Mittwoch, 28. Dezember 2011

Blog-Parade: Welche (astronomischen) Ziele nehmt ihr Euch für 2012 vor?

Von dem bekannten Blogger Stefan Gotthold clearskyblog wurde eine Blog-Parade zum obigen Thema ins Leben gerufen. Hier nun mein Beitrag dazu:

Das Jahr 2012 ist ja schon länger in aller Munde, vor allem wegen des vermeintlichen und nicht stattfindenden Weltunterganges am 21.12.2012. Demgegenüber treten die ganzen schönen Himmelsereignisse des kommenden Jahres fast völlig in den Hintergrund.

Entgegen der Meinung meiner Großmutter mütterlicherseits, die immer meinte: „Nimm di nix vör, dann geit di nix fehl …“ (auf Hochdeutsch: Nimm Dir nichts vor, dann geht auch nichts schief) habe ich schon einiges für das kommende Jahr in der Planung. Manches noch grob, manches aber schon ziemlich konkret.

So möchte ich mir auf jeden Fall den Venustransit am 6. Juni anschauen, Mond- und Sonnenfinsternisse werden ja leider in Deutschland nicht sichtbar sein. Aber dafür gibt es eine ganze Reihe astronomischer Veranstaltungen wie das Norddeutsche Astrofotografentreffen (NAFT), der Astronomische Tausch- und Trödeltreff (ATT) in Essen, die Bochumer Herbsttagung der Amateurastronomen (BoHeTa), die SONNE-Tagung vom 17. bis 20. Mai in Bremen, die 2. Tagung Norddeutscher Sternwarten und noch so einiges mehr, das ich gerne besuchen möchte. Vielleicht ist auch mal ein Teleskoptreffen darunter, obwohl ich das „Campingleben“ nicht so toll finde. Luxus ist nicht erforderlich, aber eine feste Behausung wäre schon schön.

Für den Herbst habe ich darüber hinaus auch einen Astrourlaub auf der Volkssternwarte Kirchheim in Thüringen geplant.

Nachdem sich meine persönliche Situation (Pflege meines an Demenz erkrankten Vaters) insofern verbessert hat, dass er nun in einer Pflegeeinrichtung lebt, habe ich endlich mehr Freizeit, die ich unbedingt für Beobachtungs- und Fotoaktionen auf der Außensternwarte der GvA Hamburg in Handeloh nutzen möchte. Hierzu habe ich mir erst vor ein paar Tagen einen 80/520 mm Quadruplet von TS zugelegt, mit dem man sicher nicht nur Deep-Sky-Objekte, sondern auch den einen oder anderen Kometen fotografieren könnte. Auf die ersten Ergebnisse mit dem neuen Instrument bin ich schon sehr gespannt. Der Besuch der regelmäßigen GvA-Veranstaltungen steht sowieso immer auf meinem persönlichen Programm, was sich aber durch berufliche Termine nicht immer verwirklichen lässt.

Auch auf meinem Hauptinteressengebiet, der Sonnenbeobachtung, möchte ich mich gerne weiterentwickeln, d.h. die Beobachtung mit meinem Personal Solar Telescope (PST) intensivieren, am Hα-Programm von interstellarum teilnehmen und weiter meine Relativzahlen nach verschiedenen Systemen bestimmen. Auch einen Einstieg in die Sonnenfotografie könnte ich mir vorstellen.

Überdies mache ich Führungen auf der Sternwarte Hamburg-Bergedorf und auch das möchte ich 2012 natürlich fortsetzen und ggf. weiter ausbauen.

Darüber hinaus werden mir sicher noch etliche Projekte für das Schreiben von Artikeln einfallen, im Rahmen des 100jährigen Bestehens der Bergedorfer Sternwarte sind auch ein Vortrag über „Max Beyer und das Äquatorial“ und ein Artikel dazu in der Planung.

Was sich darüber hinaus im Laufe des Jahres ergibt, wird man sehen müssen, was sich von den obigen Planungen umsetzen lässt, ebenfalls. Aber viel zu planen ist immer noch besser, als gar keinen Plan zu haben.

Samstag, 10. Dezember 2011

Totale Mondfinsternis - Der Erfolg

Eigentlich hatte ich nach den heutigen Schneestürmen, Hagelschauern und Nervregen nicht mehr ernsthaft mit der Beobachtung der totalen Mondfinsternis gerechnet. Dennoch sind André Wulff und ich um 13:30 Uhr in Richtung Ostsee aufgebrochen. Im Bereich der Hohwachter Bucht sollte der Mond um 15:52 Uhr aufgehen, die Totalität hingegen um 15:58 Uhr beendet sein. Bei guter Horizontsicht quer über die Ostsee sollte also der Mond verfinstert aufgehen.Spannend war dabei, wie der Kontrast des verfinsterten Mondes gegenüber dem noch hellen Taghimmel ausfallen würde.

Auf der Suche nach einem geeigneten Standort fuhren wir bei Lübeck von der Autobahn ab, dann durch Timmendorf und stellten fest, dass der Winkel von hier aus nicht so ganz passen würde, zumindst nach dem online-Kompass vom iPhone. Also fuhren wir weiter in Richtung Grömitz, was aber immer noch zu weit südlich lag. Schließlich landeten wir in Kellenhusen und bekamen sogar direkt am Strand einen Parkplatz. 

Unweit davon gab es eine kleine Uferpromenade, von der aus man eine gute Sicht über die doch ziemlich aufgewühlte Ostsee erhielt. Unter dem vorgezogenen Dach einer kleinen Einkaufspassage fanden wir einen guten Platz, um unsere Gerätschaften, Videokameras, und DSLRs auf Fotostativen aufzubauen. Ich hatte neben meiner neuen Handycam meine Canon 1100D dabei, die ich an meinem 80/400er Skywatcher Refraktor anhängte.



Gespannt warteten wir auf den Mondaufgang und sahen zunächst - nichts! In Richtung Horizont stauten sich die Wolken, doch dann und wann tauchten Wolkenlücken auf, die aber die in Frage kommende Zone nicht erreichten. Per iPhone hatten wir versucht, die Nordrichtung zu finden, aber das klappte nicht wirklich gut und so schauten wir ein wenig in die falsche Richtung, nämlich zum Ende der Landzunge links von uns. In Wahrheit ging der Mond aber wesentlich weiter zum Land hin auf. Das bemerkten wir, als die Wolkenschicht dünner wurde und vom Mond eine schmale, auf dem Rücken liegende, orangefarbene Sichel sichtbar wurde. Wir richteten unsere Instrumente neu aus und konnten mit unseren Aufnahmeserie per Video und Foto beginnen. 

Je höher der Mond nun stieg, desto besser wurde die Sicht, es zogen zwar immer wieder Wolkenfetzen durch, doch mit zunehmender Dauer zog sich die Bewölkung immer mehr zurück. Schließlich stand der Mond an einem wolkenlosen Himmel. Per iPhone konnten wir sehen, dass Hamburg weiterhin unter einer dichten, schneereichen Wolkenschicht lag, während sich an unserem Standort die wolkenfreien Zonen zunehmend ausbreiteten.


So konnten wir die Mondfinsternis bis zum Austritt aus dem Kernschatten beobachten, wobei wir danach auch noch einen Teil der Halbschattenfinsternis erwischten. Die Erde wirft ja bekanntlich einen kegelförmigen Kernschatten hinter sich in den Raum, der heute Abend vom Mond durchlaufen wurde. Die rote Färbung ergibt sich durch Lichtbrechung an der Erdatmosphäre. Im Gegensatz dazu gibt es noch den fächerförmigen Halbschatten, den man ebenfalls beobachten kann, der aber nicht so auffällig ist, wie der Kernschatten und eigentlich nur durch die Abschwächung des gesamten Mondlichts zu erkennen ist. Kurz nach dem Ende der partiellen Phase kann man allerdings den Halbschatten, wie auf der folgenden Aufnahme, gut sehen.


Schließlich, als dieser Effekt schwächer wurde, bauten wir unsere Gerätschaften ab, aßen im Auto unsere Berliner und fuhren über die A 1 zurück nach Hamburg, wo wir bei leichtem Regen und einem durch die Wolken mühsam hindurch scheinenden Vollmond ankamen.

Die heutige Aktion zeigte, dass man trotz mieser Wetteraussichten durchaus Glück haben kann und dass man flexibel sein muss, um sich zumindest eine winzige Chance auf Erfolg zu bewahren.

Totale Mondfinsternis 10.12.2011 - Vor dem Start

Eine knappe halbe Stunde noch, dann werde ich aufbrechen, einen Kumpel abholen und zur Ostsee fahren. Die Hohwachter Bucht erscheint uns gegenwärtig als der geeignetste Standort, da wir von Hamburg aus nirgends einen freien Blick zum Horizont haben werden. Die Gegend um Timmendorf bietet die Möglichkeit, den dort noch voll verfinsterten Mond am taghellen Himmel über der See aufgehen zu sehen.

Voraussetzung ist allerdings, dass das Wetter mitspielt und da besteht derrzeit eher eine 50:50-Chance, etwas von der Finsternis zu sehen, die ohnehin nicht so beeindruckend sein wird, wie wenn sie mitten in der Nacht stattfinden würde. aber auch so ist mit einem interessanten Naturschauspiel zu rechnen.

Mittlerweile ist der Tee gekocht und in die 1L-Thermoskanne umgefüllt, die Berliner für den Nachmittag sind eingepackt, nun muss man sich nur noch warm genug anziehen.

Meine Ausrüstung für diesen Tag besteht aus einer DSLR, meinem 80/400er Skywatcher-Refraktor und einer Videokamera. Mit im Gepäck ist auch jede Menge Hoffnung, dass wir etwas zu sehen bekommen. Später werde ich mehr darüber berichten und twittern.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Die Sonne im November 2011

(Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)

In den ersten Novembertagen setzte sich die erhöhte Sonnenaktivität weiter fort. Gleich am 1. erschienen mit den Aktiven Regionen 11338 und 11339 zwei, zunächst als D-Gruppen eingestufte Fleckengruppen, die sich bis zum 4. in die Klasse E vorarbeiteten. Aber schon am 5. wandelte sich das Bild: die Zahl der Fleckengruppen hatte sich quasi über Nacht halbiert, weil sich viele kleine Gruppen aufgelöst haben. Die AR 11338 war auf die Stufe D zurückgefallen, die AR 11339 hingegen zu einer beeindruckenden F-Gruppe geworden und nahm immerhin an diesem Tage eine Fläche von 1540 Millionstel Hemisphären (MH) ein. Damit war damit sie auch mit bloßem Auge (und Sonnenfilter!) zu sehen. Sie blieb erst einmal die dominierende Fleckengruppe in dieser Phase und war umgeben von einer Vielzahl kleinerer Gruppen der Klassen A bis D, H und J. Am 6. erschien die AR 11342 am Ostrand als wenig auffällige D-Gruppe, die am 8. nach Angaben der NOAA die Stufe E erreicht haben soll, auf den Zeichnungen des Sonnenobservatoriums Kanzelhöhe ist davon aber nichts zu sehen. Die in Frage kommende Gruppe hat hier nach der Stufe C nur die D erreicht. Ein schon eigenartiges Bild bot sich zwischen dem 10. und dem 13, als alle Gruppen nach Westen gerückt waren, aber um den Ostrand keine neue Gruppe mehr herum rotierte. Die geschah erst am 13. mit der AR 11346, dann bildeten sich aber mit einem Mal wieder viele kleinere Gruppen, die Gesamtzahl der Aktivitätsgebiete stieg auf bis zu 15, die am 14. die Sonne schon sehr gesprenkelt aussehen ließen. Die höchste Waldmeierklasse, die in diesem Zeitraum erreicht wurde, war die Klasse D. Eine merkwürdige Einstufung erfolgte – mal wieder – durch die NOAA bei der Aktiven Region 11352. Erstmals am 17. um den Ostrand herumgekommen, hatte zwar eine klare bipolare Struktur, aber nur im nachfolgenden Teil eine Penumbra. Die Kanzelhöhe blieb bei der Einstufung als C-Gruppe, die NOAA machte aber ab dem 18. eine E-Gruppe daraus, die noch nicht mal die erforderliche Längenausdehnung, geschweige denn die Komplexität einer Gruppe dieser Klasse aufwies. Ähnlich diffus verhielt es sich mit den Regionen 11355 und 11356, die nach der Kanzelhöhe E-Gruppen waren, von der NOAA dieses Mal aber niedriger eingestuft wurden. Erst am 23. stufte sie die AR 11355 als F-Gruppe ein, ein paar Tage später auch die AR 11356 (die unverständlicherweise auch dann noch als F bezeichnet wurde, als sie sich längst wieder zurück entwickelt hatte). Einen Tag später fiel die AR 11355 wieder auf D zurück (die Kanzelhöhe hatte das schon am 21. nachvollzogen). Auch die AR 11358 machte der NOAA zu schaffen, sie tauchte am 21. als H-Gruppe am Ostrand auf, zeigte sich schon einen Tag später als große D und ab 23. als kleinere (aber ausreichend lange) F-Gruppe. Bei der NOAA war dies erst am 26. der Fall. In den Tagen ab dem 20. bot sich das in letzter Zeit sehr häufig zu beobachtende Bild, dass fast alle Gruppen über die Nordhalbkugel der Sonne liefen und der Süden eher inaktiver war. Bis zum Monatsende war ein deutlicher Fleckenüberschuss im Norden bemerkbar, wo zum wiederholten Male die einzelnen Fleckengruppen wie in einer Perlschnur aufgereiht über ihre Oberfläche dahinzogen. Am 28. und 29. war der Süden sogar wieder völlig fleckenfrei. Erst einen Tag später kam hier wieder eine H-Gruppe zum Vorschein.

Erste Anzeichen der weiterhin hohen Sonnenaktivität auch im Hα machten sich am 3. bemerkbar, als um 20:27 UT ein X1/2B-Flare aus der Region 11339 aufstieg, nachdem diese Gruppe am 2. um 22:01 UT einen M4- und am 3. um 11:11 Uhr einem M2-Flare hervorgebracht hatte. Keines dieser Ereignisse führte, da die Gruppe nah am Ostrand standen, zu Polarlichtern. Diese waren bis auf eine Ausnahme am 21. ohnehin nicht zu sehen. An dem Tag konnte - ausgelöst durch Plasma, das einem Koronaloch entwichen war -, ein leicht fotografisches Polarlicht wahrgenommen werden. In der übrigen Zeit gab es zwar eine ganze Reihe mehr oder minder heftiger M-Flares, die aber alle nicht das Potenzial hatten, wirklich spektakulär zu sein. Wie der M1-Flare vom 9., der mit einem schwachen CME verbunden war. Aufgestiegen um 13:35 UT strebten die Teilchen des koronalen Massenauswurfes als Folge eines eruptiven Filamentes zwischen den Aktiven Regionen 11342 und 11343 mit 750 km/s in Richtung Erde. Die Teilchendichte reichte aber nur zu einer leichten Störung des Erdmagnetfeldes und konnte damit keine auch in Deutschland zu beobachtenden Polarlichter erzeugen. Und so ging ein Monat mit zwar vielen kleineren Ausbrüchen, auch mit CMEs (die aber nicht erdgerichtet waren), wundervoll geschwungenen Filamenten und beeindruckenden Protuberanzen zu Ende. Im Vergleich zur Sonnenaktivität im Weißlicht war die im Hα aber erstaunlich gering.

Mittwoch, 30. November 2011

Norddeutsches Astrofotografentreffen in Hannover


Nur eine Woche nach der gemeinsamen GvA-Tour zur BoHeTa machten wir, Konstantin, Hartwig, Wolfgang, André und ich uns am 19.11.2011 auf nach Hannover zum Norddeutschen Astrofotografentreffen.

Wieder ging es vom Hamburger Hauptbahnhof aus gen Süden. Wir trafen uns rechtzeitig vor der Abfahrt um kurz vor 10 Uhr vor dem Reisezentrum in der Wandelhalle. Die Karten wurden gelöst und kurz darauf saßen wir auch schon im Metronom nach Uelzen. Dort stiegen wir in einen anderen Zug nach Hannover um und fuhren dort mit dem Nahverkehr bis zur Haltstelle Sternwarte. Nun waren es nur noch ein paar Schritte, bis wir die Räume der „Volkssternwarte Geschister Herschel Hannover e.V.“ betreten konnten. Mathias Levens und seine Mitstreiter, die das Herbst-NAFT ausrichteten, waren schon vor Ort, das Büfett war aufgebaut und der Vortragsraum hergerichtet.

Da wir relativ frühzeitig angereist waren, konnten wir vor Beginn noch die Instrumente der Sternwarte – in zwei Kuppelbauten sind ein 200/3000 mm Refraktor, ein 30cm Schmidt-Cassegrain, ein Lichtenknecker Apo mit 20 cm Öffnung sowie weitere Teleskope untergebracht – besichtigen und bekamen durch Klaus Bussian auch noch eine kleine Führung. Die Sternwarte wurde 1947 von Hannoveraner Amateuren gegründet und seit 1968 residiert sie auf dem 89m hohen Lindener Berg, direkt auf einen riesigen Wasserspeicher gebaut.

Nach unserer Rückkehr in die Vereinsräumlichkeiten konnten wir uns in die offene Vortragsliste eintragen und zuvor noch am Büfett stärken. Ziemlich genau um 14 Uhr eröffnete Mathias Levens dann die Veranstaltung und leitete über zum ersten Vortrag von Uwe Freitag, der – wieder einmal – herausragende Bilder von Leuchtenden Nachtwolken, Polarlichtern und den Erlebnissen und Ergebnissen von Teleskoptreffen am Selenter See und in Lohmen in Mecklenburg-Vorpommern präsentierte. Auch hatte er einige sehenswerte Draconiden-Bilder, mit stehender Kamera aufgenommen, im Gepäck. Marco Ludwig von den Neumünsteraner Sternfreunden ergriff zwischendurch das Wort und berichtete über die Neuentwicklungen dort und über die Einweihung des ehemaligen Lübecker Hauptinstrumentes, bevor noch acht kurze Animationen von Polarlichtern und NLCs das Publikum in Erstaunen versetztem

Im Anschluss daran berichtete Hartwig Lüthen über die Astroreise nach Namibia, schilderte die Eindrücke von der Farm Tivoli und zeigte dann sehr schöne Aufnahmen von Deep Sky-Objekten wie NGC 247, NGC 4945, NGC 55, NGC 253, M 83, Centaurus a, M 8 und M 20, M 16 und M 17, die Antaresregion, den Darktower (NGC 6231),  eta carinae, IC 2994, NGC 6537, Omega Centauri und die Große Magellansche Wolke. Ein Teil der Aufnahmen ist auch mit einem H-Alpha-Filter enstanden.

Nach kurzer Pause, in der wir uns für das obligatorische Gruppenfoto zwischen den Kuppeln aufstellten, ging es dann weiter mit Konstantin von Poschinger, der seinerseits über Namibia berichtete, Deep Sky-Aufnahmen mit kurzen Brennweiten und mit CCD-Kamera durch die Teleskope vor Ort anfertigte. Davon führte er hier IC 1274, IC 2944, IC 434, NGC 1999, IC 4603, IC 4605, M 4, IC 4628, IC 4812, lDN 77, M 15 mit dem Kometen Garrad, verschiedene Galaxien des Südhimmels, die Kleine Magellansche Wolke, NGC 247, NGC 253, NGC 3199 nahe eta carinae, NGC 5128, NGC 6188, NGC 6231 (Darktower), NGC 6302, Strichspuraufnahmen und am Schluss Sternhimmelanimationen aus Murnau vor. Viele Aufnahmen davon entstanden ebenfalls mit einem Deep Sky-H-Alpha-Filter, der immer wieder erstaunliche neue Einsichten in bekannte Objekte ermöglicht.

Nun war ich an der Reihe mit einer kleine Präsentation meiner Aufnahmen aus dem Urlaub auf Usedom und von der GvA-Außensternwarte in Handeloh. Bei einer Aufnahme mit stehender Kamera, bei der ich das Milchstraßengegend im Schwan aufgenommen hatte, stellte sich ein vermeintlicher Fehler als Teil eines Mondhalos heraus.

Bruno Mattern berichtete kurz über seine Sternwarte und die darin enthaltenen Instrumente, bevor er seine neuesten, oft extrem lang belichteten, Aufnahmen vorführte. Mit mehreren DSLRs und Teleskopen mit unterschiedlich langen (oder kurzen) Brennweiten lichtete er M 27, M 31, NGC 4640, NGC 6823, Sharpless 112, den Bubblenebel, M 33, NGC 925, den Californianebel, den Cocoonnebel, den Irisnebel, M 74, NGC 1055, NGC 2174 und IC 405 ab. Dabei wurde deutlich, dass es eigentlich mehr bringt, pro Nacht nur ein oder zwei Objekte, oder ein Objekt über mehrere Nächte hinweg, aufzunehmen. Nur solche extrem lang belichteten Bilder können bislang unbekannte Details enthüllen – wie man eine Woche zuvor auch auf der BoHeTa sehen konnte.

Carsten Reese erläuterte kurz seine Instrumente (ein 10 Zoll F/5-Newton auf einer Losmandy G11-Montierung und eine ATIK 16HR-CCD-Kamera und zeigte seine neusten Bilder von NGC 7635, NGC 891, Sharpless 106, M 76 und erläuterte kurz das von ihm für die Bildbearbeitung verwendete Programm Theli. Auf eine Urlaubsreise nach Sardinien hatte er eine Astro 1-Montierung im Gepäck, auf die er seine Canon EOS 350Da gepackt und damit die Milchstraße im Schwan, die Antaresregion, M 8 und M 20 mit jeweils 20 bis 30 Sekunden Belichtungszeit aufgenommen hat.

Die nun folgende Pause wurde für „Umbauarbeiten“ genutzt, denn seit langem gab es mal wieder einen analogen Vortrag auf einem NAFT: Bernd Schatzmann führte mit Überblendtechnik Dias vom winterlichen Wald mit Sternenhimmel bei Vollmond, winterlichen Impressionen von Mond und Sternen, einzelne Sternbildaufnahmen und Leuchtende Nachtwolken, teilweise mit musikalischer Untermalung, vor. Ein würdiger Abschluss für das Herbst-NAFT, das um 18:30 Uhr endete.

Da hinterher nichts weiter geplant war und man selber nahe gelegene Lokalitäten aufsuchen konnte, wenn man es denn wollte, beschlossen wir, die Heimreise anzutreten. Zwischendurch hatten wir per Mobilfunk erfahren, dass in Hamburg dicker Nebel sein sollte; das war auch gegen 22 Uhr so, als wir die Süderelbbrücke passierten und kaum etwas sehen konnten. Aus dem wochenlangen Hochnebel war dicker Nebel geworden, ein leider schon gewohnter Anblick und weniger weitaus interessant als galaktische Nebel ...

Das kommende NAFT im Frühjahr wird möglicherweise in Hamburg oder St. Andreasberg stattfinden, eine endgültige Entscheidung wurde aber noch nicht getroffen.

30. Bochumer Herbsttagung

Sie ist fraglos die Hauptattraktion im astronomischen Jahreskalender: die Bochumer Herbsttagung. Seit 30 Jahren lockt sie stets mit einem hochkarätigen Programm in die Ruhrmetropole. So auch in diesem Jahr.

Seit einigen Jahren ist es fast schon eine kleine Tradition, dass sich mehrere GvA-Mitglieder per Bahn auf die Reise nach Bochum machen. Hartwig Lüthen als Reiseleiter hatte schon frühzeitig die Fahrkarten gebucht und so hieß es am 12. November 2011 erst einmal um 4:15 Uhr aufstehen. Die Reisegruppe bestand aus Hartwig, Konstantin von Poschinger, André Wulff, Oliver Rensch, Claudia Barstorfer und mir. André hatte mich per Telefon geweckt und in dunkler, klirrend kalter, aber klarer Vollmondnacht ging es kurz vor 5 Uhr zur U-Bahn, die natürlich wieder mal Verspätung hatte. Da auch der ICE leicht Verspätung hatte, glich sich das dann wieder aus. Schließlich saßen wir alle im Zug und fuhren durch die Nacht und die beginnende Dämmerung unserem Tagesziel entgegen. In Dortmund stiegen wir in einen Regionalzug um und in Bochum in die U-Bahn bis zur Ruhr-Universität. Über die schon seit Jahren klappernden Gehwegplatten, vorbei an Unibausünden der 70er Jahre gelangten wir schließlich in das Gebäude der Medizinischen Fakultät und dort in den bekannten Hörsaal 10 A. Es waren bereits einige Sternfreunde aus der näheren Umgebung anwesend (wir hatten, glaube ich, die weiteste Anreise), der VdS-Stand und die kleine Cafeteria befanden sich noch im Aufbaustadium. Wir lösten – da der Hörsaal mittlerweile auch nicht mehr kostenlos zur Verfügung gestellt wird - ein kleines Eintrittsgeld und warteten gespannt auch den Beginn der Veranstaltung.

Schließlich war es soweit: Peter Riepe als Organisator der BoHeTa eröffnete die diesjährige Jubiläumstagung mit warmherzigen Worten und einem kleinen Rückblick. Ihm folgte Prof. Dr. Ralf-Jürgen Dettmer von der Fakultät für Physik und Astronomie der Ruhr-Universität Bochum mit einleitenden Worten. Er führte auch durch das weitere Programm. Werner Celnik von der Vereinigung der Sternfreunde e.V. (VdS) richtete danach seine Begrüßungsworte an das Plenum.

Das Programm hatte ein paar echte Höhepunkte aufzuweisen, der erste war ein Vortrag von Eberhard Bredner über die Bedeckung eines Sterns durch einen Kleinplaneten. Vor vielen Jahren noch eine Domäne für den Profiastronomen, ist es mittlerweile möglich, selbst mit kleinen Teleskopen solche zwar nicht häufigen, aber auch nicht seltenen Ereignisse zu beobachten. Dazu muss man sich natürlich, wie bei einer Sonnenfinsternis, nahe der Zentrallinie aufhalten. Der Referent war hierfür im Juli nach Madeira gereist. Am 19.7.2011 bedeckte der Doppelasteroid (90) Antiope - hier umkreisen einander zwei kleine Felsbrocken –, er wurde am 1. Oktober 1865 durch Karl Theodor Robert Luther (1822-1900) an der Sternwarte Düsseldorf entdeckt – den Stern HIP 112420, auch bekannt unter dem Namen V* LQ Aqr, einem Pulsationsveränderlichen. Leider hatte der Referent Pech: Er war nur einen Kilometer von der nicht ganz genau bekannten Zentrallinie entfernt, an einem Ort, wo das Ereignis nur 4° über dem Horizont stattfand und hat nichts gesehen.

Die Beobachtung von Jupitermondereignissen ist sowohl mit den einfach instrumentierten, als auch für den besser ausgerüsteten Sternfreund ein immer wieder lohnendes Ziel. Je nach Stellung der Jupiterachse im Kontext zur Erdachse kann man neben den Bewegungen der Monde auch besondere Ereignisse wie gegenseitige Bedeckungen, die Bedeckung von Sternen durch Jupitermonde etc. beobachten. In seinem diesjährigen Vortrag stellte Bernd Gährken die Kallistoverfinsterung vom 12./13.11.2010 vor. Hierbei tauchte der 4821 km große und 5m7 helle Mond teilweise in den Jupiterschatten ein. 1,8 Mio. km vom ihm entfernt, kann man solch ein Ereignis immer nur dann sehen, wenn wir exakt von vorn auf den Planeten schauen. Ist der Sehwinkel dagegen irgendwie geneigt, geht der Mond wegen seiner großen Entfernung von der Erde aus gesehen über den Jupiterschatten hinweg oder unter ihm hindurch. In dem Zusammenhang stellte sich die Frage, ob man nicht nur partielle oder totale Verfinsterungen beobachten kann, sondern auch so genannte Halbschattenfinsternisse. Dies klappt ja beim irdischen Mond, der annähernd den gleichen Durchmesser wie Kallisto besitzt, recht gut. Nimmt man die Entfernung des Jupitersystems zur Erde, kommt man auf annähernd gleiche Verhältnisse. Und siehe da, Bernd Gährken schaffte es, mit dem 80cm Refraktor der Volkssternwarte München, einen der partiellen Verfinsterungen vorausgehenden Helligkeitsabfall um 0,3 mag für eine Dauer von 3 Minuten und 25 Sekunden zu beobachten. Damit ist ihm der Nachweis gelungen, dass man Halbschattenfinsternisse auch bei Jupitermonden mit Amateurinstrumenten nachweisen kann.

Über die Beobachtung der „Periastron-Passage des Doppelsternsystems δ Scorpii in den Monaten Juli und August 2011 berichtete anschließend Ernst Pollmann. Hier ging es um die Frage, inwieweit man mit Amateurmitteln die Annäherung eines Begleitsterns an seine Hauptkomponente verfolgen kann. δ Scorpii besteht aus einem B0-Hauptstern und einem Begleiter vom Typ B mit einer Bahnexzentrizität von 0,94. Mit dem an der Arbeitssternwarte der VdS-Köln vorhandenen LHRES III-Spektrographen sollte das Ereignis verfolgt werden und zwar im Hα. Zeitgleich erstellte Anatoly Miroshnichenko an der University of Greensboro in den USA Messungen der Hα-Radialgeschwindigkeiten der beiden Komponenten des δ Scorpii.Systems. Die VdS-Spektroskopiker hatten zwischen Januar und November 2011 zusammen mit anderen Stationen gemessen. Ergebnis: Das Linienprofil weist einen seltsamen Buckel auf, dessen Ursache derzeit darin vermutet wird, dass es sich hier nicht um ein Doppelstern, sondern um ein Dreifachsystem handeln könnte, wobei die dritte Komponente nur spektroskopisch nachzuweisen ist. Eine fast unglaubliche Leistung von Amateuren!

Im letzten Vortrag vor der Pause stellte Josef Pöpsel seinen Weg zur Verwendung eines Remote-Teleskops vor. Nach schlechten Erfahrungen mit dem Wetter in Deutschland, hatte sich der Referent nach der Möglichkeit der Aufstellung eines Fernrohres unter günstigeren Witterungsbedingungen umgesehen und war dabei auf eine Gruppe von Leuten gestoßen, die noch einen Mitstreiter für ein Remote-Teleskop auf La Palma suchten. Dieses Ziel zerschlug sich dann ebenso wie die Bemühungen, auf dem Kupferberg bei Windhoek in Namibia dauerhaft eine Sternwarte zu errichten. Zwar konnte man in einem Schutzbau dort das verwendete Teleskop unterbringen und auch für einige Zeit ferngesteuert betreiben, doch waren stets einige Probleme mit der Technik und mit der schwachen Internetanbindung zu lösen. Nachdem einer der Leute die Gruppe verließ, stieß jemand hinzu, der die Möglichkeit eröffnete das Remote-Teleskop auf dem Gipfel des Berges Shinakas auf Kreta zu betreiben. Vor Ort fand man eine deutlich bessere Infrastruktur, als in Namibia. Hier konnte der 60cm Hypergraph mit einer Brennweite von 4938 mm im Sekundärfokus auf einer K 140-(Deutschen)Montierung von Michael Knopf betrieben werden. Mit dem inzwischen Ganymed getauften Teleskop sind nun per CCD-Kamera über das Internet ferngesteuert Aufnahmen möglich. Der Referent ging dann, leider eher nur am Rande, auf die typischen Probleme bei Remote-Teleskopen ein, machte aber trotzdem klar, welche Möglichkeiten sich dem heutigen Amateur bieten, vom heimischen Sofa aus unter bedecktem Himmel ein Fernrohr unter klarem Himmel an einem besseren Standort zu nutzen.

Nach so vielen inhaltsschweren Vorträgen tat eine Pause gut und wir, André, Stefan van Ree (Astronomie.de) und ich, gingen in das kleine Einkaufszentrum auf der anderen Seite der Bahngleise und landeten in einem Hähnchen-Laden. Nach der Mahlzeit ein kurzer Spaziergang und schon bald saßen wir wieder im Hörsaal, denn es ging weiter mit einem Beitrag von Stefan Krause über die Astroereignisse des Jahres 2012. Global gesehen stechen dabei drei Sachen besonders heraus: die ringförmige Sonnenfinsternis am 20. Mai, der Venustransit am 6.Juni, und die totale Sonnenfinsternis von 13./14.11. Neben einer grundsätzlichen Erläuterung, wie Vorübergänge des zweitinnersten Planeten entstehen, wurden Möglichkeiten der fotografischen Beobachtung beschrieben und die einzelnen möglichen Beobachtungsstandorte auf Hawaii und Island, in Ägypten, Australien oder in Nordeuropa (z.B. nahe des europäischen Raketenstartgeländes Kiruna) analysiert und mit Frankfurt am Main verglichen. Im zweiten Teil ging der Vortragende auf die totale Sonnenfinsternis 2012 ein. Kurios: der Kernschatten wird dabei am 14.11. im nördlichen Australien erstmals Kontakt mit dem Erdboden haben und dann über einige kleinere Inseln und Inselgruppen hinweg ostwärts am Abend des 13.11.2012 800 km vor Chile enden. Grund für diese paradoxe Situation: der Kernschatten überschreitet die Datumsgrenze in Richtung Osten, daher beginnt er am 14. Und endet (regional gesehen) am 13. Außerdem gibt es am 4. Juni eine partielle Mondfinsternis sowie eine Halbschatten-Mondfinsternis am 28. November.

Aktuelle Jupiteraufnahmen, die Erst im Oktober bei bestem Seeing in Recklinghausen an einem 8 Zoll Newton mit f/6 "aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts" auf einer Losmandy G11-Montierung entstanden waren, präsentierte danach Wolfgang Bischof. Für seine Aufnahmen des Riesenplaneten verwendete er eine alten DMK 21-SW-Kamera. Dabei zeigte sich, dass auch "Uralt"-Geräte in den Händen eines versierten Amateurs kein Schattendasein fristen müssen. Ein beredtes Beispiel dafür waren seine Jupitervideos, die er nachträglich mit Giotto bearbeitete und sich beim RGB-Bild vor allem auf den Grünkanal konzentrierte und am Ende daraus sogar Jupiter-Gesamtkarten erstellen konnte. Nebenbei nahm er dann auch noch die Monde Io und Ganymed auf. Es ist erstaunlich, welch Leistungen viele Amateure sozusagen im Verborgenen vollbringen.

Im Programm hieß es, dass nun eine besondere Bekanntmachung bevorstand. Werner Celnik kündigte an, dass es künftig keine VdS-Medaille mehr geben würde, dafür aber alle zwei Jahre den „Deutschen Preis für Astronomie – verliehen durch die Vereinigung der Sternfreunde e.V.“, der mit einem Geldbetrag in Höhe von 1.000 EUR verbunden ist. Als erste Preisträger wurde Peter Riepe, der Organisator der BoHeTa und langjähriger Leiter der VdS-Fachgruppe Astrofotografie mit dieser ehrenvollen Auszeichnung bedacht. Die anschließende Laudatio wurde von Bernd Koch gehalten.

Ein weiterer Programmpunkt stellte die Verleihung des „Reiff-Preises für Amateur- und Schulastronomie 2011“ dar, den die Astrogruppe des Realgymnasiums Bruneck in Südtirol, regelmäßige Leser der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“, für die Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit aus photometrischen Beobachtungen des Sterns CY Aquarii erhielt. Da der Förderpreis in Höhe von 3.000 EUR zur Unterstützung der weiteren Arbeiten gedacht ist, werden die Mittel in neue Forschungsprojekte der Astro-AG fließen. Dr. Jakob Staude, Herausgeber der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“ stellte in seiner Laudatio die Arbeit der Reiff-Stiftung und deren Ziele vor und beschrieb die Arbeit der diesjährigen Preisträger, die leider bei der Verleihung des Preises nicht anwesend waren.

Da das Kuratorium der Reiff-Stiftung der Ansicht ist, dass es wesentlich mehr förderungswürdige Projekte, gerade an Schulen mit Astronomie-Arbeitsgemeinschaften, gibt, soll es künftig einen 1., 2. und 3. Preis geben, die mit 1.500, 1.000 und 500 EUR dotiert sein werden.

Vor der nun anstehenden Pause, versammelten wir uns alle vor der großen Tafel für das Gruppenbild anlässlich des 30jährigen Jubiläums der BoHeTa.

Zur Verleihung des Reiff-Preises gehört auch ein Reiff-Vortrag, der die Zusammenarbeit zwischen Amateuren und Profis würdigen soll. Dieser Vortrag wurde von Dr. Thomas Eversberg von der Bonner Sternwarte gehalten. Sehr lebhaft und lebendig beschrieb er zunächst wesentliche Arbeiten von Amateuren für die Profis wie die Entdeckung der beiden Weselowski-Galaxien, die Arbeiten am Hubble Deep Field von Jörg Zborowska und die fotografische Entdeckung von Strukturen rund um NGC 5907 durch Jay Gabany. Ein Feld, in dem Amateure sehr viel Unterstützungsarbeit leisten können, stellt die Spektroskopie dar, wobei schon mit dem StarAnalyzer die Spektren von Supernovae (Thomas Hansen) oder Strukturen bei Wolf-Rayet-Sternen untersucht werden können. So konnte beispielsweise von Buil und Desnoux die Rotation von NGC 7331 bestimmt werden. Lohnende Ziele für den Amateur sind auch Langzeitbeobachtungen etwa an massereichen Sternen, an hellen Be-Sternen, an ausgesuchten Objekten wie ε Aur, oder die Periastronpassage von WR 140. Das Betätigungsfeld ist weit gestreut und ernsthaft arbeitende Sternfreunde können heute durchaus den Profis zuarbeiten oder sogar neue Objekte auffinden, wenn sie bereit sind, wirklich wissenschaftlich zu arbeiten! In dem Zusammenhang stellte Peter Riepe kurz noch das VdS Projekt Sternströme vor.

Über das sehr spezielle Thema der Amateur-Infrarot-Astronomie sprach danach Hans-Günther Diederich. Zunächst einmal klärte er darüber auf, welche Quellen es mit Informationen über lohnende Objekte für ambitionierte Sternfreunde gibt. Auch räumte er mit der Mär auf, CCD-Kameras seien für IR-Aufnahmen nicht geeignet. Bei LRGB-Bildern kann man einen IR-Sperrfilter als Helligkeitsfilter einsetzen und es gibt darüber hinaus eine Menge Tricks und Kniffe, wie man z.B. Helligkeitsmessungen vornehmen kann. Als Beispiel hierfür gilt χ Cygni, ein Mira-Veränderlicher in 350 Lichtjahren Entfernung. Möglichkeiten für aussagekräftige Bilder bieten auch Objekte wie NGC 2024 (mit verschiedenen Filtern untersucht), das Zentrum der Milchstraße, Exoten wie 2MASS J04151954-0935066, ein T8-Zwerg im Eridanus, nur 19 Lichtjahre entfernt, Liller 1, ein Kugelsternhaufen der Milchstraße im Skorpion, oder Altbekanntes wie M 16. Es hilft dabei auch, Luminosity-Filter durch einfache Klarglasfilter zu ersetzen oder einen IR-Durchlassfilter zu verwenden und schon eröffnen sich dem Amateur bislang unbekannte Dimensionen.

Dass die visuelle Beobachtung der Sonne auch mit kleineren Instrumenten möglich ist, ist allgemein bekannt. Was man aber mit 5 Zoll Öffnung, Filtern, Herschelkeil, Protuberanzenansatz und Solarspectrum-Filter alles sehen und fotografieren kann, darüber informierte Jens Leich, der nicht nur seinen sonnenbeobachterischen Werdegang, sondern auch die über die Jahre hinweg von ihm eingesetzten Instrumente und Verfahren beschrieb. Neben der Fotografie widmet er sich auch immer wieder der Zeichnung von Flecken und Protuberanzen und gab so viele Anregungen, sich auf verschiedene Weise mit unseren Tagesgestirn auseinander zu setzen.

Michael Kunze, der erstmals auf der BoHeTa einen öffentlichen Vortrag hielt, berichtete dem staunenden Publikum von seinen, auch astronomisch orientierten, Reisen in die USA. Eine führte ihn nach Hawaii, wo er das Mauna Kea-Observatorium auf Big Island und den Vulkankrater Haleakala aufsuchte und beeindruckende Fotos und Zeitraffervideos mit der Canon EOS 5d aufnahm. Ein weiteres Mal besuchte der Referent die Westküste der USA und besuchte dabei das Griffith Park Observatory, das Mt. Wilson, Observatory, den Barringerkrater, das Monument Valley, den Grand Canon. Auf dem Rückflug konnte er dann vom Flugzeug aus noch ein Polarlicht über Grönland festhalten.

Im letzten Vortrag, dem traditionellen „Rausschmeißer“ mit vielen Bilder zeigte Stefan Binnewies dieses Mal Bilder von eher selten aufgenommenen Objekten, die mit dem Remote-Teleskop Ganymed auf Kreta entstanden:  M 57, M 1, NGC 613, NGC 6543, Kronberger 61, Du 1 (ein Planetarischer Nebel (PN) im Schwan), die PN Kohoutek 1972 und KjPn8 in der Cassiopeia, NGC 6960, die Supernovae SN 2011dh in M 51 und die SN 2011fe M 101, NGC 5364, NGC 5363, Arp 65/NGC 90 und NGC 93, NGC 5900 und NGC 5899, NGC 2264 LBN 437 mit Lkhalpha 233 lac, HH 34, und NGC 6947 mit Einsteinkreuz. Ein wahrer Bilderregen mit phantastischen Aufnahmen und ein würdiger Abschluss der 30.ten Bochumer Herbsttagung!

Mittlerweile war es 19:10 Uhr geworden und Peter Riepe verabschiedete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und dankte den Referenten für ihre Beiträge. Insgesamt rund 150 Interessierte waren in die Ruhrstadt gekommen, deutlich weniger als in den vergangenen Jahren und auch der Altersdurchschnitt war ein wenig Besorgnis erregend, denn weit über 80 oder 90% entstammten den nach 1960 geborenen Generationen, nur einer war dabei, der 1990 und später geboren wurde, ein paar stammten aus den Jahrgängen vor 1960. Die Entwicklung, dass anscheinend die junge „Twitter-Generation“ sich anscheinend für Tagungen in Form der BoHeTa nicht interessiert, wurde anschließend noch heiß diskutiert Man wird für die Zukunft Strategien entwickeln müssen, um die jungen Sternfreunde an systematisches wissenschaftliches Arbeiten heranzuführen und bei ihnen die Begeisterung für die praktische Astronomie am Fernrohr zu wecken.

Da wir um 20:41 Uhr die Stadtbahn erreichen mussten, unser Zug sollte um 21:11 Uhr vom Bochumer Hauptbahnhof abfahren, mussten wir uns ein wenig beeilen, um noch in der Pizzeria „Chianti“ im Uni-Center eine kleine Mahlzeit zu uns zu nehmen. Das gelang auch und pünktlich saßen wir in der Bahn. Der ICE 514 hatte zwar eine Viertelstunde Verspätung, aber da wir bis Hamburg nicht mehr umsteigen mussten, war es uns egal. Im Zug verging die Zeit dann auch relativ schnell und ziemlich genau um 1:15 Uhr war ich wieder zu Hause angekommen. Ein ereignisreicher Tag lag hinter uns, die Vorträge waren ausgewogen und gut aufbereitet, sodass man den Referenten gut folgen und auch Anregungen für die eigene Astrotätigkeit mitnehmen konnte. Ob die dann tatsächlich praktisch umgesetzt werden, das steht freilich auf einem ganz anderen Blatt. Die 31. BoHeTa wird am 27. Oktober 2012 stattfinden, ein Reiseziel, das man sich jetzt schon vormerken sollte.

Die Sonne im Oktober 2011

(Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)


Wie an einer Perlenkette aufgereiht, wanderten Anfang Oktober gleich mehrere Fleckengruppen über die Nordhemisphäre der Sonne. Die größte davon war die AR 11302, die der höchsten Waldmeierklasse F zugerechnet wurde. An einigen Tagen war sie auch mit Hilfe geeigneter Filter mit bloßem Auge zu beobachten. Täglich veränderte sich ihr Aussehen, kleinere Flecken verschwanden, neue kamen hinzu und auch die Penumbren zeigten Veränderungen oft binnen Stunden. Nebenher entwickelte sich die AR 11307, erstmalig am 29.9. zu sehen, langsam zur E-Gruppe mit ebenfalls interessanten Pernumbren. Allerdings zerfiel sie dann innerhalb weniger Stunden zur Klasse C, mit immer noch imponierenden Ausmaßen. Überdies bevölkerten dann noch weitere kleinere Gruppen die Sonne, so dass man fast bis zum Ende des Monats immer auf Gruppenzahlen zwischen 7 und 10 kam. Nach dem 5. trat ein wenig Ruhe ein, die hohen Relativzahlen resultierten ein ums andere Mal aus einer Vielzahl kleinerer Aktivitätsgebiete. Vom 9. bis zum 11. brach die Aktivität sogar ein wenig ein um man konnte nur noch 5 bis 6 Gruppen finden. Danach war wieder ein deutlicher Anstieg zu bemerken. Am 13. erschien die AR 11319 am Ostrand und entwickelte sich schon am 15. zur Klasse E, die sie bis zu ihrem Verschwinden am Westrand am 23. beibehielt. Zwischenzeitlich konnte man in dieser Gruppe mehr als 50 Einzelflecken zählen. Sie blieb aber nicht die einzige hochklassige Fleckengruppe. Die AR 11324 erschein als eine Art kleinem Fleckensammelsurium am 18. Oktober am Ostrand. Schon bald ließ sich durch ihre Längsausdehnung erkennen, dass sie mindestens der Waldmeierklasse E angehören musste. Allerdings waren die Penumbren reichlich konfus organisiert, eine klare Trennung zwischen dem f-Teil und dem p-Teil nahezu unmöglich. Ab dem 20. wurde sie von der NOAA der Klasse F zugeordnet, während die Kanzelhöhe weiterhin bei E blieb. Die Anzahl der Einzelflecken stieg hier fast ebenso sprunghaft an, wie bei der AR 11319 und man kam hier mit dem Zählen kaum noch nach. Bei mir waren es fast jeden Tag, an dem ich beobachtete, über 50 Einzelflecken. Bis zum 31. Oktober konnte man die AR 11324 noch beobachten, zwischenzeitlich verlor sie aber wesentliche Teile ihre Penumbren und so war sie schon nach wenigen Tagen auf die Stufe D zurück gefallen. Aber für Nachschub war gesorgt: Die AR 11330 tauchte am 23. Als D-Gruppe am Ostrand auf, entpuppte sich aber schon einen Tag später als E-Gruppe, steig dann zur F auf (das sah nur die Kanzelhöhe so) und behielt diese Klasse bis Anfang November bei. Auffällig an dieser Gruppe war die enorme Ausdehnung der Penumbra im voranschreitenden Teil, die ich unter Zuhilfenahme einer Sofibrille locker mit bloßem Auge sehen konnte. In der obigen Aufzählung unerwähnt blieben die vielen kleinen Gruppen, die vorwiegend auf der derzeit dominanteren Nordhalbkugel der Sonne zu sehen waren.

Dass die Sonnenaktivität im Oktober deutlich angestiegen ist, bemerkte man nicht nur im Weißlicht, sondern vor allem anderen im Hα. Die Zahl der Flareereignissen hat dabei ebenso zugenommen wie die der Protuberanzen und Filamente, deren dynamisches Wirken sich sehr gut in einem Personal Solar Telescope (PST) verfolgen lassen. Gleich am 1. gab es um 9:59 UT in der AR 11305 einen M1/1n-Flare, der mit einem erdgerichteten CME verbunden war. Aus der AR 11302 war um 9:17 UT ein M1-Flare aufgestiegen, der aufgrund einer Lage aber das Erdmagnetfeld hätte treffen können. Die beiden Aktiven Regionen 11302 und 11305 blieben in der ersten Dekade des Oktobers ein Quell der Freude für den Hα-Beobachter. Sie produzierten sehr viele Flares, wie den M3/1n am 2. um 0:50 UT (11305), den C7/2 Röntgenflare am 3. um 0:30 UT (11302) und den c7/Sf am 4., 9:23 UT (11302). Die AR 11303 steuerte am 5. einen C9/Sf-Flare bei. Vom 7. bis zum 19. verzeichnete man entweder gar keine, oder nur kleinere Ausbrüche, die maximal bis zur Klasse c reichten. Am 20. um 3:19 UT erzeugte die AR 11318 dicht am Westrand einen M1.1-Flare. Die AR 11319 hingegen schaffte am 21. um 13:00 UT einen M1. Aus der AR 11314 stieg einen Tag später um 11:10 UT ein dicker M1-Flare samt CME auf, der in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober, dem einzigen Abend, als es über Hamburg bewölkt war, Polarlichter auslöste. Trotz der zentralen Position gleich mehrerer größerer Aktivitätsgebiete, die AR 11330 stand gerade richtig, um erdwärts gerichtete CMEs auszuschütten, tat sich leider relativ wenig. Bis zum Monatsende verzeichnete man lediglich eine leicht erhöhte Anzahl an c-class-flares, ein großer koronaler Massenauswurf, deren Teilchen- und Plasmawolken auch noch genau in Richtung Erde in Bewegung gesetzt wurden, waren nicht darunter.

Samstag, 8. Oktober 2011

Die Sonne im September 2011

(Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)


Neun Fleckengruppen, davon sieben auf der Nordhalbkugel und nur zwei im Süden, das war es, was den Beobachter am 1. September erwartete. Dabei wurde aber von keiner Gruppe die Waldmeierklasse D überschritten, obwohl man zumindest bei einer den Eindruck gewinnen konnte, dass sie der Klasse E angehörte, was aber eher ihrer Länge als ihrer Struktur zu verdanken war. Übereinstimmend stufte aber weder die Kanzelhöhe noch die NOAA diese Gruppe als E ein. Deutlicher wurde die Entwicklung der AR 11280 am 2. und dann am 3. Daneben entwickelte sich aber die AR 11282 binnen weniger Tage ebenfalls zur Klasse E und wurde zur dominanten Spezies von Gruppen auf der Sonne. 

Die weiteren Gruppen verharrten demgegenüber im Stadium niedriger Waldmeierklassen oder lösten sich auf. Doch schon bald hatte auch diese AR ihren Zenit überschritten und bildete sich von Tag zu Tag weiter zurück. Waren noch am 9. nur noch drei Gruppen zu finden, stieg deren Zahl bis zum 16. auf 12 an. Keine davon höher als die Klasse D und fast alle auf der Nordhalbkugel, die damit endgültig in dieser Phase des Zyklus zur aktivsten Hemisphäre wurde. Das aber ist nicht ungewöhnlich, dass in der Anfangsphase eines neuen Zyklus, der immerhin auch schon fast drei Jahre alt ist, eine Halbkugel gegenüber der anderen herausragt. Schon wenige Tage nach der Monatsmitte nahm die Zahl der Fleckengruppen wieder ab, verharrte noch ein wenig auf hohem Niveau, ging dann aber schon etwas sprunghaft auf sechs und weniger zurück. Bemerkenswert in diese, Zeitabschnitt waren die Aktiven Regionen 11295 und 11301, die sich beide ab dem 22. zur Klasse E hochstuften, sodass man je eine große Gruppe nahe des West- und nahe des Ostrandes beobachten konnte. 

Am 23. erschien die AR 11302 am Ostrand, nun waren es schon drei E-Gruppen. Die AR 11295 verschwand alsbald durch wegrotieren und die Regionen 11301 und 11302 wurden am 25. der Klasse F zugerechnet. Insbesondere die AR 11302 nahm gigantische Ausmaße an und war schon bald auch problemlos bei Sonnenauf- oder –untergang oder mit einem Sonnenfilter auch mit bloßem Auge zu sehen. Im gleichen Maße wie die Längsausdehnung der AR 11302 und die Zahl der in ihr beheimateten Einzelflecken zunahm, entwickelte sich die AR 11301 zurückund wurde schon am 27. nicht mehr der Klasse E zugeteilt. So endete das Quartal mit einem Blick auf die große F-Gruppe und einer Vielzahl weiterer, kleinerer Aktivitätsgebiete.

Relativ lau begann er, der September im H-Alpha, denn auch in den ersten Tagen des Monats kamen die in einzelnen Aktiven Regionen zu beobachtenden Flares nicht über die Klasse c hinaus. Dies änderte sich erst am 5., als die AR 11286 um 4:28 UT am Westrand stehend, einen M1-Flare erzeugte. Am Folgetag gab es um 1:50 UT in der AR 11283 einen M5/1b-Flare, der mit einem erdwärts gerichteten koronalen Massenauswurf gekoppelt war, dessen Teilchen immerhin mit 450 km/s auf das Erdmagnetfeld zuflogen. Die Teilchen riefen einen leichten Impakt am 9. hervor und das Wetter an meinem Urlaubsort Bansin auf der Ostseeinsel Usedom spielte sogar mit. Dennoch konnte ich kein Polarlicht sehen und auch andere Beobachter, die aber größtenteils unter Wolken standen, meldeten auch keine Sichtung. So wurde es nichts mit einem Mega-Polarlicht im Urlaub. 

Eine Analyse der Daten ergab später, dass die Teilchen das irdische Magnetfeld nicht voll getroffen, sondern nur gestreift hatte und wieder mal kein Polarlicht bei uns zu sehen war. Am 6. stieg dann noch spät abends, ebenfalls aus der AR 11283, um  22:22 UT ein X2/2b mit einem weiteren CME auf, der in Richtung Erde strebte, aber hier wieder kein Polarlicht hervorrief. Auch in den kommenden Tagen war die AR 11283 immer wieder ein Ort erhöhter H-Akpa-Aktivität. Am 7. Um 22:38 UT produzierte sie einen X1/3b samt CME, am 8. um 15:46 UT einen M6/1n ohne CME, am 9. um 6:11 UT einen M2/1n mit – nun nicht mehr erdwärts ausgereichteten CME und einen M1/1f-Flare um 12:49 UT. Im Gegensatz zur Aktivität im Weißlicht beruhigte sich die Lage im H-Alpha-Bereich zusehends, erst am  21. wurde um 12:23 UT in der AR 11301 wieder ein größerer Ausbruch verzeichnet, ein M1-Flare. Überdies gab es im Nordosten gleich drei CMEs, die allesamt nicht erdwärts ausgerichtet waren. Einen Tag später stieg dann um 11:01 UT aus der AR 11302 ein X1/2n-Flare auf, dem um 13:30 UT ein kräftiger CME folgte, dessen Teilchengeschwindigkeit 1392 km/s betrug. Wiederum einen Tag später, also am 24.9., produzierte die gleiche Region eine X1/2b-Flare um 9:40 UT und einen M7 um 13:20 UT, der mit einem lang anhaltenden CME verknüpft war. Und auch aus der AR 11295 stieg ein M3-Flare auf, um 17:25 UT. Entscheidend war aber der Ausbruch mit dem koronalen Massenauswurf, dem kurze Zeit später noch ein weiterer folgte. Die Teilchengeschwindigkeit lag zwischen 1900 und 2600 km/s. Am 24.9. um 11:50 UTC traf die Wolke aus Elektronen und Protonen beim Erdmagnetfeld und erzeugte Polarlichter, die in der folgenden Nacht in weiten Teilen Deutschlands zu sehen waren. Nur leider nicht im Norden, wo in dieser Nacht ein kompaktes Wolkengebiet die Sicht verhinderte. Übrigens das einzige Mal während der spätseptemberlichen Schönwetterkatastrophe … 

Die AR 11302 war aber weiter aktiv. So produzierte sie am 24. um 19:36 UT einen weiteren M7/2n-Flare (der aber keine Auswirkungen mehr für das Erdmagnetfeld zeigte). Aus der AR 11303 stieg am 25. um 4:50 UT ein M7/2n-Flare auf. So ging es munter weiter. Die AR 11302 erzeugte mehrere Flares, so am 26. ein M2, einen M1/1n am 28. um 13:28 UT, die AR 11305 brachte es am 30. zu einem M1/1f-Flare. Alle anderen Aktivitätsgebiete hielten sich bescheiden zurück und gaben nur eine stattliche Reihe von c-class-flares zum Besten. Damit endete ein gerade auch im H-Alpha sehr wechselhaftes Quartal.

Die Sonne im August 2001

(Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)

Die großen, über die Nordhalbkugel der Sonne wandernden, Fleckengruppen waren in den Anfangstagen des Augusts weiterhin zu verfolgen. Die AR 11261 galt ab 2. August als F-Gruppe, was sie wohl in erster Linie ihrer Komplexität denn ihrer heliographischen Ausdehnung zu verdanken hatte. An einigen Tagen konnte ich diese Gruppe dann auch unter Zuhilfenahme eines Sonnenfilters, mit bloßem Auge beobachten. Wieder mal gingen hier die Einteilung zwischen der österreichischen Kanzelhöhe und der NOAA weit auseinander. Wobei dieses Mal aber die NOAA der Gewinner war, denn die Kanzelhöhe stufte beispielsweise einer der Gruppen als C ein, obwohl die von ihrer Größe her eigentlich mindestens eine E-Gruppe war. Aber hinsichtlich der sonstigen, kleineren Fleckengruppen, die in diesen Tagen ebenfalls über die Nordhalbkugel der Sonne liefen, war man sich einig. Ab dem 5. sah die NOAA dann aber eine Rückentwicklung der Gruppen, die so nicht zu beobachten war. Die AR 11260 wurde zur C, die AR 11261 zur D-Gruppe, was aber nicht der Wirklichkeit entsprach. Dafür wurde die AR 11263, die man bereits im Vormonat erstmalig beobachten konnte, zur E hochgestuft, was auch nur schwer nachvollziehbar war. Am 7. war dann die AR 11260, am 9. die AR 11261 um den Sonnenrand rotiert. Ab 11. sank dann die Aktivität deutlich ab, als nur noch drei kleine Gruppen mühsam gefunden wurden, die die Klasse D aber nicht überschritten. Die Aktivität ging dabei soweit zurück, dass wir am 14. erstmals seit ein paar Monaten wieder einen fleckenfreien Tag hatten. Mit der AR 11271 kam das Leben wieder zurück auf die Sonnenoberfläche. Dieses Aktivitätsgebiet entpuppte sich, als sie vollständig um den Ostrand herumrotiert war, als E-Gruppe. In ihrer Nähe standen die Regionen 11272 und 11273, eine B- und eine C-Gruppe. Dabei gewann due AR 12271 zunehmend an Größe und Komplexität, was sich vor allem in den immer mehr ausufernden Penumbrastrukturen bemerkbar machte. Von Tag zu Tag, ja sogar von Stunde zu Stunde, konnten hier Veränderungen registriert werden. Veränderungen, die sich wiederum hauptsächlich in den Formen der Hofgebiete ausdrückten. Am 22. erreichte sie mit 50 Einzelflecken (Kanzelhöhe) ihre größte Ausdehnung, überschritt dabei aber die Klasse F nicht, sondern fiel in den folgenden Tagen sukzessive in sich zusammen. Ab 25. war sie nur noch eine D-Gruppe und je mehr sie sich dem Westrand näherte, desto weiter entwickelte sie sich zurück. Gleichzeitig erschienen am Ostrand aber mehrere kleinere Fleckengruppen der unteren Waldmeierklassen, so dass die Höhe der Sonnenfleckenrelativzahl am Ende des Monats durch eine erhöhte Gruppenzahl, weniger aber durch höhere Entwicklungsstufen zustande kam.

Die Aktivität in der Wasserstofflinie H-Alpha verlief prinzipiell parallel zur Entwicklung im Weißlicht. Das erste nennenswerte Ereignis trat am 3. um 13:48 UT ein, als ein M6/2B flare in der AR 11261 auftrat, der mit einem Typ II-Radiosturm sowie einem CME assoziiert war. Schon Stunden zuvor, um 4:32 UT war aus der AR 11263 ein M1/1-Flare ohne CME aufgestiegen. Die AR 11261 sollte im H-Alpha auch in den Folgetagen aktiv bleiben. Am 4. produzierte sie um 3:57 UT einen M9/2b-Flare, dann aber nur noch solche der Klasse c. Aus der AR 11263 stieg dann am 8. Um 18:10 UT ein M3/1b-Flare auf, der um 18:24 von einem kräftigen CME verfolgt wurde. Mit bis zu 2010 km/s wurden die Teilchen ins All erdwärts geschleudert. In der Nacht vom 5. Auf den 6. August gab es dann gleich mehrere Polarlichtsichtungen. Am 9. folgte dann der bislang größte Flare im laufenden Zyklus, ein X6/2b um 8:05 UT. Richtig positioniert hoffte ich, auf ein Polarlicht, das man auch in unseren Breiten sehen konnte. Doch dieses blieb aus, weil es zwar einen heftigen Flare, aber keinen damit direkt verbundenen CME gab. Einen solchen Massenauswurf beobachtete der Sonnensatellit SOHO ein paar Stunden früher um 4:06 UT, der einem M2/1b-Flare aus der gleichen Region gefolgt war. Dieser koronale Massenauswurf erzeugte dann aber auch nur einen eher mäßigen Impakt im Erdmagnetfeld. Der Rückgang der Sonnenaktivität im August führte auch zu einem Abflauen der H-Alpha-Tätigkeit der Sonne und bis zum Monatsende konnten keine größeren Ausbrüche mehr beobachtet werden, wohl aber einige b- und c-class-Flares.

Donnerstag, 29. September 2011

Wissen ist Macht ... nichts Wissen macht auch nichts

Manchmal kann man ob der Vorstellungen, die manche Leute über das Universum oder die Astronomie haben, nur den Kopf schütteln. Bei öffentlichen Führungen begegnet man des Öfteren wirklich skurrilen Ideen. Da hatte ich mal Gothicmädels, die, eigenartig geschminkt mit Totenflecken im Gesicht als Tattoos, schwarzen Haaren, schwarzen Fingenägeln etc., gerne den Stern des Todes sehen wollten. Oder die Durchgeistigten, die meinen, direkt mit dem Universum verbunden zu sein, und die behaupteten, die Einschläge des Kometen Shoemaker-Levy 9 auf den Jupiter körperlich zu spüren, weil man ein Jupitermensch sei. Oder die, die sich nicht davon abbringen lassen, dass am 21.12.2012 die Welt untergehen wird, oder die, die fragen, wieweit wir von der Milchstraße entfernt sind und ob man diese denn auch durch ein Fernrohr sehen könne.


Heute, an meinem vorletzten Urlaubstag, habe ich wieder meinen Eismann aufgesucht. Während ich einen leckeren Kirschbecher samt einer großen Tasse Kaffee zu mir nahm, sprach mich ein älterer Herr an, der am Nebentisch saß und der wohl zufällig meine Astronomie.de-Mütze auf dem Stuhl hat liegen gesehen. Erst fragte er mich, ob ich Astronom sei. Dann wollte er wissen, wie ich denn überhaupt mit den gewaltigen Entfernungen im All zurecht käme. Das könne ein Mensch allein ja nicht erfassen. Womit er sicher irgendwie recht hat, denn welcher Geist will schon das Universum als Ganzes überblicken können. Soweit so gut. Der Herr steigerte sich dann noch, indem er behauptete, wir könnten die Sterne nicht wirklich real sehen, weil ihr Licht mit zunehmender Entfernung abnimmt und am Ende zu Staub zerfällt.

Dass wir dennoch Sterne sehen können, überging er. Als Beweis führte er die Sternschnuppen an, sie seien zu Staub gewordenes Sternenlicht, das von der Erde empfangen wird. Irgendwann ignorierte ich ihn, weil er Einwänden gegenüber irgendwie eine ablehnende Haltung hatte. Außerdem sollte ich ihm doch bestätigen, dass die Schwarzen Löcher Stellen im All seien, in denen das Universum durchbohrt wird. Und schlimmer noch, durch diese Löcher würde das Leben entweichen, weswegen wir auch kein außerirdisches Leben finden können, da dieses ja längst durch die Löcher entwichen sei. Frage: Was machen wir dann noch hier? Ach ja, am 21.12.2012 ...


Der von mir sehr geschätzte Bloggerkollege Florian Freistetter brachte es neulich mal auf den Punkt, indem er richtigerweise anmerkte, dass all jene, die kein Wissen haben, eben glauben müssen.


Wie aber manches verquere Weltbild zustande kommt, das sich einige Leute unter der Schädeldecke zusammenreimen, ist mir, ehrlich gesagt, ein ständig größer werdendes Rätsel. Vielleicht setzt sich das wirklich nur aus nicht mal gediegenem Viertelwissen zusammen, angereichert mit Vermutungen aller Art, ich weiß es nicht. Erstaunlich ist aber die umso höhere Beratungsresistenz dieser Leute, je mehr sie von ihrer Weltsicht überzeugt sind.


Als der Gast dann später gegangen war, hörte ich von anderen, dass der Typ ständig irgendwelche Leute zutextet, keiner ihn hören will und er sich selbst als Hartz IV-Philosoph bezeichnet, der jegliche Form von Arbeit für den menschlichen Geist für abträglich hält. Na, wenn das so ist ...

Aus dem Urlaub zurück

Ganz soweit ist es ja noch nicht, dass ich wieder zur Arbeit muss, aber dennoch sind die Tage nach meiner Rückkehr aus Bansin an der vorpommerschen Ostseeküste nicht ereignislos gewesen.

Da wäre zum einen mein erster Besuch der GvA-Außensternwarte in Handeloh. Da fahre ich zwar 1 Stunde hin und auch wieder zurück, aber im Urlaub kann man es ja mal machen. Gesagt getan, Kumpel eingesackt und losgefahren.

Der erste Abend vor fast einer Woche – wir waren insgesamt vier Personen vor Ort – war sehr interessant, ich konnte mit NGC 7331 und M 33 meine ersten „echten“ Astrofotos an der dortigen Astrokamera machen. Mein kleines Netbook hatte ich mit meiner Canon 1000Da verbunden, gesteuert wurde das Ganze über das geniale Programm Astrojans Tools, die Stromversorgung erfolgte nicht über den kameraseitigen Akku, sondern über eine Kabelverbindung zum Strominterface. Nach dem nicht trivialen Scharfstellen mit einer Bahtinovmaske konnte ich belichten, zwar nicht bis der Arzt kommt, aber immerhin, bis die Wolken kamen.

Am nächsten Abend war der ASW-Workshop angesetzt, da konnte ich verständlicherweise keine Aufnahmen machen, außer einigen Stimmungsfotos und kurz belichteten Aufnahmen vom Sternenhimmel mit Wolkenschleier.

Überdies ergab sich die Möglichkeit, dass ich morgens kurz nach dem Aufstehen die Sonne beobachten und meine tägliche Sonnenfleckenrelativzahl bestimmen konnte. Und gestern war ich beim Astro-Shop in der Eiffestraße und habe mir da ein Personal Solar Telescope (PST) für die H-Alpha-Beobachtung der Sonne geholt und dann auch die Vorstandssitzung der GvA mitgemacht.

Nun warte ich gespannt auf den Nachmittag, wenn die Sonne soweit hinter meinem Haus rum ist, dass ich das PST erstmals einsetzen kann. Und dann wäre noch der Eismann am Nachmittag, die Arbeit m neuen Sternkieker und und und …

Samstag, 17. September 2011

Bloggen aus dem Urlaub (3)

Vermutlich zum letzten Mal in diesem Urlaub blogge ich vom "Haus des Gastes" in Bansin in die weite Welt. Zwei Wochen Reise an die Ostsee gehen damit am Montag zu Ende. Das Wetter in den letzten beiden Wochen war weitaus besser, als im Rest des Landes, typisch halt für eine Ostseeregion mit häufig wechselnden Wettersituationen. Heute morgen wachte ich auf und der Himmel war teilweise bedeckt. Ich schaffte noch eine Sonnenbeobachtung bei allerdings sehr schlechten Seeingbedingungen. Kurz danach zog der Himmel endgültig zu. Als ich in meinem Hotel Bergmühle im Bansiner Ortsteil Sellenthin das Frühstück zu mir nahm, regnete es leicht. Jetzt klart es wieder auf.


Die See ist heute ruhiger als noch vor ein paar Tagen, also werde ich heute noch eine Minikreuzrfahrt nach Misdroy in Polen unternehmen. Wegen schweren Seegangs - der aber kaum mit dem auf der Elbe bei Sturm vergleichbar ist - wurden die Fährverbindungen teilweise ausgesetzt. Aber heute nun geht es zum zweiten Mal in diesem Urlaub in polnische Hoheitsgewässer, zu mehr reicht heute leider die Zeit nicht.


Zeit hatte ich gestern Abend genug, um nicht nur die Dämmerungsphänomene nach Sonnenuntergang zu fotografieren, sondern auch ein paar Aufnahmen der Milchstraßengegend im Schwan vom Fotostativ aus zu machen. Die Bilder müssen allerdings noch bearbeitet werden. Nebenbei vielen dann aich noch ein paar Bilder vom Hotel bei Nacht ab. So direkt am Haus ist die Lichtverschmutzung schon ganz enorm. Dafür hat man hier einen leicht erhöhten Standpunkt mit interessanten Vordergrundmotiven. Dabei konnte ich evtl. auch einige Dämmerungsstrahlen aufnehmen, bin mir da aber nicht ganz sicher. Sicher war vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit, wodurch das Kamerobjektiv sehr schnell beschlug.


Irgendwann gab ich es denn auf, weil die Transparenz des Himmels dann nur noch im Zenit gut war und alle Fahrzeuge auf dem pakrplatz deutliche Spuren der hohen Luftfeuchtigkeit zeigten, indem sie kräftig beschlugen. Mit beschlagenem Objektiv lassen sich aber auch ganz witzige Aufnahmen machen ...


Während ich tagsüber bislang nur an einem Tag nicht die Sonne beobachten konnte, war die nächtliche Ausbeute dann doch deutlich schlechter und so zog och es dann doch lieber vor, an die Hausbar zu gehen und das eine oder andere Alsterwasser beim Fußballgucken zu genießen.


Insgesamt empfand ich die Zeit hier als sehr erholsam und bedaure schon jetzt die in Hamburg wesentlich schlechteren Bedindungen für meine Sonnenbeobachtungen. Bäume und Häuser in meiner Gegend schränken mich doch sehr ein. Brauche ich hier nur ein paar Minuten zu laufen, um an einen Standort zu gelangen, von dem aus ich auch bei nun rasch niedriger werdendem Sonnenstand noch gut beobachten kann, muss ich in Hamburg warten, bis die Sonne im Tageslauf irgendwann mal hoch genug am Himmel steht. Und das heißt dann wieder, sehr viel Verzicht üben, wenn man die Sonne vom blauen Himmel herabscheinen sieht, aber erst ab dem frühen Nachmittag für eine knappe halbe Stunde frei von Bäumen und Häusern beobachten kann. Hamburg ist eben eine astrofeindliche Stadt, nicht nur wegen der ständig zunehmenden Lichtverschmutzung, die aber in der Umwelthauptstadt 2011 kein Thema ist.


Aber auch hier auf Usedom ist Lichtverschmutzung eine sich ständig weiter verbreitende Plage, aber ein wenig abseits der Küste, Richtung Anklam, Neubrandenburg und weiter südlich sollte es noch den einen oder anderen wirklich dunklen Platz geben, bis irgendwann Berlins Lichter stören. Richtung Westen machen sich hier übrigens noch die Lichtquellen von Stralsund und Wolgast, Richtung Osten von Swinemünde und Mistroy bemerkbar.


Dafür werde ich aller Voraussicht nach am 24.9.2011 mal zur GvA-Außensternwarte zum Workshop fahren und vorher noch einen Termin auf def Bergdorfer Sternwarte wahrnehmen. Und bis zum NAFT oder der BoHeTa ist es dann ja auch nicht mehr so lange hin. Dazwischen liegen noch jede Menge GvA-Veranstaltungen und die eine oder andere Führung über die Bergedorfer Sternwarte. Astronomie, ganz gleich in welcher Form, wird nie langweilig.

Dienstag, 13. September 2011

Buchbesprechung: Peter Faber: Hitlers V2 - Rakete

Hier auf der Insel Usedom bekommt man im normalen Buchhandel so manches Druckwerk, wofür man in anderen Teilen Deutschlands zumindest schief angesehen wird. Als ich dieses Buch von Peter Faber aus dem Jahr 2009 zusammen mit einer Biografie von Loriot im Strandbuchladen in Bansin erwarb, der respektabel gut sortiert ist, schaute mich die junge Verkäuferin ob der Kombination schon etwas merkwürdig an. Kein Wunder nach den letzten Wahlergebnissen in Mecklenburg-Vorpommern.


Das Buch war vom Klappentext her eigenlich ganz interessant, aber leider hielt es nicht das, was der Text auf der Umschlagrückseite versprach. Dieses Buch ist keineswegs die erste schriftliche Dokumentation seiner Art, noch ist sie die erste mit einem Umfang, wie es die Werbung einem weiß machen will. Schon vor vielen Jahren gab es die wirklich tiefgehenden Bücher etwa von Michael J. Neufeld über die "Rakete und das Reich" oder die "Raketenspuren" von Bode und Kaiser.


Erzählt wird dann auch nicht wirklich was Neues, eben die bekannte Geschichte der Raketen- und Flugzeugentwicklung in Peenemünde-Ost und Peenemünde-West. Ein paar Details sind vielleicht neu, mehr aber auch nicht. Auch werden seltsamerweise gewisse Fakten außen vor gelassen, wie die Tatsache der freiwilligen Mitgliedschaft Wernher von Brauns in der SS, lange bevor diese sich überhaupt für das Gelände am Peenemünder Haken zu interessieren begann. Und auch, dass es Arthur Rudolph war, der als ehemaliges SA-Mitglied den Kontakt zur SS herstellte und er gerade auch deswegen in späteren Jahren in den USA angefeindet wurde, was man alles in Neufelds Buch nachlesen kann, wird unkorrekt dargestellt. Eben darum wurden die Vorwürfe gegen Rudolph nicht entkräftet, wie hier behauptet. Der Autor folgt eher der Linie Marsha Freemans, die behauptet, die Verwicklung der Peenemünder Wissenschaftler und Techniker sei eine reine Erfindung des ostdeutschen Geheimdienstes Stasi gewesen.


Nach der Wiedervereinigung 1990 und der damit verbundenen Zugänglichkeit zu Archiven im Osten wurde die Verstrickung der Peenemünder in das NS-Regime immer deutlicher. Auch die inzwischen zweifelfrei belegte Existenz von Konzentrationslagern in Peenemünde, eines in Trassenheide, das andere im Bereich der Luftwaffenerprobungsstelle Peenemünde-West nahe des Peenemünder Flughafens, wird nur kurz am Rande erwähnt und zwar beinahe verniedlichend als Barackenlager für Kriegsgefangene.


Schließlich und endlich wird die unmenschliche Situation der Häftlinge im KZ Dora beim Mittelwerk auch eher verharmlosend als Arbeitslager mit eigener, humaner Infrastruktur geschildert, um den Arbeitskräften Unterkünfte und Verpflegung zu bieten. Dass sich den Amerikanern bei der Befreiung des KZs freilich ein ganz anderes Bild bot, wird ebenso verschwiegen, wie die nach Neufeld mehrfach dokumentierte Anwesenheit Wernher von Brauns im KZ Buchenwald, um dort KZ-Insassen für die Mitarbeit im Mittelwerk auszusuchen, wobei seine SS-Mitgliedschaft äußerst hilfreich war. Auch, dass von Braun öfter in den unterirdischen Stollen war, in denen die KZ-Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen die V2 und anderes Kriegsgerät zusammenbauen mussten, lässt der Autor unter den Tisch fallen. Überhaupt wirken seine Bezüge zu den Menschen, die leiden mussten, um die Raketen für die Peenemünder, die Wehrmacht und die SS zu bauen, irgendwie notgedrungen, so als wären die vielen Toten nur unangenehme Begleiterscheinungen auf dem Weg zum Mond.


Auch unterliegt der Autor einer Fehleinschätzung, wenn er schreibt, dass ein früherer Fronteinsatz der V2 viel Gutes bewirkt und noch mehr Todesopfer vermieden hätte. Das Gegenteil ist der Fall, denn die heutigen Historiker sind sich darüber einig, dass, wäre der Krieg nicht am 8. Mai 1945 in Europa beendet worden, die ersten Atombomben auf deutsche Städte abgeworfen worden wären. Die hießen dann nicht Hiroshima und Nagasaki, sondern womöglich Hamburg, Berlin, Köln oder München als "Hauptstadt der Bewegung", wie man die bayerische Metropole damals nannte.


So fragt man sich, ob sich ein Kauf diese Buches lohnt. Ehrlich, ich weiß keine rechte Antwort darauf, aber hätte ich mehr über den Inhalt gewusst, hätte ich es wohl nicht gekauft.

Montag, 12. September 2011

Bloggen aus dem Urlaub (2)

Für den heutigen Tag waren die Wetteraussichten nicht mal annähernd so gut, wie am gestrigen. Statt eines Tages am Strand entschloss ich mich daher, nach Anklam zu fahren. Auf den ersten Blick kein guter Entschluss, denn diese Stadt offenbart die Probleme vieler Städte und Gemeinden entlang der deutsch-polnischen Grenze. Mittlerweile ist nicht nur das Einkaufen in den grenznahen polnischen Regionen günstiger, auch finden dort oft mehr Menschen eine Arbeit als in Deutschland. Und Anklam gehört leider zu den Städten, wo die Bevölkerung immer mehr abwandert, entweder nach Polen oder in andere Bundesländer weiter westlich.


Dabei hat Anklam durchaus einiges zu bieten, zumindest für Touris, z.B. das Museum in Steintor. Dem gegenüber liegt übrigens der Pulverturm mit einer auch astronomisch interessanten Geschichte, denn hier hatte einst Gustav Spörer (1822-1895) in den Jahren von 1860 bis 1874 eine Sternwarte nur für die Sonnenforschung betrieben. Seit 1855 war er Oberlehrer in Anklam und zu seinen Schülern gehörte auch Otto von Lilienthal, der Segelflugpionier.


In Anerkennung für seine Verdienste bekam Spörer 1868 vom Kronprinzen Friedrich Wilhelm ein Fernrohr geschenkt. Heute verbindet man mit Spörers Namen Untersuchungen zum Sonnenfleckenzyklus, er untersuchte wie Edward Maunder das Fleckenminimum in den Jahren zwischen 1645 und 1715. Die späteren Ehren wurden aber Maunder zugesprochen. Dafür entdeckte er die Breitenwanderung der Sonnenflecken im Laufe eines Fleckenzyklus (Stichwort Schmetterlingsdiagramm), heute bekannt als das Spörersche Breitenwanderungsgesetz. Nach 1879 ging Spörer an die Berliner Sternwarte. Allein über seine vielfältigen Arbeiten zur Sonnenphysik, wobei er auch die 1860 aufgekommene Spektralanalyse intensiv einsetzte, sollen 50 verschiedene Schriften entstanden sein. Heute weits auf Spörer nurmehr eine Plakette am Pulverturm hin. Überreste seiner ehemaligen Sternwarte, die damals als Rundbau auf den Turm aufgesetzt wurde, sind heute nicht mehr vorhanden und wurden auch bei der Rekonstruktion 1998 nicht berücksichtigt.


Die Geschichte des Spörerschen Beobachtungsturms ist auch sehr interessant. Um 1450 fertiggestellt und erst 1463 erstmals urkundlich erwähnt, war er Teil der Stadtmauer, hatte früher eine andere Spitze und erlangte besonders im Dreissigjährigen Krieg besondere Bedeutung. Zuvor war er ein Wehrturm in der konfliktreichen Epoche des Adelsgeschlechts derer von und zu Schwerin, das seinerzeit unweit von Anklam im Schloß Stolpe residierte.


Noch später war hier das Stadtgefängnis, danach das Pulvermagazon der Stadt Anklam untergebracht. Die letzte besondere Nutzung des Turms war, als Spörer dort seine Sternwarte eingerichtet hatte.


Über die Jahre hinweg verfiel das Bauwerk zusehends und ist seit Ende des letzten Jahtausends in einem wieder hergestellten, ansehnlichen Zustand. Ob man ihn besichtigen kann, darüber gab die Hinweistafel keine Informationen.


So bewahrheitete sich am heutigen Tag mal wieder, dass man nur die Augen offen halten muss, um an vielen Orten, wo man gar nicht damit rechnet, auf Spuren von Astronomen oder vergessenen Sternwarten stoßen kann.

Sonntag, 11. September 2011

Besuch in Peenemünde (4)

Wieder im "Haus des Gastes" im beschaulichen Bansin: Den gestrigen Tag habe ich wieder mal in Peenemünde verbracht, dieses Mal aber nicht auf dem Museumsgelände. Um 13 Uhr wollte ich an einer Historischen Rundfahrt teilnehmen, die vom Flugplatz Peenemünde aus startet.


Zuvor suchte ich aber erst mal wieder den berühmten Parkplatz gegenüber den Resten der alten Hauptwache auf. Entlang des freigegebenen Wanderweges in Richtung Karlshagen wollte ich zwei der Punkte aus dem Museumsplan aufsuchen. Wegen der diversen Mückenstiche, die ich mir bei meiner letzten Wanderung zugezogen hatte, trug ich dieses Mal eine armlange Jacke und einen breitkrempigen Hut. Vorweg genommen: auch das half mir nicht und am Ende hatte ich einen richtig dicken Hals.


Das hielt mich aber dennoch nicht davon ab, das Gelände zu erkunden, wobei ich mich zunächst an die Weisung hielt, die vorbezeichneten Wege nicht zu verlassen. Die zahlreichen, aus Bombentrichter entstandenen Tümpel sind ein Segen für die einzigartige Naturlandschaft am Peenemünder Haken. Vor allem für die Steckmücken ...


Die erste Station waren die Überreste des ehemaligen Fernheizungssystems, damals das modenste im ganzen Deutschen Reich. Heute sieht man davon nur ein Paar Trümmerstücke und, im Unterholz verborgen, hier und da mal ein kurzes Stück Leitung, das damals nicht von den Russen demontiert worden ist. Weiter ging es in Richtung Karlshagen, so sich linker Hand diverse kleine Wege abzeichneten, die natürlich mit dem obligatorischen Hinweisschild, aber nicht mit einem Zaun gesperrt waren. Schließlich sah ich eine kleine Rampe, die auf eine betonierte Fläche führte. Es war die Verladestation, die ich vor ein paar Tagen doch nicht erreicht, sondern mit etwas anderem verwechelt habe. Das Teil war schnell erkundet und da ich auf den verbotenen Wegen ein paar Fahrräder stehen sah, gsing ich davon aus, dass man da gefahrlos herumlaufen konnte. So gelangte ich zu den Überresten der Fertigungshalle F1, ebenfalls eines def mordensten Hallen ihrer Art, die durch eine spezielle Dachkonstuktion dafür sorgte, dass man das Tageslicht optimal nutzen konnte, um damit Energie für die Beleuchtung zu sparen ...


Wenn ich mich da nicht allzusehr verirrt habe, besteht die Halle nur noch aus einem aufgeschütteten Trümmerberg. Von der einstmals futuristischen Konstruktion ist heute nichts mehr erhalten. Andere Gebäudereste sollen noch im Wald stecken, aber da hatte ich mich nun doch nicht mehr hingetraut.


Das jedenfalls glaubte ich, bis ich nach aktuellen Bildern der Fertigungshalle, bzw. deren zum Teil sehr umfangreichen und massiven Betontrümmer gegoogelt hatte. In den Waldstücken befindet sich noch viel mehr, das der eigenen Erkundung harrt.


Wenn man mutig wäre, müsste man von den Wegen, die durch den Wald in Richtung Peeneufer abgehen, direkt zu den dort liegenden ehemaligen Prüfständen, bzw. deren heute noch (zum Teil) vorhandenen Ringwällen kommen.


Irgendwann machte ich mich auf den Rückweg zum Auto, fuhr kurz zum Museum, verschlang ein Eis und fuhr dann weiter zum Flugplatz.


Die Rundfahrt begann pünktlich und brachte uns Fahrgäste, nachdem wir im Wald in einen Bus umsteigen mussten, zu den Überresten der alten Schussversuchsanlagen für den alten Kirschkern, der Tarnbezeichnung fur die spätere V1. Hier wurden mehrere Typen von Rampen getestet und deren Flugbahnen von der Messstation auf der nahe gelegenen Insel Ruden, die künftig auch zur Museumslandschaft gehören wird, vermessen wurden.


Wir erfuhren viel auch über die Geschichte von Peenemünde-West, der Erprobungsstelle der Luftwaffe, die später von einer Jagdfliegerstaffel der Roten Armee und noch später vom Jagdgeschwader 9 der NVA genutzt wurde. Das Werk Ost, die ehemalige Heeresversuchstelle Peenemünde, wurde nicht wieder aufgebaut, nachdem man alle Anlagen demoniert oder gesprengt, aus dem Boden gerissen oder, durch Luftangriffe zerstört, einfach sich selbst überlassen hat. Heute verstehen vor allem alliierte Besuchergruppen aus Russland, den USA und England nicht, wieso man das Gelände nicht offener und musealer gestaltet. Dabei zeigen die Engländer, die am meisten unter den V2-Raketen zu leiden hatten, noch am ehesten Verständnis dafür, dass man diese Stätte der NS-Waffenforschung lieber sich selbst überlässt. Außerdem stellen Teile davon ein einzigartiges Übungsgebiet fur die Bundeswehr dar, die einzelne Bereiche nicht anders nutzt, als damals die NVA. So sind manche Zerstörungen im Bereich der alten HVA auch neueren Datums.


Über die Jahre hinweg, als man die Landschaft sich selbst überließ, hat sich die Natur binnen wenige Jahrzehnte das zurückerobert, was ihr seit 1936 genommen worden ist. Dadurch ist ein einmaliges Biotop entstanden, das unter Naturschutz steht. Wenn man bedauert, dass man die ehemaligen Anlagen, von denen ohnehin nur Trümmer, tiefe Löcher im Boden, wassergefüllte Tümpel etc. vorhanden sind, nicht besichtigen kann, sollte man auch an den Erhalt der Natur denken, die für viele Tier- und Pflanzenarten zu einer neuen Heimat geworden ist. Problematisch aber ist die unkontrollierte Ansiedlung von Kormoranen, deren Kot zu einem Massensterben im Baumbestand führt.


In den kommenden Tagen werde ich wohl nochmal da hinfahren und an einer offiziellen Führung zum Prüfstand VII teilnehmen, sofern genügend Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen kommen und es auch vom Wetter her passt. Der Grundwasserspiegel liegt auf der Insel Usedom sehr niedrig, und ist durch den vielen Regen der letzten Zeit, soweit angestiegen, dass manche Zufahrtswege bis zu 2 bis 3 Metern tief überflutet sind und  von dem eingesetzten Bus dann leider auch nicht passiert werden können. Und irgendwo mitten im Wald mit dem Bus in einer mit Wasser gefüllten Vertiefung stecken zu bleiben, ist sicher auch kein Vergnügen.