Donnerstag, 20. Dezember 2012

Der Weltuntergang im Fernsehen


Nun ist es fast soweit: Morgen soll der vermeintliche Weltuntergang stattfinden – und das Fernsehen ist live dabei. Bei einigen Produktionen ist schon heute klar, dass sie einen vorwiegend esoterischen Inhalt haben werden, andere hingegen dürften das Ganze eher ironisch nehmen oder das Treiben etwas mehr aus der Distanz betrachten. Wie dem auch immer sei, in der nachfolgenden Liste habe ich alle Sendungen (auch Filme), die ich finden konnte, aufgeführt. Natürlich erhebt sie keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird sicher auch in diversen TV-Magazinen und Nachrichtensendungen über den nicht stattfindenden Weltuntergang berichtet werden. Schauen Sie sich also das Ende der Welt vor dem Fernseher an – wie es in manchen Ländern auch bei totalen Sonnenfinsternissen immer wieder empfohlen wird.

21.12.2012:
02:40 arte:       Die Rückkehr von Laika (5 min.)
08:25 arte:       x:enius: Das Ende naht, was fasziniert uns an
                      Weltuntergängen? (30 min.)

10:15 Phoenix:  Verschwörungstheorien – Mythos oder Wirklichkeit (95 min.)
11:30 Phoenix:  Vor Ort: u.a. vermeintlicher Weltuntergang (45 min.)
13:02 arte:       Die Rückkehr von Laika (5 min.)
13:10 N 24:      Zukunft ohne Menschen – Das menschliche Erbe (50 min.)
14:30 arte:       x:enius: Warum haben Verschwörungstheorien so viel Macht? 
                      (30 min.)
15:00 arte:       2012 – Die Prophezeihung der Mayas (55 min.)
15:15 DMAX:     Meteoriten-Männer: Feuerball über Utah (60 min.)
15:55 arte:       99 Gründe, warum die Welt nicht untergehen darf (55 min.)
16:05 N 24:      2012 – Die Prophezeihung der Maya (55 min.)
16:50 arte:       Bugarach – Wo die Welt nicht untergehen wird (55 min.)
17:05 N 24:      Der Nostradamus-Effekt: 2012 – Das Ende der Welt (55 min.)
18:30 3sat:       nano: Apokalypse – jetzt! (30 min.)
20:15 arte:       Das Ende der Menschheit (1) (55 min.)
20:15 RTL 2:     2012 – Das Jahr in dem die Erde gefriert (Film)
20:15 RTL nitro: Apokalypse Eis (105 min.)
21:10 arte:        Das Ende der Menschheit (2) (50 min.)
22:00 RTL 2:      Stonehenge-Apokalypse – Die letzten Tage der Erde
22:05 arte:        Kommt die Apokalypse? (30 min.)
23:15 ZDF:        Abenteuer Forschung: Der Weltuntergang (30 min.)
23:15 DMAX:      DMAX-Geschichte: Maya und Wikinger (60 min.)
23:35 arte:        Bugarach – Wo die Welt nicht untergehen wird (55 min.)

22.12.2012
02:40 arte: Die Rückkehr von Laika (5 min.)

PS: Ergänzung der Phoenix-Sendungen nach Hinweis von Daniel Fischer.

Dienstag, 18. Dezember 2012

Was kommt nach dem Weltuntergang?



Am kommenden Freitag soll nun die Welt untergehen und es gibt kein Szenario, das die Anhänger der verschwurbelten Theorie auslassen: Meteore, die auf die Erde fallen sollen (bislang aber nicht entdeckt wurden), Sonnenstürme (die bei der derzeit sehr geringen Sonnenaktivität nicht zu erwarten sind), ein Planet auf der anderen Seite der Sonne (der sich durch seine Gravitationskräfte schon längst verraten hätte) oder auch geheimnisvolle Strahlen aus dem Milchstraßenzentrum, vor dem die Erde am 21.12. stehen soll (was aber nicht der Fall ist), nichts ist absonderlich genug, um als Grund für den Weltuntergang herzuhalten.

Schon werden die Ausbrüche der Vulkane Tungurahua (Equador) und Lokon (Indonesien) sowie der Abbruch eines Eisbergs am Petermann-Gletscher in Grönland als Zeichen für den bevorstehenden Weltuntergang gesehen. Meine iPhone-App Earthquake lite zeigt mir gerade zwei 5.0-Erdbeben vor Japan (zwischen Fukushima und Mito) an. Aber: Ohne das vermeintliche Ereignis wäre niemand auf die Idee gekommen, beides miteinander zu verbinden! Manches wäre noch nicht mal ein Beitrag in einer der Nachrichtensendungen Wert gewesen. So aber sieht man Zusammenhänge, wo keine sind.

Was den im Dresdner Codex abgebildeten Maya-Kalender angeht, so gibt es gerade unter den Anhängern des Weltuntergangs seltsam uninformierte Geister, die sich wie alle auf die einzig verfügbare Quelle berufen, die überdies noch stark interpretationsbedürftig ist, aber sich mit diesem nicht auseinandergesetzt hat. So ist schon der eigentliche Startpunkt des Maya-Kalenders unbekannt, man weiß also gar nicht, wann welche Zählung zu Ende geht, wann welche anfängt, doch das schreckt einen wahren Weltuntergangsanhänger natürlich nicht ab.

Doch was machen die Esoteriker und Weltuntergangsjünger eigentlich, wenn – wie zu erwarten – nichts passiert. Was, wenn Menschen aus Panik Suizid begehen, wenn Kinder nachts nicht mehr schlafen können, weil sie Angst haben vor einem nahen Ende haben? Ausgelöst durch die unverantwortliche Panikmache von Esoterikern? Entschuldigen diese sich? Übernehmen sie Verantwortung, wenn sich Leute deswegen umbringen oder Haus und Hof verkaufen, um sich in einem Bunker einzugraben? Stellen sie sich vor die Kameras und sagen: „Sorry, war alles falsch?“ Was, wenn Sektenanhänger aus lauter Furcht vor dem nicht eintretenden Weltuntergang Massenselbstmord begehen, wie seinerzeit die Irregeleiteten beim Kometen Hale-Bopp, die im Schweif ein UFO vermuteten, das sie mitnehmen sollte?

Auf jeden Fall kann man damit noch gut Geschäfte machen und vielleicht ein Überlebenspaket verkaufen, eine Reise an einen sicheren Ort unternehmen oder eine Versicherung abschließen. 

Ein gestandener Esotriker wird natürlich nicht von seinem Glauben abschwören, sondern frei und frank behaupten, die Mayas hätten sich verrechnet. Ein neuer Termin ist auch schon gefunden: Es ist der 15. Februar 2013wenn der nur 44m durchmessende Asteroid 2012 DA14 die Erde im Abstand von nur 24.000 km passieren wird. Natürlich wird auch dann nicht die Welt untergehen, es darf aber ein spektakuläres Himmelsereignis erwartet werden. Mehr nicht.

Was aber ist denn nun, wenn man – wie zu erwarten – am 22.12.2012 aufwacht und es ist nichts passiert? Kann man die Damen und Herren Esoteriker vor einem ordentlichen Gericht auf Schadenersatz verklagen? Wie ist die Rechtssituation, wenn man wegen des vermeintlichen Weltunterganges sinnloses Zeug gekauft oder sich gar verschuldet hat? Kann man dafür Esoteriker wegen Irreführung anzeigen?

Ich weiß es nicht, vermute aber, dass niemand verklagt werden wird und diejenigen, die sich haben verblenden lassen, mit ihrem (selbstgewählten) Elend zurückbleiben. Auch dafür werden Esoteriker und Weltuntergangsfanatiker mit Sicherheit keinerlei Verantwortung übernehmen, oder sich gar öffentlich entschuldigen. Sie werden in ihrem schändlichen Treiben einfach unbeeindruckt weitermachen und den nächsten Termin anvisieren, wo dann auch nichts passiert, wetten?

150. Todestag von Karl Kreil (1798-1862)

Der hierzulande wenig bekannte Astronom und Meteorologe Karl Kreil wurde am 4. November 1798 in Oberösterreich in der Kleinstadt Ried am Innkreis geboren. In der Benedektinerabtei Kremsmünster lernte er durch Pater Bonifaz Schwarzbrunner die Astronomie kennen und schätzen und war in der Vorstudienzeit häufig an der dortigen Sternwarte anzutreffen. Mehr aus finanziellen Gründen studierte er an der Universität Wien zunächst Rechtswissenschaften, gab dieses jedoch 1823 zugunsten der Astronomie auf und widmete sich fortan der Astronomie, Mathematik und Physik. 1827 wurde er Assistent an der Sternwarte der Universität Wien, 1831 Adjunkt – Assistent ohne Lehrtätigkeit - an der Sternwarte La Brera oberhalb von Mailand. 1838 wechselte er an die sich in einem sehr schlechten Zustand befindende Sternwarte am Prager Jesuitenkolleg Celmentinum. 1845 wurde er deren Direktor, musste jedoch vorwiegend repräsentative Aufgaben wahrnehmen.

Durch die Umstände und widrigen Rahmenbedingungen am Jesuitenkolleg war er gezwungen, sich statt mit astronomischen Fragen mehr und mehr mit terrestrischen Wissenschaften und dem Erdmagnetismus zu beschäftigen. So führte er in Österreich-Ungarn die terrestrische Physik ein. In der k.u.k.-Doppelmonarchie organisierte er die meteorologischen und magnetischen Beobachtungen, richtete verschiedene Messstationen ein und kümmerte sich um systematische Registrierung und Auswertung der Beobachtungen. Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916) verlieh Kreil den Österreichisch-kaiserlichen Leopold-Orden und ab 1847 wurde er dann Mitglied der neu geschaffenen kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, der er erstmals die Pläne für eine Zentralstation für magnetische und meteorologische Beobachtungen in Österreich-Ungarn vorlegte. Diese wurden erst 1851 verwirklicht und so lange blieb Kreil in Prag.

Noch heute kann dort der astronomische Turm und die Sternwarte in dem barocken Gebäude an der Karlsbrücke besichtigt werden, das auch die Tschechische Nationalbibliothek beherbergt. Insgesamt sechs Jahre war er in Prag tätig, und hatte hier 1843 eine Abhandlung über seine Beobachtungen des „Großen Kometen“ dieses Jahres „Über die Natur und Bewegung der Kometen“ veröffentlicht. Schon 1832 hatte er sich in Mailand den Kometen verschrieben und seine Beobachtungen in der Schrift „Cenni storici e teoretici sulle comete“ zusammengefasst. Weiter verfasste er mehrere Texte über den Einfluss des Mondes auf die Erde.

Im Juli 1851 war der Ruf der Universität Wien an die neu zu gründende Zentralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus der folgt. Diese Berufung war gleichzeitig mit der Ernennung zum ordentlichen Universitätsprofessor für Physik verbunden. Die Kombination aus Direktorat einerseits und Professur andererseits hat sich übrigens bis zum heutigen Tage erhalten.

Die in Prag begonnenen und in Wien fortgesetzten systematischen  Beobachtungen wurden nun auf ganz Österreich-Ungarn und darüber hinaus ausgedehnt. So ließ er Stationen in  Böhmen, an den Ufern der Adria sowie in der Türkei und am Schwarzen Meer errichten. In dieser Zeit entstand dann auch eine intensive Korrespondenz mit berühmten Astronomen, Geodäten und Physiker Karl Friedrich Gauß (1777-1855), mit dem er sich hauptsächlich über geodätische Fragen austauschte. Dieser Briefwechsel wird heute – zusammen mit seinem weitgehend erhaltenen Nachlass in mehreren Kisten verpackt -, in der Fachbereichsbibliothek der Universität Wien, aufbewahrt. Hieraus entstand möglicherweise die Idee des Aufbaus eines Netzes aus automatisch arbeitenden Stationen im Kaiserreich und den angrenzenden Gebieten. Seine Ergebnisse veröffentlichte Kreil in mehreren Universitätsschriften wie "Magnetische und geographische. Ortsbestimmungen in Österreichischem Kaiserthum "(5 Ausgaben, Wien, 1846 bis 1851), „Anleitung zu magnetischen Beobachtungen"(2. Auflage, Wien, 1858), „Jahrbücher des Zentralinstituts für Meteorologie und Erdmagnetismus in den Jahren 1849-1862“.

Karl Kreil verstarb am 21. Dezember 1862 in Wien, doch seine Bemühungen wirken bis heute nach, so führte das vom ihm mitbegründete Institut ein meteorologisches Beobachtungssystem erst für Österreich-Ungarn, später für die Republik Österreich ein, es gab die ersten täglichen Wetterkarten des Landes heraus und wurde bis heute stetig aktuellen Aufgaben angepasst und mit den jeweils neuesten Instrumenten ausgestattet.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

75. Todestag von Josep Comas i Solà (1868-1837)

Josep Comas i Solá wurde am 19. Dezember 1868 in Barcelona geboren und zeigte schon sehr früh eine allgemeine Begeisterung für wissenschaftliche Studien und hierin besonders für die Astronomie. Im Alter von 15 Jahren er nach allen verfügbaren Unterlagen über den Fall eines Meteoriten, der am 5. November 1851, der 16 Meilen sw. Barcelona, 4 Meilen östl. Tarragona, Catalonien, Spanien niedergegangen war und entwickelte daraus eine besondere Vorliebe für die Beobachtung dieser Kleinstkörper des Sonnensystems.

Erste eigene Veröffentlichungen schrieb er über die Beobachtung einer Mondfinsternis und den Meteoritenschauer vom 27. November 1885, der auf den zerfallenen Kometen 3D/Biela zurückging. 1866 begann er an der Universität von Barcelona das Studium der Physik und Mathematik und wechselte später zur Astronomie. Während der Marsopposition 1890 herum begann er mit eigenen Beobachtungen und Zeichnungen an einem eigenen 108 mm Refraktor, die an der Königlichen Akademie der Wissenschaften und Künste in Barcelona ausgestellt wurden.

Weiter beobachtete er mit diesem Instrument Jupiter, Saturn und die Sonne. Von 1895 bis 1897 war er als Astronom am Catalá San Feliu de Guixols-Observatorium tätig und unternahm mehrere Studienreisen zu Sternwarten und den Vulkanen Vesuv und Ätna. Zur Beobachtung der Sonnenfinsternisse vom 28. Mai 1900 und 30. August 1905 erhielt er von der Königlichen Akademie der Wissenschaften und Künste von Barcelona den Auftrag, diese nicht nur vorzubereiten, sondern auch die erst wenige Jahre alte Fotografie – Solá hatte sich als Befürworter dieser neuen Beobachtungstechnik ausgesprochen – für die Beobachtung dieser Naturereignisse einzusetzen.

Für die 1905er Finsternis reiste er nach Vinaroz (Castellón), wo es ihm als weltweit erstem gelang, durch das Anbringen eines Spektrografen das Spektrum der solaren Chromosphäre aufzuzeichnen. Mit gleicher Methode beobachtete er auch die Merkurdurchgänge von 1907 und 1909 und war damit in der Lage, den Durchmesser des innersten Planeten unseres Sonnensystems zu bestimmen. Neben dem Jupiter und dessen turbulenten Atmosphäre sowie dem Großen Roten Fleck beobachtete er vor allem Saturn. In den Jahren von 1890 bis 1937 setzte er sich intensiv mit dem Geschehen auf dem Ringplaneten auseinander. Dabei nahm er unterschiedliche Helligkeiten im Ringsystem („Ringlicht“) wahr, von dem er richtigerweise annahm, dass die Variation in Abhängigkeit von der Differenz der Azimute von Sonne und Erde und der Fläche der Ringe entstand.

Beim 1665 durch Christiaan Huygens entdeckten Saturnmond Titan wies Solá als erster die Atmosphäre des Mondes nach und entdeckte auch ihre Randverdunkelung – ein bei der Sonne schon länger bekanntes Phänomen (vgl. Astronomische Nachrichten 179 (4290). Seite 289-290. (1908)).. Erst 1944 konnte Gerard Kuiper (1905-1973) am Yerkes-Observatorium der Universität von Chicago diese frühe Beobachtung spektroskopisch bestätigen. Im Jahr 1910 beobachtete und fotografierte Solá den Halleyschen Kometen bei seiner Wiederkehr, studierte seine Schweifaktivität und die Veränderungen in dessen Strukturen sowie diverse, kleinere Helligkeitsausbrüche.

Am 9. Oktober 1915 beobachtete er einen weiteren, sehr hellen Meteor und führte ihn aufgrund seiner Bahn auf den Ursprungskometen Giacobini-Zinner zurück.

Nur wenige Monate zuvor, am 20. März 1915, hatte Josep Comas i Solá seinen ersten von insgesamt 11 Asteroiden mit Hilfe der Astrofotografie entdeckt: (804) Hispania. Es folgten am 13. Januar 1920 (925) Alphonsina, am 3. Februar 1921 (945) Barcelona, am 19. Oktober 1922 (986) Amelia, am 10. Januar 1927 (1626) Sadeya, am 24. Mai 1927 (1117) Reginita, am 5. November 1928 (1102) Pepita, am 28. September 1929 den später nach ihm selbst benannten (1655) Comas Sola, am 30. Oktober 1929 (1136) Mercedes, am 1. Dezember 1929 (1708) Pólit und am 30. September 1930 (1188) Gothlandia.

1911 hatte er die Sociedad Astrónomica de España y América, gegründet, eine Vereinigung spanisch-amerikanischer Astronomen deren erster Präsident er bis zu seinem Tode wurde. Die Vereinigung stand übrigens in scharfer Konkurrenz zur 1910 von Eduard Salvador Raurich Fontseré während der Beobachtungskampagne des Halleyschen Kometen gegründeten Astronomical Society von Barcelona. Beide Wissenschaftler pflegten ihre gegenseitige Abneigung und ihre Rivalität, was aber erstaunlicherweise zu einer weiteren Verbreitung astronomischer Kenntnisses in der Öffentlichkeit führte. Solá war auch Direktor des Astronomischen Dienstes der spanischen Generalität und Ehrenmitglied zahlreicher europäischer Astronomievereinigungen.

Für den Photographic Atlas oft he Ecliptic steuerte er mehrere fotografische Himmelsaufnahmen hoher Qualität bei und versuchte sich auch in spektroskopischer Fotografie. Erstere halfen mit, Methoden der Astrometrie zu verfeinern, außerdem entdeckte man darauf Cepheiden in der Waage und im Orion und es konnten etwa 200 Mikrometermessungen an Doppelsternen vorgenommen werden.

1904 hatte er die Fabra-Sternwarte in Barcelona gegründet, die benannt wurde nach dem Sponsor Ferran Fabra und auf einem Bergrücken der Serra de Collserola steht. 1926 entdeckte er hier den periodischen Kometen Komet 32P/Comas Solá, ein Jahr zuvor war er Co-Entdecker des nichtperiodischen Kometen C/1925 F1 (Shajn-Comas Solá). Sein Mitentdecker war der sowjetische Astronom Grigori Abramowitsch Schajn (1892-1956), Observator und von 1945 bis 1952 Direktor am Krim-Observatoriums in Nautschnyj nahe Simferopol, der seinerseits drei Kleinplaneten entdeckte: (1057) Wanda am 16. August 1925, (1058) Grubba am 22. Juni 1925 und (1709) Ukraina am 16. August 1925. Der periodische Komet 61P/Shajn-Schaldach wurde übrigens nicht durch ihn, sondern durch seine Frau Pelageja Fjodorowna mitentdeckt, die es auf 19 Asteroiden und 150 neue Veränderliche Sterne brachte.

Die Hauptaktivitäten dieses kleinen Observatoriums Fabra waren damals wie heute – es ist die viertälteste, noch im Betrieb befindliche Sternwarte - Studien über Asteroiden und Kometen. Darüber hinaus widmete sie sich auf Betreiben Solás auch der Seismologie und erarbeitete statistische Grundlagen (ab 1913). Hierzu nutzten sie ein von Solá entwickeltes Verfahren zur Bestimmung der Tiefe von Erschütterungen aus nur einem Seismogramm.

Neben seiner normalen Arbeit an verschiedenen Projekten und Kampagnen verfasste er zahlreiche Bücher und Artikel in Fachzeitschriften. Von 1893 bis 1937 hatte er in der Tageszeitung La Vanguardia zweiwöchentlich eine einspaltige Kolumne und betätigte sich überdies als Wissenschaftsjournalist mit einer langen Reihe an populären Veröffentlichungen zur Astronomie und Seismologie.

Als Josep Comas i Solá am 2. Dezember 1937 im Alter von nur 69 Jahren an einer Bronchopneumonie verstarb, war er so bekannt und beliebt, dass bei seiner Beerdigung in Barcelona mehr Menschen anwesend waren, als bei gleichwertigen Ereignissen anderer Prominenter in der katalanischen Hauptstadt. Ihm zu Ehren wurde 1973 ein Mondkrater mit einem Durchmesser von 65 km südlich der Cordilleraberge westlich des Kraters Lagrange. Außerdem erhielt ein Marskrater mit einem Durchmesser von 132 km auf der marsianischen Südhalbkugel seinen Namen. Zusätzlich wurden drei Asteroiden nach ihm benannt.

Mittwoch, 21. November 2012

2012 – eine erste (negative) Bilanz

Nein, nicht wegen des vermeintlichen und nicht eintretenden Weltuntergangs in einem Monat – die Anhänger dieser abstrusen Theorie werden sich noch wundern -, sondern während einer scheinbar nicht enden wollenden Schlechtwetterperiode und einigen Dauermurpys, die mich das ganze Astrojahr hindurch begleitet haben.

Dabei fing alles eigentlich ganz ordentlich an, denn das alte Jahr schloss ich mit 214 Sonnenbeobachtungen ab, das fünfte Jahr in Folge mit so vielen Sonnenbeobachtungen. Zudem hatte ich mir einen kurzbrennweitigen Refraktor für die Astrofotografie zugelegt, den ich vorwiegend in der Außensternwarte der GvA in Handeloh und beim Astrourlaub in Kirchheim einzusetzen gedachte.

Doch schon der erste Einsatz des neuen Teleskops endete im Desaster, denn mein Adapter reichte nicht, um in den Fokus zu kommen, weil er zu lang war. Eigentlich nicht weiter schlimm, doch dieser erste Versuch, das Teleskop einzusetzen, erfolgte erst im Mai in der Außensternwarte – fünf Monate (!!!) nachdem ich es gekauft hatte. Rasch hatte ich mir einen kürzeren Adapter zugelegt und so bekam ich recht anständige Aufnahmen vom Venustransit auf einem Parkplatz auf Fehmarn.

Aber schon der nächste Versuch im Oktober, scheiterte  einer Klemme, die das Teleskop am Gestänge halten sollte, denn sie tat genau dieses nicht und so waren alle Aufnahmen vereiert und nicht brauchbar. In meinem Astrourlaub in Kirchheim hatte ich wieder den falschen Adapter dabei, weshalb ich auch hier keine einzige Aufnahme zustande brachte. Manchmal habe ich den Eindruck, dass trotz finanziellen und instrumentellen Aufwandes bei mir nie ein Astrofoto gelingen wird, weil IMMER etwas schief geht.

Irgendwie pflege ich dauerhaft einen Anfängerstatus, weil man beim ewig miesen Wetter in Norddeutschland nur alle paar Monate eine Chance hat, überhaupt etwas zu beobachten oder zu fotografieren.

Viel schief gegangen ist dieses Jahr bisher auch vieles bei der Sonnenbeobachtung. Nur in 6 Monaten (Januar bis November) sind mir mehr als 20 Beobachtungen gelungen, der November war bisher fast ein kompletter Totalausfall, nur eine Beobachtung, ähnlich wenig hatte ich zuletzt 2001 mit einer und 2002 mit 0 Beobachtungen. Für statistische Auswertung ist diese eine Beobachtung praktisch wertlos, auch wenn ich sie trotzdem einreichen werde. Damit macht man sich irgendwie auch lächerlich, da man weiß, dass die eine mickrige Beobachtung keinerlei statistische Relevanz besitzt, und selbst in einem Beobachternetz ist das entschieden zu wenig. Am Ende werde ich wohl aus sämtlichen Auswertungen herausfallen. Kein Wunder, dass gerade in Süddeutschland die Meinung weit verbreitet ist, dass sich im Norden kaum einer für Astronomie interessiert und man da auch nicht beobachten kann. Das Hamburger Wetter bestätigt dies mal wieder eindrucksvoll. Im laufenden Monat gab es hier nur etwas mehr als 25 Stunden Sonnenschein und keine einzige durchgängig klare Nacht. Nun hoffe ich auf den Dezember mit seinen Feiertagen. Da ich aber „zwischen den Jahren“ zur Arbeit muss, werden das mit hoher Wahrscheinlichkeit die einzigen sonnigen Tage des Monats sein.

Auch der Kauf eines 10x30 Fernglases mit Bildstabilisator von Canon hat sicher zu dem dauerhaft schlechten Wetter beigetragen. Ich konnte ihn bisher nicht am Sternenhimmel testen und auch gestern Abend, als der Mond endlich über die Hauskante kam, zog es rasend schnell zu, sodass auch dieser Versuch scheiterte.

Langsam frage ich mich, ob praktische Himmelsbeobachtung in unseren Breiten überhaupt noch irgendeinen Sinn macht. Klar ist es anscheinend nur noch, wenn man in der Woche arbeiten muss und wenn es dann doch mal gut aussieht und die Nacht klar wird, ist man nur mit streikender Technik beschäftigt, sodass man am Ende wieder nichts zustande bringt außer Frust. Systematische Beobachtungen etwa der Sonne oder von Veränderlichen Sternen sind kaum noch möglich. Es gelingen immer nur Momentaufnahmen, aber kein durchgängiges Bild mehr. Die aktuell vergleichsweise hohe Sonnenaktivität (mit mindestens zwei großen koronalen Massenauswürfen) verpasst man hier ebenso wie alle gerade sichtbaren Kometen. Und da das Wetter im kommenden November sicher auch kaum anders sein wird als 2012, wird man vom Kometen C/2012 S1 (ISON) dann hier auch nichts zu sehen bekommen, wie so vieles am Himmel, was einem hier dank Wolken oder Dauernebel entgeht.

Montag, 5. November 2012

Tagung der Astronomiehistoriker in Jena


Die 9. Fachtagung der VdS-Fachgruppe „Geschichte der Astronomie“ führte uns in diesem Jahr ins thüringische Jena, einem Mekka für Astronomen. Nur zwei Wochen nach meinem Kirchheim-Urlaub stand damit ein zweiter Termin in Thüringen an: das VdS-Geschichtstreffen vom 2. bis 4. November 2012.

Ein Zimmer im Hotel Thüringer Hof war bereits im September gebucht worden und so ging es morgens um 8 Uhr aus Hamburg los. Nach fünf Stunden Fahrt durch zahllose, nicht enden wollende Baustellen und ständige Geschwindigkeitsbegrenzungen kam ich endlich an und hatte nicht so sehr viel Zeit, um mich zu akklimatisieren, denn schon um 15 Uhr stand eine Besichtigung des Optischen Museums auf dem Programm. Mein Hotel lag so günstig, dass ich alle Treffpunkte zu Fuß erreichen konnte und nicht erst nach Parkplätzen in der Jenaer City suchen musste.

Rund um das Museum traf man alsbald auf die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer und im Foyer des Hauses am Carl-Zeiss-Platz versammelten wir uns dann. Das Optische Museum war im Juni 1922 von der Carl Zeiss-Stiftung gegründet worden, kam während des Zweiten Weltkrieges auf dem Gelände der Jenaer Zeiss-Werke unter, wurde nicht, wie dieses erst von den Amerikanern und dann von der sowjetischen Besatzungsmacht demontiert, dennoch aber erst 1965 wieder der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit Juni 1992 gehört das Museum zur Ernst-Abbé-Stiftung und 2002 kam aus dem benachbarten Volkshaus dann noch die Zeisssche Werkstatt ins Museum. Daher wundert es auch nicht, dass am Beginn der Führung in das Leben von Carl Zeiss (1816-1888) und Ernst Abbé (1840-1905) eingeführt wurde. 

Abbé-Büste im Mausoleum gegenüber dem Museum
Wir kamen an frühen Entwicklungen wie Brillen vorbei und landeten schließlich in der Astroabteilung, die jede Menge Ferngläser und Hilfsteleskope enthielt und wo fünf historische Fernrohre ausgestellt sind. Im weiteren Verlauf kamen wir dann auch in den Bereich der Planetariumsentwicklung mussten aber schon an den nächsten Termin denken.

Das Optische Museum in Jena
Die kompetente und sehr interessante Führung durch die Leiterin des Museums, Karin Djudjenow, hätte noch stundenlang weitergehen können, doch um 16:45 Uhr begann schon die Stadtführung durch Reinhard Schielicke. Treffpunkt war an der Südfassade der Stadtkirche, wo wir auf zwei Sonnenuhren aufmerksam gemacht wurden. Danach ging es ein paar Schritte bis zum Markt, wo wir am Denkmal des Kurfürsten Johann Friedrich I. (der Großmütige) von Sachsen (1503-1554) Halt machten, der erst die Hohe Schule zu Jena gründete, die dann 1558 von Kaiser Ferdinand I. (1503-1564) in den Rang einer Universität erhoben wurde. Seit dieser Zeit war die Astronomie ständiges Lehrfach an der Jenaer Uni. Von dort aus waren es nur wenige Schritte bis zum Zisterzienserkloster Jena (Collegium Jenense), das an der Gründung der Universität maßgeblich beteiligt war, einen Großteil des akademischen Unterrichts mitgestaltete, viele astronomische Schriften aufbewahrte und auf dessen Dach die erste Sternwarte Jenas errichtet wurde. Als nächsten Punkt liefen wir die „Volkssternwarte Urania Jena e.V.“ an, von der wir aber nur wenig sahen, da mittlerweile die Dämmerung in die Nacht übergegangen war und wir die Räume nicht betreten konnten.

Nach annähernd drei Stunden Führung und zuletzt bei unangenehmer Feuchtigkeit macht sich bei mir und bei Jürgen Prahl, der ebenfalls aus Hamburg angereist war, starker Durst bemerkbar und so verließen wir die Führung, um erst einmal den Flüssigkeitshaushalt zu regulieren. Danach gingen wir zum gemütlichen Teil im Altdeutschen Haus „Roter Hirsch“ über, wo wir den Abend mit interessanten Gesprächen zu Ende brachten.


Für den Samstag sah das Programm einen Vortragsstag im Hörsaal des Museums – er gehört eigentlich zur Friedrich-Schiller Universität – vor.

Warten auf den ersten Vortrag
Im ersten Beitrag ergänzte Reinhard Schielicke seine fachkundige Führung vom Vorabend um das Thema „450 Jahre Astronomie in Jena“, ging zunächst der Frage nach, warum man sich – auch universitär – überhaupt mit Astronomiegeschichte befassen sollte und stellte ausführlicher die Gründungsrektoren der Hohen Schule Johann Stigel (1515-1562) und Victorin Strigel (1524-1569) sowie namhafte Forscher, die die Astronomie in Jena maßgeblich mitgeprägt haben, vor. Darunter Erhard Weigel (1625-1699), der das Observatorium auf dem Collegium Jenense erbaut hatte, das dann später von Georg Albrecht Hamberger (1662-1716) umgestaltet worden war sowie Carl August, Großherzog zu Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828), Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und Franz Xaver von Zach (1754-1832). Aus der neueren Zeit sind zu nennen Ernst Abbés Wirken als Direktor der Jenaer Sternwarte, die Gründung der Astronomieabteilung im Zeiss-Werk 1897 sowie der Planetariumsbau in den Zeisswerken, die 1905 bereits ein erstes Werkmodell fertig gestellt hatten.


Der zweite Vortrag, gehalten von Klaus-Dieter Herbst, knüpfte daran an und widmete sich der Disputation Erhard Weigels über die Sonnenfinsternis von 2./12. August 1654 (die Datumsunterschiede ergeben sich aus dem jeweils verwendeten Kalender). Wie der Referent anhand wunderschöner Beispiele darlegen konnte, bestand seinerzeit eine regelrechte Panik, die durch den Gedanken an den nahen Weltuntergang – fast so wie bei den zahllosen Weltuntergangsfantasien zum 21.12.2012 – genährt wurde. Man sah die Finsternis als Vorbote zum Tag des jüngsten Gerichts und selbst die Universitäten konnten trotz angebotener Hilfen und Vorträge dem Geschehen keinen Einhalt gebieten, zumal man sich das Zustandekommen von Finsternissen nicht erklären konnte und so standen vor allem moralische Gründe als Ursache für das Ereignis im Vordergrund. Immerhin stellte Weigel in seiner Schrift eine erstaunlich modernes Modell der Eklipse vor und berechnete sogar den kompletten Finsternisverlauf. So enthielt seine Disputation die weltweit erste Darstellung einer Finsternis auf der Erdkugel!


Mechthild Meinike vom Planetarium Merseburg nahm die Teilnehmer danach mit auf eine Reise in die ferne Vergangenheit der Astronomie, nämlich zur archäologischen Untersuchung des Kreisgrabenanlage in Pömmelte-Zackmünde. Nach dem Sonnenobservatorium Goseck wurden weitere ähnliche Anlagen in Mitteldeutschland untersucht (teilweise erst durch Luftbildarchäologie entdeckt), nur ist die Bedeutung der Anlagen nicht immer so klar festzulegen, wie in Goseck. In Pommelte-Zackmünde führte die Bedeutungsuntersuchung mit astronomischem Hintergrund in die Sackgasse, denn diese lässt sich nur an wenigen Punkten festmachen, wobei bei anderen wiederum nichts festzustellen ist. Diese Anlage gibt noch sehr viele Rätsel auf. Man weiß, dass es mehrere Bauphasen gab, dass die Anlage etwa 800 Jahre lang genutzt wurde, aber es ist nach wie vor vollkommen unbekannt, zu welcher Zeit welcher Teil der Anlage wie genutzt wurde.

Jürgen Reichert nutzte die Zeit bis zur Pause für einen Aufruf für ein Projekt zur Übersetzung der Rudolfinischen Tafeln ins Deutsche. Sie beinhalten eine Zusammensellung der Vorhersage von Planetenbewegungen durch Tycho Brahe (1546-1601), die durch Johannes Kepler (1571-1630) fortgeführt wurden.

Die Mittagspause führte Jürgen und mich in eine Pizzeria in der Goethe-Galerie, wo wir zunächst an einem hier ausgestellten alten Planetariumsprojektor vorbei musste (in Jena findet man eben an jeder Ecke was über Astronomie).

Planetariumsprojektor "Keule" in der Goethe-Galerie
Im ersten Vortrag nach der Mittagspause stellte die Literaturwissenschaftlerin Laetitia Rimpau „Das Literarische in Keplers Denken“ vor. Als naturwissenschaftlich geprägter Mensch hatte man schon ein wenig Schwierigkeiten, den Gedankengängen zu folgen. Dennoch war hochspannend zu sehen – und nur wenig erforscht – wie Kepler zu seinem Weltbild kam. Er war nicht nur Naturwissenschaftler, sondern auch Humanist und Dichter. Und gerade seine Werke, wie das Somnium, wurden entweder noch nicht oder nicht vollständig ins Deutsche übersetzt und so weiß man heute kaum etwas darüber, wie der Naturwissenschaftler den Dichter oder der Dichter den Naturwissenschaftler beeinflusst hat. Kepler berichtete auch von Träumen, die er gehabt hat, in der die muse astronomia eine starke Rolle spielte. So fehlt in der Gesamtausgabe von Keplers Werken nach wie vor eine literaturwissenschaftliche Betrachtung des Somniums, das auch als erste Science-Fiction-Erzählung bezeichnet wird und von einer fiktiven Reise Mond un den rückwärtigen Blick zur Erde handelt. Besonderes Augenmerk wurde auf Keplers Idyllion gelegt, das bislang noch nicht aus dem Lateinischen ins Deutsche übertragen wurde, und das Einblicke in Keplers Arbeit gewährt, die weitgehend unbekannt sind.

Zeitlich etwas näher war das nächste Thema von Petra Meyer über die „Geschichte der Radioastronomie“ von ihren Anfängen bei James Clark Mexwell (1831-1879), der Entdeckung der Radiostrahlung durch Heinrich Hertz (1857-1894), die Entdeckung der Radiostrahlung aus dem galaktischen Zentrum durch Karl Jansky (1905-1950), die Arbeiten Grote Rebers (1911-2002) und die Entdeckung der ersten Pulsare 1967 bis hin zu heutigen Very Long Baseline Arrays.

In Gedenken an Prof. Dr. Hilmar Willi Duerbeck (1948-2012), der auch Mitglied der Fachgruppe Geschichte der Astronomie der VdS war, wurde vom Auditorium an dieser Stelle eine Schweigeminute eingelegt.

Im letzten Beitrag vor der Kaffeepause nahm sich Regina Umland Leben und Wirken Giordano Brunos (1548-1600) vor, der am 17. Februar 1600 in Rom auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden war. Die katholische Kirche hatte das gegen Bruno wegen Ketzerei und Magie verhängte Urteil zwar im Jahr 2000 als falsch eingestuft, ihn jedoch nicht rehabilitiert. Bruno selbst war DominikanerPriester und hatte immer wieder gegen die Kirche opponiert. Auf einer langen Reise, die 1577 begann und ihn an verschiedene europäische Städte und Universitäten führte, sammelte er viele Erkenntnisse und veröffentlichte beispielsweise in London seine „italienischen Dialoge“, in denen er mehr oder weniger direkt die katholische Lehre angriff. Seine Sicht, dass die Sterne Sonnen seien, das Universum unendlich ist und von vielen intelligenten Völkern bewohnt wird, verstieß gegen alles, was der Kirche heilig war, vor allem lästerte er damit Gott, dessen Rolle er als allmächtiger Lenker der Welt er in Frage stellte. Dennoch war es nicht die Kirche, die ihn verurteilte. Sie verstieß ihn zwar aus ihren Reihen, doch die Verurteilung wegen Ketzerei erfolgte durch den Gouverneur von Rom. Mit dem Tode Brunos wurden alle seine Schriften entweder verbrannt oder verboten. Einige von ihnen sollen noch heute wegen des vermeintlich herätischen Inhalts auf der Liste der verbotenen Bücher stehen, dem Index Librorum Prohibitorum, der eigentlich auf dem 2. Vatikanischen Konzil 1965 aufgehoben wurde.

Fachgruppenleiter Wolfgang Steinicke sprach anschließend über die Entwicklung des Hubbleschen Klassifikationsverfahrens. Edwin Powell Hubble (1889-1953) hatte 1923 Jahren versucht, eine erste Galaxienklassifikation, entstanden aus vielen fotografschen Aufnahmen am Yerkes-Observatory, auf offiziellen Wege durch die Internationale Astronomischen Union (IAU) anerkennen zu lassen. Er scheiterte jedoch an Guillaume Bigourdan, dem Vorsitzenden der IAU-Kommission für Nebel und Sternhaufen, weil das Schema auf Fotos und nicht der visuellen Beobachtung basierte. Im Sommer 1925 scheiterte er mit dem nächsten Versuch, so entschloss er sich, seine Ergebnisse und die daraus folgenden Fragen zur allgemeinen Entwicklung von Galaxien 1926 in einem Artikel im „Astrophysical Journal“ zu veröffentlichen und das brachte den lang ersehnten Durchbruch. 1936 fasste er seine Forschungen auf diesem Gebiet in dem Buch „The Realm of the Nebulae“ zusammen. Im Jahr 1960 veröffentlichte
Gerárd-Henri de Vaucouleurs (1918-1995) eine erste dreidimensionale Klassifikation.

Im letzten Vortrag der Tagung ging es dann um nicht weniger als den für den 21.12.2012 vorhergesagten Weltuntergang und die Quelle dieser Vorhersage. Fachkundig und amüsant zugleich legte Joachim Ekrutt den Ursprung der Prophezeihung aus dem Dresdner Codex (der 1739 nach Dresden kam, wie er dort hingelangte, weiß heute niemand mehr, möglicherweise war es Hernando Cortez (1485-1577), der ihn aus einem seiner Raubzüge mitbrachte. Der Maya-Kalender besteht aus einer Zählung der Tage wie beim julianischen Kalender und kennt keine Monate oder Jahre. Das Problem ist dabei nur, dass im Gegensatz zum letztgenannten der Beginn des Maya-Kalenders unbekannt ist. Am 21.12.2012 endet die große Zählung im Kalender, danach beginnt die neue. Es konnte gezeigt werden, wie man auf das obskure Datum kam und dass dieses keineswegs gesichert ist, wie überhaupt im Kalender der Maya vieles unklar ist. Unklarer jedenfalls, als es die Weltuntergangsjünger immer verkünden.

Die Tagung war danach zu Ende und Wolfgang Steinicke bevor es zur Tagungskritik kam – die durchweg positiv ausfiel – wurde allen Unterstützern und Helfern gedankt. Es wurde nach den Präferenzen für die nächste Tagung am 3. November 2013 gefragt und es stellte sich am Tage „danach“ heraus, dass sich die meisten Teilnehmer für Straßbourg aussprachen. Ein interessanter Ort für das 10jährige Jubiläum der Fachgruppentagungen. Für mich als Hamburger aber wahrscheinlich zu weit weg, denn nach derzeitigem Fahrplan der Bahn soll eine Fahrt zwischen 8 und 10 Stunden dauern und auch mit dem Flieger geht es anscheinend nicht schneller, da es offenbar keine Direktflüge aus Hamburg gibt.

Die Tagung klang aus bei einem gemütlichen Abendessen im Gasthof „Alt-Jena“. Für den Sonntag war noch eine Besichtigung des 2m-Spiegels der Thüringer Landessternwarte Tautenburg vorgesehen, doch da sich der Beginn der Führung immer weiter nach hinten verschob und ich damit rechnen musste, erst am späten Nachmittag nach Hause zu fahren, verzichtete ich auf diesen letzten Teil und fuhr wieder zurück. Dieses Mal war ich eine halbe Stunde schneller.

Der Trip nach Jena hat sich auf jeden Fall für mich gelohnt, man hat viel über die Astronomie in dieser Stadt gelernt – und noch vieles mehr – sodass ich plane, beim nächsten Aufenthalt in Kirchheim in die „Zeissstadt“ zu fahren.

Dienstag, 30. Oktober 2012

31. Boheta (Teil 2)

Nach der ausgiebigen Mittagspause und einem kleinen Einkauf im Uni-Center begaben wir uns wieder zurück zum Tagungsort – natürlich wieder über die ewig klappernden Gehwegplatten mit Kultstatus.

Im Programm ging es weiter mit dem Thema „Astronomische Bewegungen im Zeitraffer“. Michael Kunze aus Moers schilderte, wie er aus Einzelbildern kleine Animationen und Filmchen vom Jupiter und der Sonne im Weißlicht und Hα zusammenstellte und mit Minimalausrüstung auf Urlaubsreisen den Sternenhimmel aufnimmt und die Einzelbilder ebenfalls verarbeitet. So sind mittlerweile zahlreiche Sequenzen von der Marsopposition 2012, vom Kometen C/2009 P1 Garradd und Filme von einer Nacht auf dem 3500 m hohen Mittelallalin in der Schweiz, einer Nacht auf den Kanarischen Inseln und Sonnenuntergängen an verschiedenen Orten entstanden. Der Aufwand am Rechner bei der Addition der Einzelbilder (kein Stacking!) ist schon enorm, auch wenn es mittlerweile eine ganze Reihe von Programmen gibt, die einem die Arbeit abnehmen. Dazu muss man aber wissen, was diese Hilfsmittel bei der Aneinanderreihung der Einzelbilder zu einem Video so alles treiben.

Stefan Krause aus Bonn referierte danach über „Sonnenfinsternisse in Australien und der Saros 133“. Die nur wenige Tage nach der Boheta – für uns - in der Nacht vom 13. auf den 14. November in Australien zu beobachtende totale Sonnenfinsternis gehört diesem an. Anlass genug, einmal die Geschichte dieser mittlerweile rund 800 jährigen Sonnenfinsternisserie zu verfolgen. Eine der herausragenden Finsternisse war dabei jene von 1922, bei der Einsteins Relativitätstheorie sogar noch besser bestätigt werden konnte, als bei der legendäre 1919er Finsternis.

Anschließend gab es den alljährlichen Höhepunkt der Boheta: die Verleihung des Reiff-Preises 2012. Gestiftet von Hans Ernst Reiff (1932-2007) sollen mit dem Preisgeld Vereine und Schul-AGs bedacht werden, die ein besonderes astronomisches Projekt in Angriff nehmen wollen. Im Gegensatz zu den früheren Jahren wurde der Förderpreis weiter aufgeteilt, sodass neben dem 1., 2. und 3. Preis nun auch ein Sonderpreis vergeben wurde. Aufgrund der Witterungsbedingungen in Süddeutschland kam der Kurator Jakob Staude aus Heidelberg (Mit-Herausgeber der Zeitschrift Sterne und Weltraum) erst kurz vor Beginn seines Beitrages an der Ruhr-Universität an. Das zweckgebundene Preisgeld wurde in diesem Jahr vergeben an ein Berliner Gymnasium für die „Vermessung der Welt“ (3. Platz), an ein Gymnasium in Murrhardt für den „Bau einer mobilen Sternwarte im Kofferanhänger“ (2. Platz). Der 1. Platz ging an ein langfristiges Projekt der Senckenberg-Schule in Runkel/Villmar für die „Fotografische Dokumentation der Sonnenaktivität“. Der Sonderpreis wurde an eine Betreuungseinrichtung für Kinder in Heidelberg vergeben für ein Sternbilderpuzzle aus 42 Teilen und den Bau eines Spezialschranks zur Aufbewahrung (es ist nicht nur ein Puzzle allein, sondern enthält weitere didaktische Mittel für die Kleinsten).

Mit der Preisverleihung ist in jedem Jahr ein Fachvortrag verbunden, der dieses Mal von Dr. Sylvio Klose von der Thüringer Landessternwarte Tautenburg und Dr. Thomas Janka vom MPI für Astrophysik in Garching zum Thema „Kosmische Gammablitze und ihre Beobachtung“ gehalten wurde. Vorher stand aber noch eine längere Pause an, weil auch diese beiden Referenten Anreiseprobleme hatten – insbesondere in Thüringen hatte der plötzliche Wintereinbruch zu chaotischen Verkehrssituationen und einem Ausfall der Bahnverbindungen geführt.

Gammablitze (engl. Gamma-Ray-Bursts, GRBs) wurden erstmals von Überwachungssatelliten für Atomwaffentests auf der Erde entdeckt, doch schon bald stellte sich heraus, dass diese nicht irdischen, sondern kosmischen Ursprungs waren. Dabei ist bis heute nicht einwandfrei geklärt, wie diese eigentlich entstehen. Einen ersten großen Aufschwung nahm die GRB-Forschung in den 90er Jahren durch den satellitengestützte Messungen (mit dem Compton Gamma Ray Observatory, Beppo-SAX, und SWIFT) dessen Erkenntnis es war, dass die Bursts ziemlich regellos am Himmel verteilt erscheinen. Anhand einiger Beispiele erläuterten die Referenten aktuelle Theorien und gingen auch der Frage nach, wie man das immer wieder zu beobachtende Nachglühen erklären kann. Dabei tappen aber trotz aller Arbeiten immer noch weitgehend im Dunkeln, selbst so fantastische Modelle wie das von Stan Wossley, wonach sich in der Umgebung eines Schwarzen Lochs mehrere Neutronensterne befinden, die zerrissen werden, und deren Material sich erst auf einer Akkrektionsscheibe ansammelt, bevor es ins Loch fällt. Einige dieser GRBs konnten auch mit dem 2m-Teleskop der Sternwarte Tautenburg beobachtet werden. Für Amateure sind die GRBs allerdings kein wirkliches Betätigungsfeld, denn der logistische und instrumentelle Aufwand, Aufnahmen zu erstellen und diese auch fachgerecht auszuwerten, ist für Sternfreunde derzeit zu hoch.

Als anspruchsvoll, teuer oder gut zum „Verbrennen von Bonusmeilen“ geeignet, war eine Reise binnen „21 Tagen um die Welt“, die Jörg Schoppmeyer aus Freiburg unternommen hatte. Gestartet in Deutschland, sollte in dem geplanten Zeitrahmen die ringförmige Sonnenfinsternis am 20. Mai 2012 in den USA, die partielle Mondfinsternis vom 4. Juni und der Venustransit vom 5./6. Juni 2012 in Australien beobachtet werden. Dass dies durchaus machbar ist – bei vernünftiger vorheriger Planung – bewies der Referent auf eindrucksvolle Art und Weise. Zwischenzeitlich stand die Frage im Raum, ob man denn nach der Beobachtung der Sonnenfinsternis wieder nach Hause fliegt, oder die Zeit im Pazifikraum quasi überbrückt. Der Referent entschied sich für letzteres und so entstanden viele Bilder einer erstaunlichen Reise, die das Publikum begeisterten.

Jens Leich aus Wiehl präsentierte hiernach Aufnahmen von Sonne und Planeten (Venus, Mars, Jupiter und Saturn), die auf der heimischen „SOL-Sternwarte Marienhagen“ mit einem 5 Zoll-Refraktor – auch unter widrigen Umständen – entstanden und die deutlich machen, wie man mit einem Fernrohr mittlerer Größe hochaufgelöste Detailaufnahmen im Weißlicht und Hα anfertigen kann. Dazu gehören Sonnenzeichnungen, Mondfotos, Doppelstern-Zeichnungen, Fotos von Deep-Sky-Objekten sowie Animationen von Protuberanzen und eine Bewegungssequenz des Kometen 168P/Hergenrother.

Der nächste Höhepunkt der diesjährigen Boheta bildete ein Vortrag von Heiko Wilkens aus München, der das Projekt „Optisches Weltraumteleskop für Amateure, Bildung und Wissenschaft“ vorstellte. Demnach ist mit Unterstützung namhafter deutscher Raumfahrtfirmen, deutscher Raumfahrer und deutschen Institutionen wie Schulen, Universitäten und Max-Planck-Instituten geplant, ein – wie es hieß – „universelles optisches Weltraumteleskop für Bilder, Spektroskopie und Photometrie“ mit 80cm Öffnung zu konstruieren und in die Erdumlaufbahn zu schicken. Was sich zunächst einmal wie ein verspäteter April-Scherz anhörte, entpuppte sich sehr bald als ein von den Initiatoren ernsthaft in Erwägung gezogenes Vorhaben. Allerdings, zwei ähnliche Projekte in den USA sind vor Jahren gescheitert, da fragt man sich, wie das realisiert werden soll, wenn zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mal die Finanzierung für die Projektstudien (geschätzt zwischen 500.000 und 1 Mio. EUR) steht. Man rechnet mit 130 Mio. EUR Gesamtkosten und hofft, die laufenden Betriebskosten durch Vergabe von Beobachtungsstunden (jede Stunde kostet dann mindestens 1.000 EUR) locker wieder hereinzubekommen. Überhaupt soll das Projekt ausschließlich durch Spenden aus Deutschland ausfinanziert werden, es wird angenommen, dass 7.000 Amateure ausreichen, um das Projekt finanziell zu stemmen (haben wir überhaupt so viele in Deutschland?). Realistisch erscheint das nicht, denn das vorgetragene Finanzierungsmodell weist so viele und so große Lücken und jede Menge Wenns und Abers und Annahmen auf (Motto: Passt scho …), dass es derzeit vollkommen unrealistisch erscheint, dass das Vorhaben jemals Wirklichkeit werden kann. Es ist ehrgeizig, erscheint derzeit aber vollkommen unrealistisch und wird wohl alsbald wieder in der Versenkung verschwinden, wenn sich schon die ersten Studien nicht finanzieren lassen. Wenn man sich anguckt, wie andere Großprojekte in Deutschland derzeit an die Wand gefahren werden, so klingt es wenig glaubhaft, wenn ausgerechnet für ein Amateurteleskop in der Umlaufbahn Millionenbeträge fließen sollen, wo doch die Wissenschaftsetats allerorts gestrichen und die Bildungsprogramme zu Lasten der Astronomie nach unten gefahren werden.

Im letzten Vortrag berichteten Heinz Niermann aus Hüsten und Dieter Petrich aus Menden über ihre gemeinsame Reise zum Nordkap, um dort den Venustransit zu beobachten. Es hätte ein fantastischer Vortrag werden können, denn der Venustransit war DAS astronomische Top-Ereignis des Jahres 2012. Leider ging der Eindruck durch technische Probleme vollkommen verloren. Immerhin konnte man aber  zumindest einen Hauch dessen erspähen, was die beiden Protagonisten an der nördlichen Spitze Europas erlebten.

Mit diesem Vortrag war denn auch die 31. Bochumer Herbsttagung schon wieder zu Ende. Sie bot dieses Mal eine Vielzahl von Anregungen für die eigene amateurastronomische Arbeit, auch wenn man kein Highend-Gerät verwenden kann.

Während Konni, Hartwig und Rainer schon vor dem letzten Vortrag den Hörsaal verließen, um sich in der Pizzeria Chianti für die Rückfahrt zu stärken, blieben André und ich bis zuletzt und bestellten in der Pizzeria lediglich ein Getränk, was aber auch schon fast 15 Minuten dauerte, bis es gebracht wurde. Chaotisch wurde es beim Bezahlen, denn die Bedienung ließ sich anfangs nicht auftreiben. Wir mussten aber zusehen, dass wir pünktlich am Bochumer Hauptbahnhof waren. Zwar hatte unser ICE nach Hamburg 20 Minuten Verspätung, die wurde aber fast vollständig aufgeholt. So war ich nach etwas mehr als 20 Stunden gegen 1 Uhr wieder zu Hause.

Montag, 29. Oktober 2012

Ein Weltraumteleskop für Amateure?

Es klingt ein wenig, wie ein verspäteter Aprilscherz, es ist aber trotzdem wahr: Es gibt derzeit in Deutschland Überlegungen, über einen Verbund aus Amateurastronomen, Bildungseinrichtungen und Raumfahrtfirmen ein eigenes „Mini-HST“ zu bauen und in die Erdumlaufbahn zu schicken, wie auf der Bochumer Herbsttagung vom letzten Samstag deutlich wurde.

Nachdem bereits zuvor im Astrotreff die Idee erstmals angestoßen wurde, gab es nun durch Heiko Wilkens aus München eine erste öffentliche Präsentation. Darin wurden Ziele und Konzepte des Vorhabens dargelegt – wie auch hier nachzulesen ist (wenngleich es dort auch nur wenig Detailinformationen gibt). Die Organisatoren – so ganz wurde nicht deutlich, wer das denn eigentlich im Endeffekt ist – konnten bislang bereits namhafte Raumfahrtfirmen, das MPI für Extraterrestrische Physik, der deutsche Raumfahrer Gerhard Thiele, der bekannte Optiker Richard Berry und der Raumfahrtexperte Harry Rutten als Unterstützer für die Idee gefunden werden. Das Ganze soll dann noch über eine Art „Space Telescope Science Institute“ light organisiert werden.

Finanzielle Unterstützung erhofft man sich durch etwa 7.000 Amateure in Deutschland und deutschen Institutionen wie Schulen, Universitäten und Max-Planck-Instituten. Allein durch Spenden soll das „universelle optisches Weltraumteleskop für Bilder, Spektroskopie und Photometrie“ mit 80 cm Öffnung konstruiert und in die Erdumlaufbahn geschickt werden. Allerdings, ähnliche Projekte in den USA sind schon vor Jahren gescheitert, getreu dem Motto: Als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet.

Was mich bei der Vorstellung am meisten erschreckte, war die vollkommene Naivität in Sachen Finanzierung. Die Gesamtkosten des Projekts sollen sich auf eine Summe zwischen 80 und 130 Mio. EUR belaufen. Eingedenk der Tatsache, dass Projekte dieser Art immer wesentlich teurer werden, darf man getrost sicher eine Summe von 200 Mio. als Minimum ansetzen. Dass alles aus Spenden zu finanzieren, die ausschließlich aus Deutschland kommen sollen (warum ist die Website dann in englisch?) – europäische Partner sollen vorerst nicht beteiligt werden – ist schon, gelinde gesagt, sehr optimistisch. Spätestens an diesem Punkt glitt das Ganze für mich in den Bereich des Fantastischen und des Unmöglichen ab.

Man geht davon aus, dass es eher billiger werden wird (seit wann tun das Großprojekte in Deutschland?). Und da sieht man mal wieder, mit welch grenzenloser Naivität so ein Projekt angegangen wird, weil noch nicht mal das Geld für erste Projektstudien eingeworben werden konnte. Und sollte der Satellit irgendwann doch mal im All sein, soll eine Beobachtungsstunde rund 1.000 EUR kosten. Ich glaube, angesichts der derzeitigen Wirtschaftssituation nicht daran, dass sich 7.000 Amateure finden lassen, die das bezahlen wollen.

Würde man das ernsthaft finanzieren wollen, müsste man sich neben den Kosten der Studien Gedanken über den Bau und die Ausgestaltung des Satelliten machen, hinzu kommen Kosten für den Start (einmalig) und den Betrieb des Teleskops (dauerhaft). Wer kommt für diese Kosten auf? Dann muss man Überlegen, wie hoch der Satellit fliegen soll, damit er bei höherer Sonnenaktivität in der Umlaufbahn nicht an Schwung verliert und abstürzt. Je höher, desto teurer (weil aufwändiger) werden Start und Betrieb.

Gesetzt den Fall, das würde alles klappen und man bekommt das nötige „Kleingeld“ zusammen, stellt sich die Frage, wer welche Projekte auswählt. Man müsste – wie bei den Profis – erst einmal einen Projektantrag stellen, woran schon eine Vielzahl der Amateure scheitern dürfte. Dazu müsste es ein Auswahlkomitee geben (wer macht das?), die die Projekte bewerten und am Ende genehmigen. Was aber, wenn es nicht genügend geeignete Vorschläge gibt?

Im schlimmsten Fall würden die Amateure alles bezahlen und nur die Profis mit ihrem Know-How ihre Beobachtungsprogramme durchbekommen. Wird eine Kampagne schließlich genehmigt, erfolgt danach eine Auswertung, die kaum durch Amateure erfolgen kann. Dafür braucht man Profis, die aber bezahlt werden müssen.

Und wie soll überhaupt die Organisationsstruktur des „Amateur-Science-Institute“ (ASI), wenn wir das mal so nennen wollen, denn aussehen? Direktorium, Sekretariat, AG-Leiter und AG-Mitglieder? Es ist völlig unrealistisch, davon auszugehen, dass das lediglich fünf (!) Leute machen könnten, wie in Bochum dargelegt. Ob die beteiligten Personen diese Arbeit ohne ein entsprechendes Entgelt machen, ist zumindest fraglich.

Dann stellt sich die Frage, wie und wo das „ASI“ untergebracht werden soll. Pachtet man dazu ein eigenes Gebäude, fallen Unterhaltungs- und Bewirtschaftungskosten an. Mietet man irgendwo Büroräume an, gilt das gleiche und es fällt noch die Miete inkl. Nebenkosten an.

Erwartet man, dass die Arbeit durch festangestellte Mitarbeiter erledigt wird, kommen Personalkosten und allgemeine Kosten für Rechner, Telefone etc. hinzu. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die ganze Arbeit durch Amateure in der Freizeit erfolgen kann. Das würde nämlich nach kurzer Zeit, wenn es richtig Arbeit macht, im Sande verlaufen.

Und wenn man die Betriebskosten durch Vergabe von Beobachtungsstunden á 1.000 EUR vergeben will (wie man naiver Weise annimmt), frage ich mich, wo das Geld herkommen soll. So viele begüterte Amateure gibt es in Deutschland nicht, die diese horrende Summe bezahlen könnten und selbst wenn, würden sie es auch tun? Da ist die Miete für jedes erdgebundene Remote-Teleskop deutlich billiger.

Die Idee, dass sich auch Schulen an dem Projekt beteiligen könnten, ist zwar ganz hübsch, doch wenn in den bundesdeutschen Bildungseinrichtungen das Thema Astronomie immer weiter zurückgefahren und Mittel auch bei den Volkshochschulen gekürzt werden, dürfte sich die Begeisterung für ein Amateur-HST in ganz engen Grenzen halten. Und wer als Firma dem Projekt Geld gibt, will daran auch verdienen oder anderweitig partizipieren. Noch ist die Wirtschaftskraft in Deutschland ganz ordentlich und es wird auch investiert, aber wehe, die nächste Krise kommt, dann fallen Mittel für die Astronomie als erstes weg.

Skurril und allen Bemühungen der Sternfreunde widersprechend war der Vorschlag, dass man für Werbezwecken den Satelliten blinken lassen könnte. Wer Astrofotos machen will, wenn der Satellit gerade den Beobachtungsstandort überfliegt, wird sich bedanken (schon die ISS, normale Satelliten und Flugzeuge stören da sehr). Die Startrakete mit Logos irgendwelcher Firmen zu bekleben, hilft nur bei den Startkosten, nicht aber beim laufenden Betrieb.

Wenn man sich ansieht, wie viele Großprojekte in Deutschland derzeit an die Wand gefahren werden – und wo es Geldgeber gibt (!) -, dann hat ein eigenes Weltraumteleskop in unserem Land nicht die geringste Chance, weil man das nie und nimmer wird durch Spenden finanzieren können. Selbst die Idee, das Ganze auf andere Bereiche auszudehnen, wird nicht ausreichen, denn welcher Unternehmer wird schon Geld in ein Weltraumteleskop investieren, wenn man damit keinen wirtschaftlichen Gewinn erzielen kann?

Das vorgetragene Finanzierungsmodell weist so viele und so große Lücken und jede Menge Wenns und Abers und nicht haltbare Grundannahmen auf (Motto: Passt scho …), dass es derzeit vollkommen unrealistisch erscheint, dass das Vorhaben jemals Wirklichkeit werden kann. Da sind die ganzen Fehleinschätzungen und falschen Voraussagen bei der Hamburger Elbphilharmonie und dem Berlin-Brandenburger Großflughafen – um nur zwei Beispiele zu nennen - noch konservativ und solide durchfinanziert.

Die Idee als solche sollte man vielleicht nicht vollkommen verdammen, denn ein Teleskop außerhalb der Erdatmosphäre hat viele Vorteile. Aber es muss auch regelmäßig überwacht werden (damit es z.B. nicht durch fehlerhaftes Schwenken auf die Sonne „verblitzt“ wird), Experten bei Lagekontrollzentren wie in Oberpfaffenhofen müssen da ran und das kostet auch wieder Geld. Zugegeben, das Projekt ist sehr ehrgeizig, erscheint derzeit aber vollkommen unrealistisch und ist in finanzieller Hinsicht nicht mal ansatzweise durchdacht.

Daher wird es nach meiner Einschätzung binnen kurzem wieder in der Versenkung verschwinden, wenn sich schon die ersten Studien nicht finanzieren lassen.

Sonntag, 28. Oktober 2012

31. Boheta (Teil 1)


Wochenlang hat man sich darauf gefreut und mit großer Spannung auf das Programm gewartet, und nun ist sie schon wieder vorbei: die Bochumer Herbsttagung, immer wieder das „Highlight“ im astronomischen Veranstaltungskalender eines jeden Jahres. Was in diesem Jahr besonders positiv auffiel war die Vielzahl der Vorträge mit Bezug auf die Möglichkeiten der Sternfreunde, die nicht über High-End-Ausrüstungen verfügten.

Einen Nachteil hatte das Ganze dann doch: um 4 Uhr klingelte der Wecker, wenige Augenblicke später rief mich André Wulff an – wir hatten gegenseitiges Wecken vereinbart. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre mit selbst in der Nacht stark verspäteten U-Bahnen nahm ich lieber einen Zug eher und saß schon um 4:43 Uhr in der U1 Richtung Hauptbahnhof. Schnell noch eine Tageszeitung und etwas Essbares eingekauft und schon wartete ich auf den Zug, der um 5:41 Uhr abfahren sollte. Irgendwann traf dann André, wenig später auch Hartwig und Konni ein (si ewaren vorsichtshalber mit der S-Bahn gekommen, weil die Fahrtrichtungsanzeiger bei der Bahn mal wieder nicht funktionierten, Rainer saß dann aber schon im Zug. So fuhren wir, André Wulff, Konstantin von Poschinger, Hartwig Lüthen, Rainer Malitsch und ich der Bochumer Herbsttagung entgegen. Um 9 Uhr trafen wir, nicht ohne vorher die kultigen Klappergehwegplatten auf dem Campus der Ruhr-Universität aufs Neue zu testen, beim Hörsaal der Medizinischen Fakultät ein. Damit waren wir das erste Mal – soweit ich mich erinnern kann – sogar vor dem Veranstalter Peter Riepe am Tagungsort. Hier war beispielsweise die Verinigung der Sternfreunde (VdS) gerade dabei, den Stand aufzubauen.

Um kurz nach 10 Uhr füllte sich der Hörsaal mit – nach meiner Einschätzung – mehr als 200 Personen (deutlich mehr als in den vorangegangenen Jahren) und die Tagung begann mit einem kurzen Grußwort von Peter Riepe im Namen der Bochumer Sternfreunde und der Fachgruppe Astrofotografie der VdS. Es folgten weitere kurze Statements durch den Leiter des Astronomischen Instituts der Ruhruniversität Prof. Dr. Ralf-Jürgen Dettmar und durch Dr. Werner Celnik, der auch einige Worte des VdS-Vorsitzenden Otto Guthier überbringen ließ. Danach gab es noch ein paar Regularien zu den Führungen in der Pause – wer wollte, konnte das Radioteleskop, das Labor für Plasmaphysik oder den Bochumer Ionenbeschleuniger besichtigen – begann die Tagung mit einem Beitrag über die Bewegung der Jupitermonde.

Prof. Dr. Thomas Hebbeker aus Aachen berichtete, wie man mit relativ einfachen fotografischen Mitteln und (viel) mathematischem Hintergrundwissen prinzipiell aus den Bewegungen der vier (galileischen) Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Callisto das 3. Keplersche Gesetz (die Quadrate der Umlaufzeiten zweier Planeten verhalten sich wie die dritten Potenzen (Kuben) der großen Bahnhalbachsen), die Jupitermasse und die Lichtgeschwindigkeit analog der Messungen von Ole Römer nachweisen kann. Das geht aber nur sehr grob, denn am Ende lag der Messfehler immerhin bei 20%. Außerdem wurden auch viele Annahmen wie die genaue Kenntnis der Lichtgeschwindigkeit gemacht, die zu Keplers und Römers Zeiten noch gar nicht bekannt war (geschweige denn, das man wusste, dass es so etwas wie eine LG gab).

Der erste Höhepunkt des Tages wurde bereits im zweiten Vortrag erreicht: Bernd Gährken zeigte dem staunenden Publikum wieder einmal, dass es möglich ist, Impakte von Sternschnuppen auf dem Mond aufzuzeichnen. Hierzu muss man wissen, dass zwischen Neumond und Vollmond der Mond der Erde hinterherläuft. Durchstreift die Erde nun einen größeren Meteoritenstrom, so ist dieser oft auch noch aktiv, wenn die Erde ihn passiert hat. Der der Erde nachfolgende Mond – es passiert äußerst selten, dass Höhepunkt eines Sternschnuppenschwarms und die Neumond/Vollmondphase zusammentreffen – nimmt dann noch ein paar „Reste“ des betreffenden Stroms mit und die Impakte auf dem Mond können, wie Bernd Gährken eindrucksvoll zeigte, mit Amateurmitteln nachgewiesen werden. Hierzu hatte er sich in die bayerischen Alpen begeben, während sein Mitbeobachter Otto Farago das Ganz von Stuttgart aus verfolgte. Fazit: Beiden gelang es, einen Impakt aufzuzeichnen – zwischen den Messorten ergab sich eine leichte Parallaxe – und sie sind somit die bislang einzigen europäischen Beobachter, denen das gelungen ist, inmitten all ihrer amerikanischen Kollegen, die das schon bis zu 250 mal zwischen 2005 und 2012 gelang.

Mit einem vermeintlichen einfacheren, aber nichtsdestotrotz sehr anregenden, Thema ging es weiter: Daniel Spitzer berichtete, mit welcher Technik der geneigte Sternfreund Sternhaufen, Nebel oder den Mond zeichnen kann und zeigte beispielhaft Zeichnungen von NGC 2169, NGC 772 und 770, vom Mondkrater Aristillus, die Gegend um Janssen, Lockyer und Fabricius oder Mons Piton, von M 42 und NGC 246. Er führte überdies aus, wie man Sternmuster zu Papier bringt und wie man das auf schwarzen Karton übertragen kann.

Im letzten Vortrag vor der Mittagspause ging es um ein ehrgeiziges, aber auch für den weniger begüterten Sternfreund nachvollziehbares und amchbares Projekt: die Erstellung eines Milchstraßenpanoramas. Mittels DLSR-Kameras nahm Jan Hattenbach fast alle Milchstraßengegenden vom El Leoncito National Park im Grenzgebiet zwischen Chile und Argentinien und vom Roque de los Muchachos auf La Palma auf und fügte die Bilder mit einem Autostitch-Progamm (Hugin) zusammen. Anhand eines Beispiels zeigte er, was das Programm kann und wie man damit Panoramen erstellt.

Damit war der erste Vortragsblock vorbei und wir begaben uns in die wohlverdiente Mittagspause, die André und mich zu einem Laden Namens Mr. Chicken führte und wo wir erst einmal für unser leibliches Wohl sorgten.