Montag, 28. Januar 2013

Lohnt es sich noch, Astrozeugs zu kaufen (2)?

Zu einem meiner ersten Postings in diesem Blog (2010) gehörte die provokante Frage, ob es sich überhaupt noch lohnt, Anschaffungen für das Hobby Astronomie zu tätigen. Wir alle wissen, dass dieses Hobby sehr zeitaufwändig ist und vor allem sehr kostspielig sein kann und extrem witterungsabhängig ist.
Für ein Teleskop kann man bekanntlich sehr leicht mehr ausgeben, als für einen Mittelklassewagen. Im Jahr 2010 hatte ich zwar verkündet, mir nichts Neues mehr kaufen zu wollen, doch dann kam später ein kleines Quadrupelt für die Astrofotografie hinzu, nachdem ich bei einem Sternfreund gesehen habe, welche Astroaufnahmen man damit machen kann. Ich besitze dieses Gerät nun seit fast einem Jahr und konnte es gerade 3x zum „Rummurphen“ einsetzen, einmal, als ich es an der Außensternwarte der GvA dabei hatte und der Adapter nicht passte. Beim nächsten Mal saß es auf der Klemme eines Sternfreunds, die nicht hielt und alle Sterne vereierte. Beim dritten Mal war es wieder der falsche Adapter, der Aufnahmen verhinderte. Fazit: Bisher ist mir KEIN EINZIGES gutes Foto gelungen. 
Vor etwa drei Monaten kaufte ich mir dann den 10x30 Image Stabilizer-Feldstecher von Canon, ein vielseitiges Instrument, das ich bisher KEIN EINZIGES Mal unter einem dunklen Himmel ausprobieren konnte. Zwar konnte ich bei Vollmond (der für Deep-Sky-Beobachtungen denkbar schlechtesten Zeit dafür, weil alles überstrahlt wird) zweimal Jupiter mit seinen Monden und einmal den offenen Sternhaufen NGC 1981 oberhalb der drei Gürtelsterne des Orion beobachten, das war es dann aber auch schon. 
Seit meinem Kirchheim-Urlaub im Oktober 2012 konnte ich KEIN EINZIGES Mal mehr nachts beobachten, weil es entweder in Hamburg und Umgebung nicht klar war, zu spät in der Nacht aufklarte, Sturm herrschte etc. 
Es reiht sich ein Negativerlebnis an das andere. Neulich wollte ich den neuen Feldstecher am Morgenhimmel kurz an M 42 testen. Ich sah noch, wie der Himmel einigermaßen klar war, holte schnell den Feldstecher und schon war binnen Sekunden wieder alles dicht. So ging es bis auf die Nacht vom 12. auf den 13. Januar, als es zwar sehr kalt war, aber auch stürmisch, sodass man das Fernrohr auch wieder nicht aufbauen konnte. Seit dem ist der Himmel nachts wieder zu. Ein paar Stunden war es am 25.1. klar, aber da war fast Vollmond, was ich immerhin dazu nutzen konnte, die Gebäude der Bergedorfer Sternwarte bei Schnee im Vollmondschein aufzunehmen. Leichter Dunst ließ selbst die hellsten Sterne verblassen (und man sah „schön“ die Lichtkegel von Hamburg und Wentorf). 
Das miese Wetter scheint aber durchaus auch ein regionales Problem zu sein, denn ich erlebe es oft, dass man aus Richtung Süden nach Hamburg fährt, einen sonnigen Tag oder einen klaren Nachthimmel hat und kurz vor der Landesgrenze  in den Syph, in Dunst und Schmodder hineinfährt. Das bestätigte auch ein Blick in das Beobachtungsbuch eines in der Lüneburger Heide lebenden Sternfreundes, der 2013 schon mehrfach Jupiterzeichnungen anfertigen konnte, gerade auch zu Zeitpunkten, als der Himmel in Hamburg völlig zu war. Die Stadt produziert offenbar durch ihre Emissionen so viel Schadstoffe, dass sie ihr eigenes Klima erschafft, das wiederum anscheinend häufig zur regionalen Wolkenbildung führt. Ich habe hierzu keine Daten, merke aber fast oft, dass außerhalb der Stadt besseres Wetter herrscht, als in der Stadt. Das ist selbstverständlich nur subjektiv, hält bestimmt keiner näheren wissenschaftlichen Untersuchung stand und leidet zudem mit Sicherheit auch unter selektiver Wahrnehmung, doch wie kann man sich die Wahrnehmung sonst erklären? 
Besagter Sternfreund hatte nicht nur deutlich besseres Wetter, sondern auch einen entscheidenden Vorteil, der ihn auch kurze Auflockerungen nutzen lässt: Er nimmt das Teleskop, stellt es vor die Tür und kann mit den Beobachtungen beginnen. Ich muss erst einmal das Auto vollladen und dann mindestens eine Stunde rausfahren, da bei mir die Lichtverschmutzung immer stärker wird und ich durch Bewuchs und Bebauung erst ab 23 Uhr an den Jupiter heran komme. Zwei Stunden Autofahrt nimmt man in der Woche auch nicht regelmäßig auf sich, wenn man am nächsten Tag wieder zur Arbeit muss. Und an den Wochenenden ist der Himmel in der letzten Zeit oft wieder nur bei Vollmond einigermaßen klar, wenn überhaupt. 
Welche Alternativen gibt es, um zu mehr Beobachtungen zu kommen? 
·    Umzug in eine astrofreundlichere Gegend: Möglich, aber mit Nachteilen und höheren Kosten für Miete und Fahrgeld für den Arbeitsweg (steigende Kosten bei Benzin, Bahntarifen etc.) verbunden,
·    Stadtwohnung mit Balkon nach Süden suchen und auch Planeten konzentrieren (möglich, aber in Hamburg oft mit hohen Mieten verbunden),
·    Equipment optimieren: Eine Möglichkeit, aber das ganze Jahr über nur Trockenübungen machen, ohne je zum Einsatz zu kommen ist, wie bei einem Fussballverein nur auf der Bank zu sitzen,
·    Sternwarte außerhalb bauen: Schwierig und teuer aber eine Alternative, so spart man sich das Be- und Entladen des Fahrzeugs, aber der Fahrtweg bleibt,
·    Remote-Teleskope nutzen (vielleicht die einzig wirkliche Alternative),
·    Warten bis man Rentner ist (sehr riskanter Weg, nicht empfehlenswert, kenne viele, die das gemacht haben und dann im Alter krank wurden oder früh starben und Pläne nicht mehr umsetzen konnten),
·    Auf die praktische Beobachtung verzichten (schwer, wenn man vom Virus Astronomie befallen ist), weil es ohnehin nicht mehr klappt,
·    Wenn es klar ist, nach Plan vorgehen, evtl. auf Fotografie verzichten und nur visuell beobachten werden (verspricht am meisten Erfolg),
·    Hobby aufgeben (das wäre die denkbar schlechteste Lösung, kenne aber auch Leute, die aus Witterungsgründen alles verkauft haben und sich anderen Dingen zuwandten),
·    ???
Persönlich habe ich mich noch nicht für einen der Punkte entschieden, beschäftige mich aber – auch aufgrund des launenhaften norddeutschen Wetters – eigentlich nur noch mit der Sonnenbeobachtung (Relativzahlbestimmung) und nur 1 bis 2x pro Jahr mit der Nachtbeobachtung. Ob man sich dafür aber neue Teleskope, Okular etc. anschaffen sollte, muss gründlich überlegt werden, schließlich kauft man auch kein Auto, ein Haus oder eine sündhaft teure Stereoanlage, nur um es vielleicht mal zu nutzen, wenn es gerade passt!

Kommentare:

  1. Hallo Manfred,
    sehr schöner Bericht und Du sprichst hier sicherlich fast jedem Hobbyastronomen aus der Seele.
    Da ich aus Berlin beobachte, geht es mir meist nicht viel besser.
    Ich habe den großen Vorteil von Schwiegereltern mit Haus vor der Stadt. Dort stehen zwei meiner 5 Teleskop. Die anderen 3 hab ich zu Hause. Tja, beim Kauf von Zubehör stellt sich immer wieder die Frage...ich machs aber trotzdem. Ist halt der Virus.
    CS
    Stefan

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  2. Ja, ich kann das nachempfinden. Aber das Hobby aufgeben, weil man zu selten beobachten kann? Nie und nimmer!
    Wenn man aber Daten (Bilder) sammeln (aufnehmen) will um sie dann auszuwerten, sind Remote-Teleskope sicher eine sinnvolle Alternative zu einer eigenen Sternwarte und der entsprechenden technischen Ausrüstung. Allerdings soll das auf Dauer auch ins Geld gehen, da hinter diesen Angeboten kommerzielle Firmen stehen, die Umsatz machen wollen.

    Hmmm, wie teuer kann das wohl sein, eine Remote-Sternwarte aufzubauen und zu betreiben? Welches technische Know-How braucht man dafür?

    Mit kosmischen Grüßen....

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  3. @Mr. Spaceartist, ich habe gestern durch Zufall auch mal nach Remote-Teleskopen gesucht. Stefan Taube verwendet eines, welches auf Tenerifa steht. 50 € für 3 Monate finde ich gar nicht so teuer und wenn ich bedenke, dass mein letzter Tubus 200 € gekostet hat, dann kann ich hier 1 Jahr lang ein großen 12" betreiben.
    Ich werde so ein Teil mal ausprobieren.
    Ein eigenes Aufbauen ist sicherlich mit viel Zeit- und Geld-Invest verbunden.
    VG,
    Stefan

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  4. Du bringst es in Deinen beiden Artikeln schön auf den Punkt, allerdings ist die Sache bei mir etwas anders. Ähnlich wie Dein Sternfreund in der Lüneburger Heide muss ich nur ein paar Meter in den Garten laufen, um zumindest gute Bedingungen vorzufinden.
    Was mich aktuell noch ein wenig davon abhält, Geld auszugeben sind
    a.: Das Wetter und
    b.: die Unsicherheit viel Geld für Schrott auszugeben.

    Gut ersteres kann man nicht beeinflussen, damit muss man halt Leben, und in meinem Fall ist es eh egal, da ich ja nicht groß in der Gegend herum fahren muss.

    Beim zweiten habe ich schon eher Bedenken. Ich will nach Möglichkeit nur einmal Geld ausgeben, und dann auch keine Unsummen. (Schmerzgrenze = 800 - max.1.000 €) Ich bin noch dabei mich in dieses Thema einzulesen, und auch auf der Suche nach Vereinen in meiner Gegend (Oberfranken, Südthüringen) wo ich mich etwas ausführlicher Beraten lassen kann.

    Aktuell lasse ich mir mit der Entscheidung bewusst Zeit, da ich, wenn es wirklich mal Wettertechnisch passt, problemlos auf einen relativ guten Feldstecher zurückgreifen kann.

    Anyway, Danke für die beiden Links, und man liest sich auf Twitter. :)

    Viele Grüße,
    Marcus :)

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