Montag, 27. Dezember 2010

Lohnt es sich noch, Astrozeugs zu kaufen?

Es ist wie bei jedem aufwändigen Hobby: Wer gibt nicht gerne Geld aus, mitunter auch sehr viel Geld, für neue Astroteile, neue Teleskope, Montierungen, Kameras, Okulare, Bücher oder Astroreisen in ferne Gefilde. Doch, mal ernsthaft gefragt, lohnt sich das überhaupt?

Die Frage nach dem Sinn von Geldausgaben für ein Hobby ist müßig. Man macht es, weil man es will. Das ist ja auch legitim. Aber wie sieht das bei einem wetterabhängigen Hobby wie der Astronomie aus?

Meine letzten drei großen Anschaffungen waren vor ca. 3 Jahren ein 20cm-Dobson-Teleskop, letztes Jahr eine Canon 1000Da für die Astrofotografie und auf der letzten ATT ein, allerdings günstig erstandenes, Okular. Doch was habe ich davon seit dem Kauf wirklich benutzt?

Den Dobson habe ich bisher so ca. 4 bis 5x bei Beobachtungen genutzt und hatte ihn 2x mit zur Sternwarte Kirchheim genommen (und einmal da auch gar nicht benutzt). Die Kamera habe ich im Frühjahr in Kirchheim eingesetzt, seit dem nicht mehr und das Okular wurde bisher nur ausgepackt und zu den anderen gelegt.

Was also ist der Sinn dieser Anschaffungen? Klar, wenn man mal Zeit hat und man auch mal rausfahren kann (was bei der gegenwärtigen Witterung schon zu einem Abenteuer werden kann), hat man alles beisammen, um richtig loslegen zu können. Aber wann ist das der Fall?

Unter vielen Weihnachtsbäumen lag sicher auch das eine oder andere Teleskop. Dass manche damit gleich mal schlechte Erfahrungen machen, hat eher andere Gründe (Anfänger werden bei der GvA in Hamburg gut betreut; hier kann man bei Problemen Hilfe bekommen). Das liegt eher an der doch oft für einen Einsteiger zu komplexen Technik. Aber beim eben genannten verein kann man Hilfe bekommen.

Ich stelle mir eine ganz andere Frage: Lohnt es sich, vielleicht viele Hundert Euros auszugeben für etwas, was man vielleicht nur ein oder zweimal im Jahr wirklich benutzt?

Das Wetter in Norddeutschland ist in den vergangenen Jahren in den astronomisch so wichtigen Wintermonaten immer schlechter geworden. Der Schnee der letzten Wochen ist beredtes Beispiel dafür. Selbst wenn es superklar wäre und das Seeing optimal: Ohne eigene Sternwarte am Haus hätte man kaum eine Chance. Und da in Hamburg die Lichtverschmutzung immer mehr zunimmt (warum das hier für die Ökos kein Thema ist, bleibt rätselhaft), ist das keine wirkliche Alternative.

Ergo müsste man rausfahren, etwa zur Außensternwarte der GvA nach Handeloh. Aber wie da hinkommen, wenn man sich durch Schneeverwehungen durchkämpfen und man am nächsten Tag früh auf der Arbeit sein muss. Man steckt in einer Zwickmühle, die, zumindest bei mir, immer mehr dazu führt, dass ich nicht beobachte. Daher habe ich für mich beschlossen, erst mal keine neuen Astroteile mehr zu kaufen, die man dann als totes Kapital im Schrank oder Koffer liegen hat.

1 Kommentar:

  1. Sehr richtig!
    Das Problem gilt ja für jeden Astronomen, und besonders hier im Ruhrgebiet fragt man sich oft: Wozu hunderte Euros in hochwertige Ausrüstung investieren, die man nur selten nutzt? Für einen ausgedehnten Urlaub in Namibia reicht das Geld nicht, und um jeden Abend aufs Land zu fahren, fehlen oftmals Zeit und eigener Antrieb.
    Da fragt man sich nicht selten, ob es sich eigentlich noch lohnt, dieses Hobby zu betreiben. Doch eine Sache hält (wahrscheinlich nicht nur mich) daran weiterzumachen: Der großartige Zusammenhalt unter uns in vielen Vereinen und Foren zusammengeschlossenen Amateuren.
    Astronomie - ein Hobby, das verbindet.

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