Sonntag, 12. März 2017

NAFT 1/2017 in Hildesheim

Am 11. März 2017 stand das Frühjahrstreffen der norddeutschen Astrofotografen auf dem astronomischen Veranstaltungskalender. Austragungsort war zum vierten oder fünften Mal die Stadt Hildesheimer, genauer, die dortigen Sternfreunde der Hildesheimer Gesellschaft für Astronomie e.V. und die Arbeitsgemeinschaft Hildesheimer Amateurastronomen. Getagt wurde im Kolleggebäude des Josephinums in der Kreuzstraße.

Erstmal klönen und Verpflegung einnehmen
Schon kurz nach der Bekanntgabe des Termins entschlossen wir uns, das sind Michael Steen, André Wulff und ich, zum NAFT zu fahren. Wir fuhren gegen 10 Uhr aus Hamburg ab und waren gut zwei Stunden später am Ziel. Kurz zuvor hatte es noch Irritationen gegeben, weil nur wenige hundert Meter davon entfernt ein ökumenischer Gottesdienst anlässlich des Luther-Jahres 2017 stattfand, an der praktisch die gesamte Führungssptze der Bundesrepublik teilnehmen sollte. So war unklar, ob wir angesichts dieses „unwichtigeren Nebenereignisses“ überhaupt zum Tagungsort durchfahren konnten und dieser nicht durch polizeiliche Sicherungsmaßnahmen gesperrt war. Es gab ausreichend Parkplätze vor dem Gebäude und ein „Parkplatzwächter“ sorgte für die notwendige Organisation.

Das Programm
Auf der 2. Etage des Josephinums angekommen, fielen wir erst einmal über die reichhaltige Cafeteria her, die mit Würstchen, Brötchen, kalten Getränken und später reichlich Kaffee die Besucherinnen und Besucher versorgte. Bereits vor dem offiziellen Beginn – die Themen entstanden anarchisch aus den Beiträgen der Angereisten – konnte man reichlich klönen, Erfahrungen austauschen und die Atmosphäre genießen. Fast verpasste man dabei den offiziellen Start.

Arndt Latußek eröffnete das Treffen mit der Begrüßung und der Bekanntgabe einiger weniger Regularien, bevor Mathias Levens mit seinem Beitrag unter dem Titel „Gerafftes Polarlicht“ begann. Im ersten Teil zeigte er einige wenige Aufnahmen, die mit einem 135mm-Objektiv und teilweise einem H-alpha-Filter entstanden waren und die z.B. den Californianebel oder Sharpless 240 zeigten. Das Hauptthema war aber eine Reise mit den Hurtigrouten, die er als wissenschaftlicher Begleiter in Richtung Nordkap entlang der norwegischen Küste mitmachte. Er hatte das Glück, dass gerade ein koronales Loch auf der Sonne für einen erhöhten Strahlungsstrom gesorgt hatte, der zu wunderschönen, grünlichen Polarlichtern in den nördlichen Breiten führte. Beeindruckende Aufnahmen, die meisten an Bord der Finnmarken entstanden und meist nur 1-2 Sekunden lang belichtet wurden und schnelle Bewegungen der Vorhänge und Kalotten etc. offenbarten. Zu einem kurzen Zeitrafferfilm zusammengesetzt, gaben sie das ganze Ausmaß der Erscheinungen wieder.

Andreas Zirke aus Springe stellte danach seine Sternwarte vor und präsentierte sehr sehenswerte Aufnahmen, die über viele Nächte hinweg entstanden waren und Belichtungszeiten von mehr als 20 Stunden aufwiesen. Dabei nahm er RGBs und auch reine H-alpha- sowie Kombinationen daraus auf. Die Ergebnisse präsentierte er anhand von Bildern von IC 342, IC 405, den Conusnebel, das Leo Triplett, M 74, M 78, M 81, NGC 1514, NGC 281 und die Region um M42.

Uwe Zurmühl berichtete danach über die Möglichkeiten, als Amateur ernsthafte Spektroskopie zu betreiben. Hierzu kann man z.B. den Star Analyzer – ein Blaze-Gitter in Form eines 1,25“-Einschraubfilters - oder einen Spaltspektrographen einsetzen. Er selbst arbeitet mit einem spaltlosen Spektrographen und konnte hier Spektren heller Sterne (Wega, 40 Eridani), Planeten wie Uranus oder von großflächigen Objekten wie NGC 6888, den Plejaden oder vom Wolf-Rayet-Stern WR 136 und Novae und Supernovae vorführen.

Danach gab es erst einmal eine kleine Pause mit Gesprächen, Würstchen und Kuchen, bevor Katja Seidel und Michael Schomann aus Wolfsburg über die Leuchtenden Nachtwolken der letzten Saison berichteten. Nach einer kurzen Erläuterung des Phänomens, das in Norddeutschland am besten in den Monaten Juni und Juli zu beobachten ist, zeigten die Referenten aktuelle Aufnahmen, die, mit Photoshop etc. bearbeitet, die Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung offenbarten.

Anschließend demonstrierte Arndt Latußek, wie man ein Teleskop mit 4,5m-Brennweite in den Griff bekommt und was man mittels einer Asi-Kamera, einen Heidenhain-Umlenkspiegel und dem Onag Dichroic Beam Splitter so alles anstellen kann, außer, dass man gleichzeitig guiden und aufnehmen kann. Auch ein Telescope Drive Master kommt zum Einsatz, sodass nur die Montierung eingeschaltet werden muss und man, abgesehen vom Auskühlen, dann praktisch gleich loslegen kann. Als Beispiel zeigte er Bilder u.a. von NGC 772, NGC 7331, der Region rund um den Pferdekopfnebel und NGC 405.

In der nun folgenden Pause stellten wir uns zum obligatorischen Gruppenfoto auf und vernichteten die reichlich vorhandenen „Restbestände“ der Cafeteria. Das gehört zu jedem NAFT dazu!

Kurz nach dem Gruppenfoto
Im nachfolgenden Beitrag konnte ich neben der Vorstellung meiner heimischen Beobachtungssituation zwischen Hochhäusern und Bäumen Aufnahmen von Halos, Planetenkonstellationen und Wettersituationen zeigen, die ich mit iPhone-Kameras aufgenommen hatte. Anschließend stellte Katja Seidel ihr Buch „Astrofotografie – Spektakuläre Bilder ohne Spezialausrüstung“ konzeptionell und inhaltlich vor.

Der letzte Vortragende war Michael Mushardt, der zum einen von seiner über „Eclipse Reisen“ gebuchte Tour zur totalen Sonnenfinsternis am 9. März 2016 nach Indonesien berichtete, das Ereignis selbst schilderte – man konnte an dem gewäöhlten Standort davon nur wenig sehen - und Land und Leute beschrieb. Im letzten Kurzbeitrag des Tages warb er für das auf dem Gamsberg in Namibia von der Vereinigung „Internationale Amateursternwarte“ betriebene Observatorium, das einstmals in den 1970er Jahren von der Max-Planck-Gesellschaft als Europäische Südsternwarte geplant war, was sich aber nicht realisieren ließ – zurück blieb die bereits abgesprengte Spitze des Gamsbergs, der heute eine völlig plane Oberfläche aufweist. Sie kann heute unter bestimmten Voraussetzungen von engagierten Sternfreunden genutzt werden. Im Vergleich zur Farm Hakos gibt es hier nochmals verbesserte Beobachtungsbedingungen, was durch Allsky-Aufnahmen und Bilder von Mars, Jupiter, Saturn, dem Leo-Triplett oder dem Trifidnebel eindrucksvoll bewiesen wurde.

Kurz nach 18 Uhr war das NAFT dann leider schon wieder zu Ende. Die Zeit in Hildesheim war wieder viel zu schnell vergangen, was nicht nur an den Vorträgen, sondern auch der guten Betreuung durch die Veranstalter lag. Wir machten uns kurz danach auf den Heimweg – einige kehrten noch in nahegelegene Lokalitäten ein – und waren gegen 21 Uhr wieder in Hamburg. Während der Fahrt begleitete uns linker Hand die helle Venus sowie der Vollmond. Das nächste NAFT wird am 4. November 2017 in Neumünster stattfinden und ist die Jubiläumsveranstaltung anlässlich des 40jährigen Bestehens dieser festen norddeutschen Institution.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Blogparade: Astronomische Vorsätze für 2017

Nimm di nix för, dann geit di nix fehl“ sagte meine Oma mütterlicherseits immer, was so viel bedeutet wie: Nehme Dir nichts vor, dann geht Dir auch nichts daneben!“ Ein Grundsatz, den ich leider allzu oft nicht beherzige und dann merke, dass das, was man sich vorgenommen hat, sich am Ende dann doch wieder nicht realisieren ließ.

Ein Wunsch wäre es, den Stand von über 200 visuellen Sonnenbeobachtungen zu halten, was schwer genug werden wird, wenn das Wetter im Norden, wie so oft, wieder nicht mitspielt.

Ich nehme mir, wie in jedem Jahr, vor, möglichst viele astronomische Veranstaltungen zu besuchen. Arbeit und viele Überstunden haben das besonders im Jahr 2016 oft verhindert und auch Vereinstreffen bei der GvA-Hamburg konnte ich praktisch nicht mehr besuchen. Und selbst die monatlichen, von mir geleiteten, GvA-Sonnenworkshops mussten wegen der vielen beruflichen Arbeit sehr oft ausfallen. Durch Übernahme einer neuen Tätigkeit könnte sich das ändern, muss aber nicht. Ich hoffe nur, dass ich wieder zur ATT fahren kann, das hatte ja dieses Mal auch erst im letzten Moment geklappt, weil ich Termine verschieben konnte.

Vor vielen Jahren hatte ich mir mal vorgenommen, die Sonnenfinsternis am 21. August 2017 in den USA zu beobachten und das mit einer Reise zu den dortigen Sternwarten zu verbinden. Daraus wird nichts, weil ich in der fraglichen Zeit keinen Urlaub nehmen kann. Im September ist Bundestagswahl und dann werde ich voll mit der Organisation in einem Teilbereich beschäftigt sein, zumal ich schon seit Jahren ein eigenes Wahllokal leite und dann mitten in den Vorbereitungen stecke.

Im Frühjahr soll es dann wieder mal einen einwöchigen Astrourlaub geben, mal schauen, ob der vom Wetter her besser wird, als die 2016er, wo außer Spesen nichts gewesen ist. Immerhin werde ich an der 40. SONNE-Tagung teilnehmen, weil diese in Hamburg an der Bergedorfer Sternwarte stattfindet und ich an der Organisation beteiligt bin. Auf dem Plan habe ich auch wieder die Bochumer Herbsttagung und das Treffen der Astronomiehistoriker, dass im kommenden Jahr in Lilienthal bei Bremen abgehalten wird.

Finsternisse machen sich hierzulande relativ rar und nur die Halbschatten-Finsternis vom 11. Februar 2017 sowie die partielle Mondfinsternis am 7. August 2017 wären theoretisch machbar.

Was ich mir sonst vornehme: wie jedes Jahr mehr Zeit für das Hobby Astronomie zu haben, mehr praktisch zu beobachten, auch nachts. Allerdings befürchte ich, dass ich wie in den letzten Jahren auch, nur sehr wenig von den Vorhaben werde umsetzen können und so wird es mit den Vorsätzen sicher wie mit den „normalen“ zum neuen Jahr laufen: Sie vergehen so schnell wie die ersten Stunden des neuen Jahres ...

Astrobilanz 2016: mehr schlecht als recht

Eigentlich ist es noch ein wenig früh, um irgendeine Form einer Bilanz für das astronomische Jahr 2016 zu ziehen, dennoch hat sich viel ereignet, oder eben auch nicht, je nach Betrachtungsweise.

Mehr oder weniger spontan geplant waren zwei Astrourlaube, die Teilnahme an Astroveranstaltungen wie dem Norddeutschen Astrofotografentreffen, dem ATT und der Bochumer Herbsttagung. Und eigentlich wollte ich auch mal wieder bei den Astronomiehistorikern der VdS vorbeischauen. Daneben standen der Merkurtransit am 9. Mai und die Halbschattenmondfinsternis vom 16. September ganz oben auf der Agenda. Beruflich wollte ich mir Freiräume schaffen, um mehr Zeit fürs Hobby herauszuschlagen. Und ich wollte neben der Sonne am Tag auch vermehrt nachts Planeten und Deep-Sky-Objekte beobachten. Aus letzterem wurde im ganzen Jahr wieder mal nichts.

Dabei hatte ich durchaus einige Erfolge. So konnte ich den Merkurtransit bis auf den Beginn bei gutem Wetter beobachten, wenn auch die Technik teilweise versagte, die Mondfinsternis fiel dann gleich wieder Wolken zum Opfer. Der Monat April war für meine Sonnenbeobachtungen eine echte Katastrophe, so wenig hatte ich zuletzt 2002 beobachtet und mein Jahresziel von mindestens 200 Beobachtungen rückte zunächst in weite Ferne. Erst im November, einen Monat später als in den letzten beiden Jahren, konnte ich diese magische Grenze erreichen und überschreiten. Dabei verpasste ich viele Beobachtungen einfach dadurch, dass ich tagsüber auf der Arbeit war und erst nach Sonnenuntergang wieder zu Hause ankam.

Selbst die kleine „Beobachtungskatastrophe“ Ende November konnte ich nicht nutzen, weil ich da oft erst so spät zu Hause war, dass sich ein Rausfahren zu unserer Außensternwarte nicht mehr lohnte. Und eine Nacht am Wochenende konnte ich wegen anderer Verpflichtungen nicht astronomisch nutzen, oder musste am Wochenende arbeiten.

Ende Juni ging mein Arbeitskollege in Rente und dessen Stelle wurde nicht wiederbesetzt, sodass ein geplanter längerer Urlaub ins Wasser fiel, während gleichzeitig die Zahl der Überstunden von Monat zu Monat stieg. Dabei hatte ich gerade die, die Ende letzten und Anfang diesen Jahres entstanden waren, einigermaßen abbummeln können. Die Folge war, dass ich bisher nur 2x je eine Woche frei machen konnte. Zum Glück gab es aber einige Veränderungen, sodass ich nun doch über Weihnachten ein paar Tage frei machen kann.

Der erste meiner beiden Astrourlaube in Kirchheim war astronomisch gesehen eine fast völlige Pleite, weil es keine einzige wirklich durchgehend klare Nacht gab. Erst nach unserer Abreise besserte sich das Wetter. Umgekehrt war es beim zweiten Astrourlaub im Oktober. Da endete die Schönwetterperiode zwei Tage vor unserer Ankunft und es gab wieder keine klare Nacht, nur eine für die reine Wolkenlückenastronomie, in der ich dann noch mit technischen Problemen zu kämpfen hatte.

Zumindest konnte ich den ATT besuchen, verzichtete aber weitgehend auf Neuanschaffungen, die ich sowieso nicht nutzen kann. Anfang Juli erfolgte dann mal wieder eine erfolgreiche Teilnahme an der jährlichen SONNE-Tagung, die dieses Mal in Kirchheim in Thüringen stattfand.

Die angedachte Teilnahme am Herbst-NAFT in Bremen und der Bochumer Herbsttagung hingegen musste ich aufgrund Zeitmangels und Wochenendarbeit absagen.

Das einzige, was wirklich noch läuft sind meine Führungen über die Bergedorfer Sternwarte und das Schreiben von Artikeln und Blogbeiträgen. Astronomische Erlebnisse im Sinne einer simplen Beobachtung oder Fotografie in der Nacht ohne besonderen Anlass gab es auch 2016 praktisch nicht mehr.

Die für den Oktober erhofften Nachtbeobachtungen fielen samt und sonders dem Wetter zum Opfer und die Monate November und Dezember zeichneten sich wie in den letzten Jahren auch nicht gerade durch astronomisch nutzbares Wetter aus. Aussichten auf Beobachtungen bis zum Jahresende sind daher wohl auch weitgehend illusorisch.


Hatte ich früher immer über die Leute den Kopf geschüttelt, die meinten, dieses oder jenes würden sie erst machen können, wenn sie in Rente sind, so stelle ich fest, dass es bei mir jetzt anscheinend ganz genauso ist. Und so werde ich wohl über kurz oder lang meine Astroaktivitäten noch weiter zurückfahren müssen, als es bereits jetzt der Fall ist, wenn noch ein Rest an wirklich freier Zeit verbleiben soll.

Montag, 4. Juli 2016

Die 39. SONNE-Tagung in Kirchheim

Die diesjährige Tagung der Amateursonnenbeobachter der VdS führte mich schon zum 2. Mal in diesem Jahr ins thüringische Kirchheim. Mein Begleiter war dieses Mal Michael Steen, außerdem nahmen auch Klaus-Peter Daub und Ralf Pagenkopp an dem Treffen teil.

Wir reisten zu unterschiedlichen Zeiten bereits am Freitag an, um sich ncht unmittelbar vor der Tagung auf die Autobahn begeben zu müssen. Gegen 14:30 Uhr kamen wir in Erfurt an, holten den Schlüssel bei Jürgen Schulz ab und fuhren erstmal zur Sternwarte. Danach ging es zum traditionellen Einkauf nach Rudisdleben. Abends holten wir dann noch Michael Delfs aus Erfurt ab, der mit dem Bus zur SONNE-Tagung gekommen war. Später traf noch ein niederländischer Sternfreund ein, der von allen die weiteste Anreise hatte, und so wurde der Abend ganz gemütlich, zumal wir ab 21 Uhr das EM-Spiel gucken konnten.

Am Samstag begann nach dem Eintreffen der restlichen Teilnehmer*innen – am Ende waren wir 16 Leute - offiziell die SONNE-Tagung mit einer kurzen Eröffnung von Michael Delfs, der auch gleich die Gelegenheit wahrnahm, einen alten Film von Bernard Lyot über Sonnenprotuberanzen und Sonnenflecken durch einen Koronographen aus dem Jahr 1935. 

Im ersten Vortrag berichtete Ralf Pagenkopp über seine eigene Ausrüstung, zeigte Aufnahmen der Sternwarte und ein paar prominente Deep-Sky-Objekte, bis er das von ihm entwickelte Programm SunMAP zur automatisierten Bestimmung von Fleckenpositionen aus Übersichtsaufnahmen der Weißlichtsonne vorstellte.

Klaus-Peter Daub berichtete danach über seine Erfahrungen mit dem Programm anhand einer Aufnahme der Sonne vom 27.09.2015, verglich die gemessenen Positionen mit denen des Debrecen HeliophysicalObservatory in Ungarn und fand bei der beispielhaft vermessenen Aktiven Region Nr. 12422 nur geringe Abweichungen gegenüber den veröffentlichten Daten. Diese waren so gering, dass sie vernachlässigbar waren und sich innerhalb der üblichen Fehlertoleranz bei solchen Messungen bewegten. Einer Einsendung zur Auswertung stünde damit nichts mehr im Wege.



Nach einer kleinen Pause, die witterungsbedingt noch nicht zur praktischen Beobachtung genutzt werden konnte, zeigte Michael Delfs eine ganze Reihe von Sonnenaufnahmen von Flecken beim Sonnenuntergang, die mit bloßem Auge zu sehen waren und ging auf die großen Flecken des Jahres 2003 ein. Diese offenbarten viel Feinstruktur in der Granulation, in den Flecken – wie die umbral dots – und wie sich Regionen innerhalb kürzester Zeit verändern können. Dabei zeigte sich, dass bei hochaktiven Gruppen aus rudimentären Penumbren ganz runde werden können, wenn sich vorher da noch ein anderer Fleck oder eine Penumbra reingeschoben hatte. Beeindruckend waren auch die Filme des Big Bear Solar Observatory, die im H-alpha-Licht Entwicklungen von Protuberanzen und Filamenten zeigten. 

Nach einer kleinen Pause führte Heinz Hilbrecht in das nur auf den ersten Blick skurrile Thema »Warum die Beobachter vorher wissen müssen, was sie sehen« ein. Dabei ging es vor allem um die Wahrnehmungsphysiologie und die Wahrnehmungspsychologie. In letzter gibt es den durchaus radikalen Ansatz, dass man nur das sehen kann, was man sehen will, bzw. was man erwartet. Man kennt das von der Suche nach verlorenen Gegenständen, für die man trotz der Fokussierung auf das Objekt schlicht blind ist. Hier erwartet man etwa den nicht auffindbaren Schlüssel an einer ganz bestimmten Stelle zu sehen, liegt er aber woanders, finden wir ihn nicht. Auf die Astronomie und hier speziell die Sonnenbeobachtung heißt das streng genommen, dass wir nur dann etwas sehen, wenn wir wissen, wie es aussieht. Auf die derzeit fleckenfreie Sonne bezogen heißt das nichts anderes, als dass wir Flecken nur dann erkennen können, wenn man weiß, wie er prinzipiell aussieht, sonst übersehen wir ihn. Man kann sich aber selbst kalibrieren. Da bei der Sonnenbeobachtung das Gehirn auf einen Schwarz-weißen Kontrast trainiert ist, muss man auf den Sonnenrand gucken, wo der Hintergrund schwarz ist und die Fackeln weiß und dann kann man in der Tat einen Fleck leichter erkennen. Um es astronomisch zu nennen: unser Denkapparat speckelt - es erkennt Muster - besser als jeder Hochleistungsrechner!




Danach wurde eine weitere Pause eingelegt und viele der Teilnehmer*innen brachen zur Besichtigung der Sternwarte des Sternfreunds Günter Loibl in Espenfeld auf. Einige – wie ich – blieben in Kirchheim und konnten nach Durchzug eines Regengebietes an den Instrumenten der Sternwarte die Sonne im H-alpha-Licht und im Weißlicht beobachten. Insbesondere im letzten Wellenlängenbereich zeigte sich die Sonne eigentlich fleckenfrei. Allerdings erkannten einige Beobachter am 130/100 mm TOA-Takahashi-Refraktor in der Schiefspieglerhütte eine fleckenartige Struktur westlich des Sonnenmeridians. Allerdings war sich keiner sicher, dass da auch wirklich was zu sehen war. Unter Zuhilfenahme des vorher gehörten erkannten einige die Struktur, andere wiederum nicht. Bei meinem eigenen Beobachtungen mit meinem 80/400er-Refraktor schien mir an der Stelle auch was sichtbar zu sein. Da ich es aber nicht halten konnte, wertete ich die Gruppe bei der Relativzahlbestimmung nicht. Letztlich gab es bei den gängigen Internetseiten mit aktuellen Sonnenfotos auch keinen Eintrag einer neuen Fleckengruppe. Möglicherweise war diese so schwach, dass ihr Magnetfeld nicht ausreichte, um auch im Weißlicht kräftigere Strukturen herauszubilden. Ein typisches Merkmal für einen zu Ende gehenden Fleckenzyklus.




In der Zeit vor dem Grillen – hier gilt der Dank vor allem den Sternfreunden um Jürgen Schulz und seiner Frau, die uns hier exzellent versorgte – lud Heinz Hilbrecht zu einem zweiten Vortrag ein: »Was wirklich hinter den n-Lichtbrücken in Sonnenflecken steckt«. Auf dieses Phänomen wurde 1982 Michael Seebörger-Weichselbaum bei der Lichtbrückenbeobachtung aufmerksam und hielt dies in einem kurzen Beitrag für SONNE fest. Was damals niemand auch nur in Erwägung gezogen hatte: es gibt sie wirklich! Bekanntlich sind in hochauflösenden Sonnenfotos in den Umbren von Sonnenflecken manchmal kleine helle Flecken zu sehen, die heißen »umbral dots«. Diese bilden offenbar die Vorstufe zu Lichtbrücken, die sich dort bilden, nach außen greifen und mit der Granulation in Verbindung treten. Auf SDO-Bildern können sie mehrfach nachgewiesen werden, wenn man weiß, wie sie aussehen – den Hintergrund hatten wir im vorhergehenden Vortrag gelernt. Nach bisherigen Erkenntnissen sind n-Lichtbrücken, wie diese Erscheinungsform offiziell genannt wird, Ansammlung von »umbral dots«, aus denen dann eine Lichtbrücke entstehen kann. Die SDO-Bilder zeigen noch ganz andere Formen von n-Lichtbrücken, etwa helle Linien am Rande von Umbren, wo man sie in der Längsachse von oben sieht. Meist gleichen sie einem y oder einem x, aber es sind auch andere Strukturen denkbar. In verschiedenen Fachzeitschriften wie »Sterne und Weltraum«, »VdS-Journal« oder »SONNE« wurde mittlerweile darüber berichtet. 




Der Abend klang aus mit Grillen vor der 6m-Kuppel und dem EM-Viertelfinalspiel zwischen Deutschland und Italien sowie der zeitgleich stattfindenden SONNE-Redaktionssitzung.

Für den Sonntag – wir hatten rechtzeitig vorher gefrühstückt und das Auto beladen – standen noch vier mehr oder weniger kurze Beiträge auf dem Tagungsprogramm. Als erstes berichtete Steffen Fritsche über »Astrobeobachtung am Johann-Christian-Reinhart-Gymnasium in Hof«. Er berichtete von seinen astronomischen Anfängen und erläuterte, wie er heute mit seinem Schüler*innen – auch im Rahmen von verschiedenen Projekten – praktische Sonnenbeobachtung betreibt. Außerdem besuchte er verschiedene Sternwarten (z.B. Planetarium und Sternwarte Rodewisch) und beobachtete im Rahmen der Schularbeit die Sonnenfinsternis vom 20.3.2015, die Mondfinsternis vom 28.9.2015 oder den Merkurtransit am 9.5.2016. Im Wettbewerb »Schüler experimentieren« belegte eine Gymnasiastin den 2. Platz bei der landesweiten Ausscheidung mit einem astronomischen Thema!

Seine eigenen Versuche bei der Sonnenfotografie schilderte Steffen Fritsche in seinem zweiten Vortrag unter dem Titel »Sonnenfotos mit einfachen Mitteln«, wobei er mit einer kleinen Ausrüstung die Sonne im Weißlicht fotografiert. Schon die ersten Aufnahmen waren sehr beeindruckend und zeigen, wie man selbst mit bescheidenen Mitteln heutzutage zu sehr ansprechenden Sonnenbildern gelangen kann.

In einer kleinen Pause konnte nochmals die Sonne mit Sternwarteninstrumenten beobachtet werden, zumal es ab 10 Uhr – wie jeden Sonntag bei klarem Wetter – eine öffentliche Sonnenbeobachtung gab.





Im Anschluss daran berichtete Steffen Fritsche in seinem dritten Beitrag über »Das A-Netz von SONNE – Sonnenbeobachtung ohne Fernrohr« und nahm sich der aktuellen Auswertung von Beobachtungen mit dem bloßem Auge und Sonnenfiltern, wie den unverständlicherweise in Verruf geratenen Schweißergläsern höherer Dichte an. Unser Tagesgestirn wird hier nur mit dem Auge ohne Vergrößerung durch optische Hilfsmittel beobachtet. Trotz der Tatsache, dass man mit dieser Methode nur die größten Flecken erfassen kann, lassen sich anhand nur dieser Daten, die seit 1984 erhoben werden, die Verläufe der letzten zweieinhalb Sonnenfleckenzyklen sehr schön dokumentieren. Zwar gibt es leichte Abweichungen bei den Maxima und Minima, was aber nicht weiter tragisch ist. Interessant ist eher der Vergleich zwischen fleckenfreien Tagen mit Fernrohr und bloßem Auge, die durchaus auch voneinander abweichen können. Normalerweise müsste man annehmen, dass fleckenlose bzw. fleckenarme Zeiträume direkt miteinander korrelieren. Das ist aber nicht immer der Fall. So ging in den Jahren nach 2001 die Zahl der A-Flecken stark zurück, während die Relativzahlen anstiegen, was auf das Fehlen großer Gruppen hindeutet. Dafür bestand beim letzten Minimum eine fast völlige Übereinstimmung zwischen beiden Zahlenreihen. Während des flachen Maximums 2014 gab es dann wieder viele fleckenfreie Tage bei der A-Zahl, weil es nicht durch große spektakuläre Gruppen, sondern durch wesentliche kleinere, die in größerer Zahl auftraten, gebildet wurde. Momentan gehen die Kurven wieder auseinander, da wieder nur viele kleine Gruppen die Höhe der Relativzahlen bestimmen und es nur ganz wenige Flecken gibt, die man auch mit dem bloßen Auge sehen kann. Zuguterletzt wurde noch die Zahl der Beobachter erwähnt, die anfangs recht hoch war, dann aber wieder stark zurückging, sich aber durch neue Beobachter – auch aus der GvA (!) - wieder stabilisierte.

Anschließend führte Michel Delfs ein kleines Video vom Merkurtransit im H-alpha-Licht vor, das er auf dem Sternwarten-Rechner gefunden hatte. Was den meisten Betrachtern des Videos entgangen waren, die nur auf den kleinen schwarzen Punkt des Planeten achteten: im Norden der Sonne löste sich spektakulär ein Filament auf! 

Danach gab Andreas Bulling eine Übersicht zum aktuellen Stand des SONNE-Relativzahlnetzes, dessen Mitglieder mittlerweile nur noch zu einem geringen Teil aus Deutschland stammen. Die größte Beobachtergruppe stellt dabei inzwischen die GvA mit 8 Relativzahlbestimmern (5 davon als Bezugsbeobachter), die fast 10% der ausgewerteten Daten lieferten. Insgesamt sind die Zahl der teilnehmenden Beobachter, der Beobachter/Instrumenten-Kombination und der eingesandten Beobachtungen leicht rückläufig, wobei die der Beobachtungen im Verhältnis weniger stark abnimmt. Daraus ergibt sich, dass sich die Beobachter auf weniger Instrumente konzentrieren, dafür aber mehr damit beobachten. Er ging dann noch auf den aktuellen Zyklus ein, der an Merkwürdigkeiten reich ist, zumindest im Vergleich mit den vorangegangenen. Letztlich könnte es in der Tat so sein, dass wir eher mit einer größeren Zahl schwacher Zyklen rechnen müssen, als mit hohen. Da man aber im Voraus nie weiß, welche Entwicklung ein Zyklus nimmt, wird man abwarten müssen.

Im letzten Vortrag ging Michael Delfs auf die Entwicklung der Amateurastronomie und speziell der Sonnenbeobachtung ein. Schon bei der Gründung des Wilhem-Foerster-Instituts als Vorläufer der Wilhelm-Foerster-Sternwarte konzentrierte sich deren Gründer Hans Mühle auf die Sonnenbeobachtung, die aber schon nach ein paar Jahren endete, als ihr Initiator die Stadt verließ. Mitte der 60er Jahre kam es zu einen erneuten Aufschwung der Sonnenbeobachtung durch sie bereits 1917 gegründete DARGESO (=Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Sonnenbeobachtung mit Sitz an der Treptower Sternwarte (heute: Archenhold-Sternwarte). Sie löste sich 1965 auf. 1977 wurden zeitgleich das SONNE-Netz in Westdeutschland und West-Berlin (Sitz an der Wilhelm-Foerster-Sternwarte) und der Arbeitskreis Sonne im Kulturbund der DDR (Sitz auf der Sternwarte Crimmitschau) gegründet. Beide bestehen bis heute!

Danach verabschiedete man sich und es wurde verkündet, dass die nächste SONNE-Tagung 2017 in Hamburg stattfinden wird.

Wir machten uns kurze Zeit später auf den Heimweg und kamen nach gut 6 Stunden wieder zu Hause an. Diese Tagung hatte uns allen viel Spaß gebracht und viele neue Erkenntnisse und Eindrücke hinterlassen, die auf die eine oder andere Weise nicht nur in die persönliche, sondern auch in den Sonnenworkshop einfließen. Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr, wenn wir einen kurzen Anreiseweg, aber auch viel Arbeit haben werden!

Samstag, 21. Mai 2016

Kurztripp zum ATT nach Essen

Dieses Mal war nur ein Kurztripp zum Astronomischen Tausch- und Trödeltreff (ATT) nach Essen geplant, weil ich einerseits keinerlei Kaufabsichten hegte, andererseits aber nach einem passenden Geschenk für einen Arbeitskollegen suchte, der Ende kommender Woche in Rente geht. Geplant war außerdem ein Arbeitstreffen – das leider nicht zustande kam und weswegen ich hauptsächlich nach Essen gefahren bin – sowie eine Zusammenkunft mit einem langjährigen Freund und Sonnenfotografen.

Anders als in den vergangenen Jahren verzichtete ich auf eine Bahnfahrt und schloss mich stattdessen einer kleinen Gruppe aus dem Verein an, die nicht bis zum Ende des ATT bleiben wollte, was mit sehr sympathisch war. Nach drei Stunden Autofahrt kamen wir bequem am Stoppenberg-Gymnasium an und mussten sogar noch ein wenig auf den Einlass warten, der pünktlich um 10:00 Uhr erfolgte.

Eigentlich war es wie immer auf dem ATT, es gab Vereinsstände – auch die GvA war vertreten – private Stände, professionelle Händler von Teleskopen und reichlich Zubehör, Verlagshäuser und jede Menge Gelegenheiten, seinen Geldbeutel zu erleichtern. Dumm nur, dass ich nichts auf dem Zettel hatte, was ich mir unbedingt kaufen wollte und für die Sachen, die ich vielleicht gebrauchen könnte, waren nicht die passenden Händler da. Es hatten nämlich, vowiegend aus Personalmangel, im Vorfeld viele ihr Nichtkommen angekündigt. Daher waren nach meinem persönlichen Empfinden wohl auch deutlich weniger Besucherinnen und Besucher in die Ruhr-Metropole gekommen.

Alles in allem wurde wieder ein schöner Querschnitt durch die (technischen) Möglichkeiten, die sich dem heutigen Sternfreund und ambitionierten Amateurastronomen offenbaren, geboten. Die »Schnäppchensituation« war gegenüber den Vorjahren deutlich besser geworden und es gab bei vielen Händlern spezielle Messeangebote.


Wie immer viel Trubel in der großen Halle

Auch die Kommunikation kam nicht zu kurz, so traf ich mich mit Erich Kopowski auf einen Kaffee und lief vielen anderen über den Weg, die man sonst eher selten trifft. Kurz nach 13 Uhr waren wir der Meinung, alles abgegrast zu haben und so traten wir den Rückweg an. Inklusive einer längeren Pause auf der Autobahnraststätte »Tecklenburger Land« an der A1 war ich nach einem Einkauf im Supermarkt bei mir um die Ecke um 18:30 Uhr wieder zu Hause. Gerade rechtzeitig, um noch die Sonne beobachten zu können und das bei allerbestem Seeing. Was will man mehr an so einem Tag?

Donnerstag, 19. Mai 2016

Lohnt es sich noch, Astrozeugs zu kaufen? (3)

Schon mehrfach hatte ich mir an dieser Stelle die Frage gestellt, ob es sich wirklich noch lohnt, Geld in das Hobby Astronomie zu pumpen, um dann Sachen zu kaufen, die mangels Zeit und Gelegenheit in irgendeiner Ecke verstauben und nach ein paar Jahren unbenutzt wieder verkauft werden. Dadurch wird das Hobby zu einer reinen Geldvernichtungsmaschine, ohne am Ende wirklich etwas davon zu haben.

Wenige Tage vor der diesjährigen ATT stelle ich mir natürlich erneut die Frage, ob man sich noch was kaufen soll, oder nicht. Als Sonnenbeobachter dachte ich natürlich an ein echtes H-alpha-Teleskop auch zur Fotografie oder den Einstieg in die Calcium-Beobachtung.

Allerdings lassen mich die zuletzt gemachten Erfahrungen davon erst einmal wieder Abstand nehmen. Zunächst ging ein einwöchiger Astrourlaub daneben, weil an der Sternwarte die Technik bei keinem einzigen Teleskop funktionierte. Überdies war es überwiegend bewölkt. Bei der Sonnenbeobachtung habe ich das »Glück«, tagsüber bei Sonnenschein auf der Arbeit blauen Himmel zu haben, der sich fast regelmäßig zu Feierabend zuzieht und einem jegliche Freude an der täglichen (!!!) Relativzahlbestimmung nimmt. Sie wird dadurch zu einem täglichen Kampf, den ich am Ende durch berufliche Tätigkeiten nur verlieren kann, weil es fast nur noch vormittags sonnig ist. Und diesen Kampf habe ich in diesem Jahr schon zu oft verloren, sodass ich gegenüber den Vorjahren in einen erheblichen Rückstand geraten bin und das Jahresziel von 200 Beobachtungen in unerreichbare Fernen gerückt ist. Aus beruflichen Gründen werde ich dieses und wohl auch nächstes Jahr fast keinen Urlaub nehmen können, sodass ich in der Zeit den Rückstand auch nicht mehr aufholen kann. Daher sind alle (astronomischen) Reisepläne auch erst einmal auf Eis gelegt.

Beim Merkurtransit war das Wetter zwar überwiegend gut, dafür versagte trotz vorheriger Tests und Probeläufe die gesamte Technik. Ein Vereinskollege nur wenige Meter neben mir hat aufgebaut und einfach fotografiert, bei mir ging wieder alles schief. Am Ende habe ich fast nur unscharfe Bilder herausbekommen, während ihm alle gelangen. Vielleicht sollte ich die Astrofotografie aufgeben, bringt bei mir anscheinend sowieso nichts außer vermurphten Bildern und jede Menge Frust.

Mit der Nachtbeobachtung sieht es ebenfalls düster aus. Wenn es denn wirklich mal klar ist – hinter mir liegt der schlechteste Winter seit Beginn meiner beobachterischen Tätigkeit – kann ich nicht beobachten, weil dass dann mitten in der Woche ist, oder ich just an dem einzig klaren Wochenende seit Monaten arbeiten muss oder Rufbereitschaft hatte und unsere Außensternwarte für kurze Beobachtungsaktionen zu weit draußen liegt. Ich kann sie daher nicht nutzen. Durch berufliche Verpflichtungen, die in den kommenden Jahren noch weiter ansteigen werden, schaffe ich es noch nicht mal mehr, Hamburger Vereinstermine wahrzunehmen.

Lohnt sich vor dem Hintergrund denn der ATT? Ich denke schon, mehr aber zum Informationsaustausch als zum Kauf irgendwelcher Teile (außer einem schönen Meteoritenfragment als Geschenk). Daher werde ich am Samstag Freunde treffen, zur »Dienstbesprechung« an den Stand vom Oculum-Verlag gehen und mal schauen und hoffen, nicht irgendwelches nutzloses Zeugs zu kaufen, mit dem am Ende nichts wirklich besser wird.

Dienstag, 10. Mai 2016

Der Merkurtransit – ohne Murphy geht es nicht

Der 9. Mai 2016 war schon länger in meinem astronomischen Jahreskalender rot angestrichen und ich hatte frühzeitig einen Tag Urlaub eingereicht und dann auch bekommen. Die Frage für mich war nur, wo ich ihn beobachten könnte. Innerhalb Hamburgs hat mein Astroverein keinen eigenen Standort und somit auch keine Sternwarte, die man hätte nutzen können. Meine Wohnung verfügt nicht über einen Balkon, weshalb ich zwar das Ende des Transits beobachten könnte, den Anfang aber verpassen würde, weil ich mit dem Fernrohr direkt am Fenster stehend die Sonne nicht erreichen würde. Das geht bei mir sinnvollerweise erst ab ca. 16/17 Uhr. Daher testete ich von meiner Küche aus das Equipment funktionierte - schlecht für die Generalprobe, die bekanntermaßen schiefgehen muss, damit es bei der Premiere gut geht.

Erfolgreiche Tests am Küchenfenster
In unserer Hamburger Sonnengruppe hatten wir das Thema natürlich auch besprochen und so erging eine Einladung von Klaus-Peter Daub an Michael Steen und mich, bei ihm im Garten zu beobachten. Wir nahmen die Einladung gerne an und wurden nebenbei bestens mit Essen und Trinken versorgt. Am Ende waren wir fünf Beobachterinnen und Beobachter, die im Garten ihre Teleskope aufgebaut hatten. Nach dem Aufbau der Instrumente und dem Installieren der Technik warteten wir gespannt auf das kommende Ereignis. 
Ganz ohne Murphy ging es bei mir wieder einmal nicht, denn pünktlich zum 1. Kontakt zog eine Wolke vor die Sonne - so ziemlich die einzige, die gerade am tiefblauen Himmel zu finden war - und gleichzeitig stieg mein Rechner aus, was mir an diesem Tag gleich mehrfach passierte.

Pünktlich zum 1. Kontakt kamen Wolken
Ich hatte meinen 90/1000er Refraktor auf einer SP-Montierung  reanimiert und diese über ein Netzteil betrieben. Allerdings wies der Handtaster einen Schaden an der Schnittstelle für den Strom auf, weshalb die Nachführung dann und wann aussetzte. Probleme gab es auch mit dem Steuerungsprogramm Apt 3.11. Die Verbindung zur Canon EOS 40D brach immer wieder ab. Die Sonne lief raus, ich musste wieder alles neu einrichten, während unser Gastgeber an seinem 152/1200-Refraktor munter sein Aufnahmeprogramm abarbeiten konnte.

Der Fernrohrpark im Garten
Das Seeing zeigte sich auch nicht gerade von seiner besten Seite und so musste ich mehrmals versuchen, einen Schärfepunkt zu finden, was selbst mit einem Badelaken über dem Kopf am Rechner zu einer Qual wurde. Zwischendurch gelangen durchaus einige Aufnahmen, die meisten waren aber aufgrund der schlechten Luftbedingungen weitgehend unscharf. Bei regelrechtem “Schwabbelseeing” war es schlechterdings nahezu unmöglich, einen Schärfepunkt zu finden. Schließlich dann der Super-GAU: Irgendwann weigerte sich das Programm, Aufnahmen zu machen, weil angeblich kein Speicherplatz mehr auf der Festplatte vorhanden, obwohl ich die Bilder auf eine externe Festplatte ausgelagert hatte. Es waren über 10 GB Platz auf der Festplatte des Rechners, doch Apt 3.11 ließ sich davon nicht beeindrucken und behauptete, es hätte nur noch 27,3 MB zur Verfügung. Damit endete mein Aufnahmeprogramm etwa eine Stunde, bevor die Sonne hinter einem Baum verschwand.
Neben der fotografischen Arbeit beobachteten wir den Transit mit meinem PST im H-alpha und schon beim 1. Kontakt war zu sehen, dass Merkur knapp unterhalb einer Randprotuberanz vorbeiwanderte und später auch nahe an einigen kleinen Filamenten stand. Durch die Vielzahl der Instrumente konnte man das Ereignis auch visuell sehr schön verfolgen. Was auffiel war, dass der Planet – wie eigentlich auch nicht anders zu erwarten – als dunkler, schwarzer Ball dahinzog und daher auch nicht mit einem der wenigen vorhandenen Sonnenflecken verwechselt werden konnte. Zwar kannte ich das schon vom letzten Venustransit her, aber es ist immer wieder beeindruckend, dass dann live zu sehen. Erfahrungen vom letzten Merkurtransit 2003 hatte ich leider keine, weil ich an dem Tag nicht frei bekommen hatte. Daher erstaunte mich dann die “Kleinheit” des Planeten doch ein wenig, aber er war klar von den aktuellen Sonnenflecken zu unterscheiden – selbst kurz nach dem 1. Kontakt, als die Wolken eine erste Beobachtung erlaubten – und mein Rechner gerade wieder am Hochfahren war.
Eine der ersten Aufnahmen um 11:30 UT kurz nach dem 2. Kontakt, aufgenommen mit 90/1000er Refraktor mit Canon EOS 40D, gesteuert mit gerade mal funktionierendem Abt 3.11, ISO 400, 1/1000s belichtet 

Merkurtransit um 13:55 UT aufgenommen mit 90/1000er Refraktor mit Canon EOS 40D, gesteuert mit gerade mal funktionierendem Abt 3.11, ISO 400, 1/1500s belichtet 

So vergingen die Stunden und auch nach dem Ende der Beobachtung saßen wir noch in lockerer Runde beisammen. Es war – bis auf die nervenden technischen Probleme – ein entspannter Merkurtransit. Ob es den am 11. November 2019 ebenfalls geben wird, ist fraglich, da das Wetter in dem Monat traditionell schlecht ist und man das Ereignis ohnehin nicht in voller Länge wir beobachten können. Für Hamburg und Umgebung wird der Planet um 12:35 Uhr MEZ vor die Sonne treten, der Mittelpunkt des Transits wird um 15:20 Uhr erreicht und um 18:04 Uhr wird der 4. Kontakt zu beobachten sein. Sonnenuntergang ist aber schon um 16:30 Uhr. Man bräuchte dann schon eine wirkliche Horizontsicht, ansonsten ist – zumindest bei mir – der Transit schon um 14 Uhr wieder zu Ende, weil die Sonne dann hinter Hochhäusern verschwindet.

Sonntag, 1. Mai 2016

Frühjahrs-NAFT in Lübeck


Die Versammlung im Musiksaal einer ehemaligen Schule
Das Frühjahrstreffen der norddeutschen Astrofotografen wurde am 23. April 2016 am alten Standort der Lübecker Sternwarte ausgetragen und bot wieder einmal einen schönen Überblick über die Aktivitäten von Sternfreundinnen und Sternfreunden aus dem Norden der Bundesrepublik.

An diesem zunächst sonnigen Samstagvormittag kam Christian Harder bei mir vorbei, sodann holten wir Michael Steen aus Bergedorf ab und fuhren hernach in einer kleinen Fahrgemeinschaft in die Hansestadt an der Trave, wo wir gegen 12 Uhr ankamen.

Auf dem Freigelände vor der Sternwarte hatten die Sternfreunde des ASL (Arbeitskreis Sternwarte Lübeck e.V.) einige Fernrohre zur Sonnenbeobachtung aufgestellt, und während es in Hamburg bereits stürmte und hagelte, konnten wir hier noch die beiden einsamen Sonnenflecken im Weißlicht und die Gesamtsonne im H-alpha-Licht beobachten. Im Gebäude, das vor kurzem noch von der „Schule an der Wakenitz“ im Teil „Johannes-Kepler-Schule“ in Lübeck-Eichholz genutzt wurde, war im Aufenthaltsraum das Büfett aufgebaut, wo man sich vor Beginn der Veranstaltung kräftig stärken und nebenbei klönen konnte.


Sonnenbeobachtung auf der Wiese vor der Sternwarte
Pünktlich um 13 Uhr begann das Frühjahrs-NAFT vor rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im ehemaligen Musiksaal der Schule mit einer kurzen Ansprache des Vorsitzenden Oliver Paulien, der auf den bevorstehenden Umzug in ein noch zu errichtendes Neubaugebiet hinwies und an den Gründer der Sternwarte, den baltischen Astronomen Dr. Peter von der Osten-Sacken erinnerte. Dieser hatte 1957 mit einem kleinen Linsenfernrohr den ersten Erdsatelliten SPUTNIK-1 beobachtet, das hier vor Publikum präsentiert wurde. Am neuen Standort wird die Sternwarte auf einem 19 m hohen Turm erreichtet, der einen 360°-Rundumblick bietet und so Beobachtungen in alle Himmelsrichtungen ermöglichen wird. Die übrigen Räumlichkeiten der neuen Lübecker Sternwarte, die tief im Kulturleben der Stadt integriert ist – anders als bei der GvA in Hamburg – und in die Neubauplanungen mit einbezogen wird, sollen barrierefrei ausgestaltet sein.

Das Programm des Frühjahrs-NAFT
Im ersten Vortrag wusste Ralf Biegel mit Aufnahmen von Leuchtenden Nachtwolken (NLC) und/oder Polarlichtern der letzten Monate zu begeistern, die er mit musikalischer Untermalung darbot. Aufgenommen hatte er die Bilder am Ostseestrand bei Kühlungsborn, wo sich das Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik e. V. an der Universität Rostock (IAP) befindet, auf deren Internetseiten man sich über aktuelle Entwicklungen und Vorhersagen zu Polarlichtern und NLC informieren kann.

Dirk Zachow berichtete danach über seine Erfahrungen auf verschiedenen Internationalen Teleskoptreffen (ITT) mit der Emberger Alm in Kärnten, die durchweg positiv ausfielen, und zeigte Aufnahmen von M42, M45, California-Nebel, M31, Skorpion vor Sonnenaufgang, Pferdekopf-, Rosetten-, Trifid-, Lagunen-, Adler- und Omeganebel, NGC 253 sowie Landschafts- und Panoramaaufnahmen. Die Astroaufnahmen entstanden dabei mit Optiken von 419 mm und 800 mm Brennweite.

Erik Wischnewski führte danach in die Polarisationsastronomie ein. In diesem speziellen Fall geht es darum zu untersuchen, welche Objekte polarisiertes, also beispielsweise an interstellarer Materie oder interstellarem Gas gestreutes Sternenlicht aussenden, und ob man dies als Amateur überhaupt messen kann. Der Effekt wurde 1949 von den Astronomen William Hiltner und John S. Hall erstmals beobachtet und wird von der professionellen Astronomie genutzt, um Rückschlüsse auf die Art der aussendenden Quelle ziehen zu können. Zum einen sind es Objekte, die Synchrotonstrahlung aussenden, zum anderen die Kerne sog. Starburst-Galaxien, Supernova-Überreste etc. Die Idee war, mittels eines Polfilters derartige Messungen zu wiederholen. Dies misslang aber in allen oben genannten Fällen, auch, weil der Filter während der Aufnahme zu viel Licht schluckte. Es wurde berechnet, dass man wohl mindestens ein 60cm-Spiegel und einen ausreichend dunklen Himmel braucht, um die Messungen an Aktiven Galaxien und Reflexionsnebeln zumindest im Ansatz zu ermöglichen. Daher wich der Referent auf den Mond als Empfänger polarisierten Lichtes von der Sonne aus und bearbeitete seine Mondbilder mit dem Programm IRIS. Das Ergebnis verblüffte im negativen Sinne, denn die stärkste Polarisation sollte in einigen der Mondmeere auf Grund der chemischen Zusammensetzung des Mondbodens auftreten, wurde aber erstaunlicherweise überwiegend in den hellen Regionen am Mondsüdpol registriert. Eine Untersuchung ergab, dass man hier selbst beim Mond mit einer Subpixelgenauigkeit in den Aufnahmen und der anschließenden Bildverarbeitung arbeiten muss, denn schon die geringste Abweichung führt zu völlig falschen Ergebnissen. So ist auch bei den Beobachtungen am Mond – es eignen sich hierfür auf Grund der gegenseitigen Stellungen von Sonne, Erde und Mond am besten die beiden Halbmondphasen – kein wirklich vernünftiges Ergebnis visuell darzustellen. Anscheinend sind aber die Daten der Polarisationsmessungen, die in IRIS abgelegt werden, durchaus brauchbar. Unterm Strich ist die Idee sehr gut, mit Amateurmitteln aber (noch?) nicht umsetzbar.

In der anschließenden Pause konnte man sich weiter mit kostenlosen(!) heißen und kostenpflichtigen kalten Getränken, belegten Brötchen, Würstchen und selbst gebackenem Kuchen versorgen. Anlässlich des letzten NAFT an der Sternwarte, gab es Kuchen in Form einer kleinen Sternwarte, einer Kamera und ein Kuchenblech mit einem Tortenguss in Form des Observatorium von 1957 - 2016. Außerdem stellten wir uns für das Gruppenfoto auf der Grünfläche vor der Sternwarte auf. Und wer wollte, konnte immer noch einen Blick auf die Sonne werfen, denn die aus Westen heranrückende Schlechtwetterfront mit Temperatursturz, Gewitter, Regen, Eis und Schnee war noch nicht in Lübeck eingetroffen. Die kam erst während des letzten Vortragsblocks an.

Im ersten Vortrag nach der Pause stellte Bruno Mattern seine Sternwarte und seine neuesten Galaxienaufnahmen sowie einige Testergebnisse mit der Sony Alpha 7R im Vollformat vor, die schon sehr beeindruckend waren. Auf Grund des anhaltend schlechten Wetters im Norden, konnten nur wenige Nächte astrofotografisch genutzt werden, sodass er dieses Mal vergleichsweise wenige Aufnahmen dabei hatte: Pferdekopfnebel, NGC 2683, M 106 (mit 16 Stunden Belichtungszeit), NGC 4485-90, M108. Einige Aufnahmen mit kurzbrennweitigen Optiken, die er mit der Canon 60Da aufgenommen hatte, waren auch dabei, und zwar vom Nordamerikanebel, Komet Lovejoy, NGC 4725 („nur“ 9,5 Stunden belichtet) und NGC 5709.

Mathias Levens berichtete anschließend über seine Reisen mit den Hurtig-Routen und schilderte die Eindrücke der letzten Tour im Februar 2016. Wieder konnte er viele beeindruckende Polarlichtaufnahmen vorweisen, die vom Schiff aus aufgenommen worden waren: Polarlichtoval, sich bewegende Vorhänge, Polarlichter mit Hintergrundsternen in Farben von grau bis grün waren die am häufigsten vorkommenden Erscheinungsformen. Ein weiteres seiner Betätigungsfelder ist die Fotografie mit Schmalbandfiltern und hier mit H-alpha und OIII und oft auch beides zusammengemixt, was einen vollkommen andersartigen Blick auf die Objekte gestattet, die er vom heimischen Garten aus fotografierte: NGC 6888, IC 410, IC 1805, IC 443. Im „normalen“ Spektralbereich hatte er M97 und M108, Komet Catalina, Komet Wild 1 und als Highlight das Leo Triplett samt Komet 67P/Churyumov-Gerasimenko und Kleinplanet (394) Arduina fotografiert.

Uwe Freitag war danach an der Reihe, unter dem Motto „Atmosphärisches und Astronomisches aus dem Land zwischen den Meeren“ Fotos mit musikalischer Untermalung zu präsentieren: Aufnahmen vom Airglow, von Polarlichtern, Leuchtenden Nachtwolken, der Sonnenfinsternis vom 20.03.2016, der Mondfinsternis vom 28.09.2016, Venus und Jupiter (mit der DMK31), Komet 2014Q2 Lovejoy sowie M42/43, M21/22, M16/17 etc.

Über die erfreuliche „Wiedergeburt des Aschberg Frühjahrs-Teleskoptreffen (AFT)“ berichtete Carsten Jonas. Im Umfeld des alten und neuen Beobachtungsplatzes hatte sich die Globetrotter-Akademie etabliert und es war befürchtet worden, dass die Wiese nun in einer Lichtflut ertrinken würde, was aber nicht unbedingt der Fall ist. Man nimmt auf die Sternfreunde während des AFT Rücksicht, und so kamen zum 2016er Treffen schon wieder mehr Sternfreundinnen und Sternfreunde als 2015.

In seinem „Rückblick auf 2015“ berichtete Carsten Jonas anschließend von seinem Polarlichtbeobachtungsflug, bei dem er mit einer Sony Alpha 7S bei ISO 20000 und 1 Sekunde Belichtungszeit Polarlichter fotografieren konnte. Er zeigte Aufnahmen des Polarlichts vom 17.03.2016 aus Kiel, Leuchtenden Nachtwolken aus der Saison 2015 und sehenswerten Animationen aus Einzelbildern.

Im letzten Vortrag des Tages gab Mario Lehwald einen kleinen Überblick über die allgemeinen Kenndaten des Saturnmondes Titan sowie die Raumsondenmissionen zu ihm, und führte danach einen mit dem Programm terragen 3 simulierten Flug über die Mondoberfläche aus originalen NASA-Aufnahmen vor.


Nach den Schlussworten des Veranstalters übergab Marco Ludwig an Oliver Paulien symbolisch den Schlüssel für die Neumünsteraner Sternwarte als Domizil für die Zeit vom Auszug aus der alten und den Einzug in die neue Sternwarte! Wann und wo das Herbst-NAFT 2016 ausgetragen wird, wurde noch nicht festgelegt, wird aber über Astrotreff.de und die entsprechenden Mailinglisten bekannt gegeben werden.

Montag, 11. April 2016

16. LNdM und 4. BTT in Bergedorf

Am 9. April 2016 gab es die 16. Lange Nacht der Museen (LNdM) in Hamburg und die Sternwarte Bergedorf nahm mit einem umfangreichen Programm daran teil. Aus diesem Anlass fand vom 8. bis zum 10. April auf dem Freigelände vor dem Sonnenbau gleichzeitig das 4. Bergedorfer Teleskoptreffen statt.

Kurz nach Mittag holte ich einen Astrokollegen ab und kaum angekommen, begrüßten wir die Teilnehmer des Treffens, die teilweise von weither gekommen waren und ihre Fahrzeuge zu einer Wagenburg auf dem Freigelände neben dem Beamtenwohnhaus zusammengestellt hatten.

Schon Wochen vor der Veranstaltung hatte ich mich als Mitglied des Fördervereins der Sternwarte bereit erklärt, beim Aufbau mitzuhelfen und am Abend bei einer der Ausstellungen Aufsichtsdienst zu übernehmen. Gleichzeitig sollte auch ein kleines Sonnenbeobachtertreffen stattfinden, was aber mangels Beteiligung nicht wirklich zustande kam.

Amateurteleskope auf der Wiese mit Blickrichtung Westen. Im Hintergrund das Beamtenwohnhaus, daneben die "Wagenburg". Das gelbe Haus im Vordergrund ist das letzte verbliebene Mirenhaus, über das man vom Meridianhaus aus die Nordrichtung einpeilen konnte
Amateurteleskope mit Blickrichtung Osten vor dem Sonnenbau
Auf der Wiese vor dem Sonnenbau stand eine erkleckliche Zahl von Teleskopen unterschiedlichster Bauart und Öffnung. Einige hatte Sonnenfilter vor dem Objektiv und so durften und konnten wir sie zur Beobachtung der gerade sichtbaren großen Fleckengruppe 12529 nutzen. 

Schon am frühen Nachmittag – die LNdM begann offiziell erst um 18 Uhr – erschienen die ersten Besucherinnen und Besucher auf der Sternwarte und kamen so in den Genuss einer öffentlichen Sonnenbeobachtung. Kurz nach 15 Uhr half ich mit, im Bereich des Nebeneingangs in der August-Bebel-Straße ein Zelt für Kasse und den Infostand aufzubauen. Danach gab es eine kleine Stärkung im Café Raum und Zeit im Besucherzentrum, das wieder mal mit einigen kulinarischen Höhepunkten aufwartete und die Besucherinnen und Besucher bis spät in die Nacht hinein mit schmackhaftem Essen und Getränken bestens versorgte. Deren Dienste wurde umso stärker in Anspruch genommen, je dunkler und je kälter es draußen wurde.
Ab 18 Uhr begann das offizielle Programm im „Astronomiepark Hamburger Sternwarte“ zahlreichen mit Führungen und Vorträgen unter dem Motto „Raum und Zeit“. Bei den Führungen konnte man nicht nur Teleskope besichtigen, sondern auch durch sie hindurchschauen, und auch bei den Sternfreunden wurde eifrig zusammen mit den Interessierten Mond und Jupiter beobachtet. Leider zog der Himmel später zu, zwischendurch gab es aber einige klare Phasen, in denen man auch ein paar Deep-Sky-Objekten gezeigt bekam.

Bei den relativ gut besuchten Vorträgen ging es u.a. um die „Vermessung des Himmels mit dem Schmidtspiegel“, „Weltbild und Vermessung des Himmel“, „Einsteins rätselhafter Kosmos“, „Zeitmessung und Navigation – der Hamburger Zeitball“, „Historische astronomische Photoplatten in der Forschung von heute“ oder „Raum und Zeit – Einstein und die Kosmologie“.

Im Hauptgebäude gab es im Keller, der Bibliothek und im 1. Stock interessant gestaltete Sonderausstellungen zu den Themen: „Bibliophile Kostbarkeiten - Raum und Zeit“, „Vermessung von Raum und Zeit“, „Raum und Zeit - Einstein und die Kosmologie“, „Vermessung des Himmels mit dem Schmidtspiegel“‚ „Zeitmessung und Navigation – der Hamburger Zeitball“, „Historische astronomische Photoplatten in der Forschung von heute“ und „Sterne über Hamburg“. Abgerundet wurde das Ganze durch musikalische Darbietungen des LOLA Chors Bergedorf im Vortragsraum des 1m-Gebäudes.


Bildposter Kopernikus I
Bildposter Kopernikus II



Modell des Hamburger Schmidtspiegels, der sich seit 1975 auf dem Calar 
Alto befindet und dort 2001 außer Dienst gestellt wurde  
Der "Ur-Schmidt"
Wenn auch etwa 30% weniger Leute als im letzten Jahr die Veranstaltung besuchten, so taten sie dies doch in guter und ausgelassener Stimmung und so verging meine von 19 bis 20 Uhr und von 21 bis 23 Uhr dauernde Dienstzeit im Keller wie im Fluge, zumal ich auch viel über die Ausstellung und das Schmidt-Museum befragt wurde.

Gegen 23 Uhr verabschiedete ich mich dann, zumal der Himmel jetzt endgültig zugezogen war.  Nach diesem arbeitsreichen Tag war ich trotzdem sehr zufrieden. Es war eine gelungene Veranstaltung bei der alle ihren Spaß hatten und auf ihre Kosten kamen.