mein 80/560 mm Triplett auf Michaels SP-Montierung setzten, bei der wir eine batteriebetriebene Nachführung hatten, was insbesondere für die Aufnahmen während der Totalitätsphase wichtig war. Er selbst beobachtete mit einem 80/910er Refraktor auf einer zweiten Monti. An das Triplett befestigte ich meine Canon EOS 40D, auf einem Fotostativ kam meine Canon EOS 1100 D mit 300mm Telezoom und 58 mm Festbrennweite zum Einsatz.

Den Beginn der Halbschattenfinsternis kurz nach 2 Uhr bekamen wir nicht mit, die ist naturgemäß auch nur sehr schwer zu erkennen. Je näher jedoch der Eintritt in den Kernschatten um kurz nach 3 Uhr rückte, desto dunkler wurde der Ostrand des Mondes. Es war klar, dass der Mond zwar durch den Erdschatten gehen, ihn aber nicht in der Mitte, sondern am unteren Rand durchschreiten würde. Daher sah man bis fast ständig einen leichten hellen Saum am Mondrand, der in der Nacht von Ost über Süd nach West verlief, entsprechend der Wanderung durch den Erdschatten und somit einen auffälligen Helligkeitsgradienten.


Mond vor Beginn der Totalität
Noch bevor der Mond zur Hälfte in den Erdschatten eingetaucht war, konnte man auf länger belichteten Aufnahmen und auch visuell die rötliche Verfärbung erkennen, die natürlich immer intensiver wurde. Spätestens bei Beginn der Totalität um kurz nach 4 Uhr lohnte sich der Blick zum übrigen Sternhimmel. Die Milchstraße war sehr gut zu sehen, im Osten stand der Orion, der Schwan ging im Westen unter und später gingen dann noch Venus, Mars und Jupiter im Osten auf. Es gibt durchaus Leute, die während einer Mondfinsternis nicht den Mond, sondern ein Deep-Sky-Objekt aufnehmen. 

Der Helligkeitsgradient war während der Finsternis ständig zu sehen

Die Finsternis war insgesamt sehr dunkel, Danjon=1
In der Nacht telefonierten wir mit anderen Sternfreunden, die entweder bei Hagenow ebenfalls auf einem Autobahnparkplatz oder auf einer leider wohl sehr feuchten Wiese beobachteten.

Kurz vor Ende der Totalität

Ende der Totalität
Auf der Autobahn A1 herrschte nur wenig Verkehr und nur ab und zu kamen Leute vorbei und erkundigten sich nach unserem nächtlichen Treiben. Das Ende der Totalität gegen 5:30 Uhr kündigte sich schon lange vorher durch den bereits erwähnten hellen Saum, diesmal am Westrand, an. Schließlich war es soweit und der Mond trat aus dem Schatten der Erde heraus. Kurz vorher hatte die Morgendämmerung eingesetzt, die ein wunderschönes Farbenspiel entfaltete und einen Blick auf Venus, Mars und Jupiter erlaubte. Den Austritt des Mondes aus dem Kernschatten um kurz vor 6:30 Uhr konnten wir noch verfolgen - die CF-Karte meiner Kamera war voll und ich konnte keine Aufnahmen mehr machen -, bevor der Mond hinter einer Wolkenbank in Richtung Westen verschwand.

Auffallend war die sehr dunkle Finsternis - 1 nach der Danjon-Skala -, die dennoch ein beeindruckendes Bild abgab. Die Nacht war an dem Standort relativ trocken, wir hatten keinerlei Tauprobleme und selbst die Laternenmasten auf dem Parkplatz wiesen kaum Feuchtigkeit auf. Mein Auto beschlug auch erst spät in der Nacht.

Als wir alles im Auto verstaut hatten, suchten wir noch eine Autobahnraststätte auf und nahmen ein Frühstück ein, dass die fortschreitende Müdigkeit vertreiben sollte. Das wichtigste dabei war der Kaffee, der mich ein wenig wacher machte. Am Ende war ich froh, als ich zu Hause ankam, nicht mehr zur Arbeit und auch nicht mehr fahren musste. So hieß es dann erst einmal, den verlorenen Schlaf nachzuholen … Bilder kann man später auch noch bearbeiten.

Kommentare:

  1. Hallo Manfred,
    interessanter Bericht! Im Gegensatz zu Deiner Suche nach einem geeigneten Beobachtungsplatz, war es bei mir einfacher - ich konnte von meiner Gartensternwarte aus die gesamte Mofi beobachten. Allerdings hatte ich die Nachbarn zu Besuch und dabei waren seriöse Monaufnahmen nicht möglich.
    Grüße Gerald

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  2. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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